Deutsche Bank Was läuft schief, Herr Achleitner?

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"Es geht um die Zukunft der Deutschen Bank, nicht um die von Individuen"

Das scheint schwer, das Vertrauen in Fitschen und Jain hat auch bei Investoren gelitten. Für die kommende Hauptversammlung empfehlen einflussreiche Aktionärsberater wie ISS, den Vorstand nicht zu entlasten.

Es ist legitim, dass die Eigentümer ihre Bedenken, Einschätzungen und Empfehlungen dort äußern. Das ist schließlich der Sinn einer Hauptversammlung. Wir profitieren davon, wenn wir uns mit anderen Meinungen auseinandersetzen.

Jain und Fitschen haben die meisten ihrer für 2015 ausgegebenen Ziele verfehlt. Was spricht noch für sie?

Die Frage werden die beiden Co-Vorstandsvorsitzenden bei der Hauptversammlung selbst beantworten.

Sie haben die beiden Co-Chefs immer gestützt. Halten Sie sie weiter für die richtigen?

Ich werde keine Personaldiskussion mit Ihnen führen, weder in die eine noch in die andere Richtung. Unsere Aufgabe als Aufsichtsrat besteht darin, alle Entwicklungen kritisch zu begleiten und zur richtigen Zeit die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Würden Sie gerne mit Jain und Fitschen weitermachen?

Wir arbeiten gemeinsam daran, dass es uns gelingt, wieder eine respektierte und geachtete Bank zu sein.

Das klingt nicht so, als ob die beiden unersetzbar wären.

Wer ist das schon? Es geht bei diesen Fragen um die Zukunft der Institution Deutsche Bank, nicht um die von Individuen. Mit unserer neuen Strategie haben wir gezeigt, wo die Reise hingehen soll. Jetzt gilt es, diese erfolgreich umzusetzen.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Jürgen Fitschen steht derzeit wegen versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren in München vor Gericht. Warum halten Sie an ihm fest?

Wir beobachten und beurteilen den Fortgang des Verfahrens gewissenhaft. Das tun wir ganz nüchtern, ohne Rücksicht auf persönliche Wünsche und Sympathien. Mein Vertrauen in den Rechtsstaat ist so groß, dass ich von einem richtigen Urteil ausgehe. Natürlich würden wir uns freuen, wenn am Ende ein Freispruch steht.

Altlasten wie der Kirch-Prozess belasten das Erscheinungsbild der Deutschen Bank. Vom Anspruch, wieder ein respektiertes Unternehmen zu werden, ist die Bank weit entfernt.

Die Lasten aus der Vergangenheit überdecken, was wir schon erreicht haben. Die Bank ist heute viel stabiler, es gibt mehr Kontrollen, und auch kulturell hat sich vieles zum Guten verändert. Wie arbeiten systematisch und hart daran, uns weiter zu verbessern und Altlasten kontinuierlich zu beseitigen.

Da haben Sie noch viel zu tun. Die britischen und US amerikanischen Aufseher haben gegen die Deutsche Bank nicht nur die höchste Strafe wegen der Manipulation von Referenzzinsen wie dem Libor verhängt, sondern auch den mangelhaften Willen zur Aufklärung kritisiert.

Wir müssen unterscheiden, ob es um individuelles Fehlverhalten oder technische Mängel geht. Dass die Bank technisch nicht alle Anforderungen immer unmittelbar erfüllen konnte, ist sehr bedauerlich. Eine aktive Blockadehaltung hat der Aufsichtsrat bisher nicht erkennen können. Dann hätte es entsprechende personelle Konsequenzen gegeben.

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