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Deutsche Bank Der Höllenjob des Anshu Jain

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Erkaufter Frieden

Jain will alle Altlasten schnell weghaben. So hat er auch besonders darauf gedrängt, 925 Millionen Euro nach München zu überweisen, um endlich den Streit um die Kirch-Pleite im Jahr 2001 zu beenden.

Nach außen erkauft sich die Bank so etwas Frieden. Intern sorgen die Summen für Unruhe. Denn das Sparprogramm „Operational Excellence“ verordnet jeder Abteilung ein knallhartes Sparziel. Stellen werden nicht wieder besetzt, sogar die Drucker bedrucken das Papier seit Kurzem nur noch beidseitig. Abteilungsleiter rechnen aus, wie viele Jahre es dauert, bis ihre Einsparungen den Kirch-Vergleich finanziert haben. Und kommen auf Jahrzehnte.

Es grummelt gewaltig. Bei Überweisungen im Privatkundengeschäft sind schon immer Kontrollen wie das Vier-Augen-Prinzip vorgesehen, während Milliardenspiele im Investmentbanking unbehelligt abliefen. Ackermann und Jain fuhren die Überwachung teilweise zurück. Kein Wunder, dass Banker beider Lager einander mit Skepsis begegnen. Bei den Kulturwandel-Seminaren erforschen Führungskräfte aus allen Bereichen, wie es zu den Sünden kommen konnte. Die Investmentbanker haben da erst mal einen schweren Stand.

Müssen sich Anleger Sorgen machen?

Mancher in der Bank stellt den Kurs der vergangenen 20 Jahre komplett infrage. Erst investierte sie Milliarden in den Aufbau des Kapitalmarktgeschäfts, verdiente so eine Weile Milliarden und zahlt dafür nun Milliardenstrafen. In der Führung heißt es, die Bilanz des Investmentbankings insgesamt sei positiv und die Bank nur wegen ihm als einzige in Deutschland international wettbewerbsfähig. Doch die Filialmitarbeiter zahlen einen hohen Preis, wenn ihre Kunden sie auf die neueste Ungeheuerlichkeit der Kollegen ansprechen.

Da ist es ein schwacher Trost, dass Jain keinen Bereich der Bank so radikal umkrempelte wie seinen eigenen. In der Investmentbank hat er seit 2012 das härteste Sparprogramm durchgezogen. 2000 Stellen fielen weg, und das schwache Geschäft dürfte dafür sorgen, dass der Schrumpfprozess noch weitergeht. Wie ihre Wettbewerber leidet die Deutsche Bank unter dem schwachen Handel mit Anleihen und einem lahmen Devisengeschäft.

Weiches Thema in harter Zeit

Dabei geht es nicht nur um eine der üblichen Flauten, sondern um tief greifende Veränderungen durch Regulierung. Die betrifft vor allem den Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen, aus dem Jain selbst kommt. „Die Welt hat sich verändert, und wir müssen uns anpassen“, sagt Colin Fan, der das Geschäft gemeinsam mit Robert Rankin leitet, seit Jain an die Spitze der gesamten Bank gerückt ist. Die Bank hat den Eigenhandel dichtgemacht und den physischen Handel mit Rohstoffen eingestellt. Anders als mancher Wettbewerber will sie aber grundsätzlich weiter alle wesentlichen Dienstleistungen anbieten. Nur so könne sie ihre globalen Ambitionen aufrechterhalten.

Die verkörpert Fan ähnlich wie Jain, zu dessen engsten Vertrauten er zählt. Er wurde in China geboren und wuchs in Kanada auf. Seine wichtigste Aufgabe ist es nun, den von Jain und Fitschen ausgerufenen Kulturwandel auch den hartgesottenen Händlertruppen zu vermitteln. Leicht ist das nicht. „Alle waren überrascht über das vermeintlich weiche Thema in einer Zeit, in der die Bank mit Herausforderungen in ihrem Kerngeschäft konfrontiert ist“, sagt Fan.

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