Deutsche Bank Hält doppelt besser?

An harten Schnitten führt bei der Deutschen Bank kein Weg vorbei. Tatsächlich spricht viel für eine Aufspaltung des Instituts in zwei Banken. Dass das kaum Einschnitte bringt, dürfte aber eine trügerische Hoffnung sein.

Dunkle Wolken über der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main Quelle: dpa

Entschieden ist noch nichts. Aber der Nebel, der die Zwillingstürme der Deutschen Bank seit fast drei Monaten umhüllt, lichtet sich allmählich. Und die Konturen, die da erkennbar werden, machen eins ganz klar deutlich: Am Ende der von Aufsichtsratschef Paul Achleitner initiierten Strategiedebatte werden keine kosmetischen Korrekturen stehen. Stattdessen wird die Deutsche Bank ganz anders aussehen als jetzt.

Anders heißt hier vor allem: Deutlich kleiner und deutlich fokussierter, bis hin zu der nun offenbar favorisierten Lösung, dass es künftig statt einer gleich zwei Banken gibt. Die harten Schnitte sind überfällig. Schon jetzt hat die Bank zu viel Vertrauen bei Investoren und Regulatoren verspielt.

Die drei aktuell diskutierten Zukunftsmodelle haben damit eins gemeinsam: Sie sind ein Eingeständnis, dass sich die Führung der Bank bei ihrem Amtsantritt 2012 dramatisch überschätzt hat. Abgesehen von einigen Feinjustierungen hatten Jürgen Fitschen und Anshu Jain ein optimistisches "Weiter so" verkündet.

Auch wenn vieles für das von ihnen favorisierte Modell der Universalbank sprach, hat es doch nicht funktioniert. Lange, zu lange hat die Bankführung an ein Comeback des Anleihegeschäfts geglaubt und gleichzeitig den Eifer der Regulierer unterschätzt. Die Details waren da sicher nicht alle vorhersehbar. Dass sich eine entschlossenere Weichenstellung auszahlen kann, hat aber ausgerechnet die Schweizer UBS gezeigt. Sie hat früh große Teile des Investmentbankings zugemacht und sich vor allem auf die Vermögensverwaltung konzentriert – derart fokussiert findet sie allmählich zu alter Stärke zurück.

So tickt die Investmentsparte der Deutschen Bank

Das Modell lässt sich so nicht auf die Deutsche Bank übertragen. Aber wie auch immer deren Konzept am Ende aussieht, ist eins gewiss: Investmentbanking und Vermögensverwaltung gehören auch künftig zu den Kernaktivitäten der Bank, das gewöhnliche Privatkundengeschäft wohl nur bedingt. Das ist kein Triumph von Anshu Jain und seinen angeblichen Zockerfreunden, sondern eine Rückkehr zu den Wurzeln. Die Deutsche Bank war traditionell immer in erster Linie eine Adresse für Unternehmen, die sie auch international begleitete. Schon durch den Rückzug etlicher Wettbewerber kann hier womöglich Platz für Wachstum entstehen. Im Kern wird dies niemand anzweifeln: Große deutsche Unternehmen brauchen eine Bank aus Deutschland, die sie weltweit in wirklich allen Finanzfragen begleitet. Hier steht die Deutsche Bank nach den Krisen der vergangenen Jahre heute weitgehend konkurrenzlos da.

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Das lässt sich vom Privatkundengeschäft so nicht sagen. Daher spricht durchaus viel dafür, es künftig auf eigene Füße zu stellen. Nicht zuletzt geht es hier um kulturelle Argumente: Die Gräben zwischen den deutschen Filialen und dem weltweiten Kapitalmarktgeschäft haben sich in den vergangenen Jahren wieder vertieft.

Eine komplette Abspaltung ist jedoch nicht nur technisch schwierig: Es bleibt auch die Frage, wie attraktiv eine solche Bank eigentlich für Investoren ist. Die Kombination aus Deutscher Bank und Postbank ist zwar deutlich besser unterwegs als manche Konkurrenten. Deutsche-Bank-Kunden scheuen bei der Geldanlage auch nicht vor Wertpapieren zurück, sodass das Ergebnis weniger als bei Wettbewerbern vom Zinsüberschuss lebt.

Doch auf absehbare Zeit wird das Geschäft bei allen Instituten unter den niedrigen Zinsen leiden. Zeitgleich erfordert die Digitalisierung eigentlich hohe Investitionen in neue Techniken. Filialen bleiben zwar wichtig, das Netz kann aber kaum in seiner heutigen Form aufrechterhalten werden.

Die Abspaltung des gesamten Privatkundengeschäfts mag für Arbeitnehmer die sanfteste Variante sein. Dass sie kaum Einschnitte bringt, dürfte jedoch eine trügerische Hoffnung sein.

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