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Deutsche Bank Der Höllenjob des Anshu Jain

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Härtere Strafen

Damit es nicht nur Gerede bleibt, wird das richtige Verhalten in Rollenspielen eingeübt. Wer nicht hören will, muss büßen. „Strafen für Fehlverhalten müssen drastisch ausfallen. Wir sollten diese Personen enttarnen, ihnen kündigen, ihre Boni und Belegschaftsaktien kassieren und die Aufsichtsbehörden informieren“, droht Fan.

Auf die Skandale reagiert die Bank mit deutlich mehr Kontrollen und mit Rückzug, etwa bei der Ermittlung des Goldpreises oder von einigen Devisenkursen. „Wir können unsere Teilnahme nicht komplett einstellen, weil wir in manchen Märkten ein wichtiger Teilnehmer sind. Bis dato haben wir die Zahl der Fixings, an denen wir teilnehmen, um zwei Drittel gesenkt“, sagt Fan. Um Fehlverhalten auszuschließen, wird stärker automatisiert: Rund die Hälfte des Devisenhandels wird elektronisch abgewickelt, der Anteil dürfte bald auf 80 bis 90 Prozent steigen. Und Fan setzt auf einfache Produkte, er wolle „dem Brot-und-Butter-Geschäft Priorität einräumen“.

Wie deutsch ist die Deutsche Bank?
Anshu Jain Quelle: dapd
Jürgen Fitschen Quelle: dapd
Rainer Neske Quelle: unbekannt.
Stefan Krause Quelle: dapd
Stephan leithner Quelle: dpa
Stuart Lewis, Chief Risk Officer der Deutsche Bank Quelle: Presse
Henry Ritchotte Quelle: unbekannt.

Vertraute wie Fan sollen verhindern, dass Jains größte Angst wahr wird und aus Geschäften von heute Altlasten von morgen werden. Ein neuer Libor-/Devisen-/Kirch-Fall wäre das Ende seiner Karriere und ein weiterer Tiefschlag für das Image der Bank. Nur wenn sie längere Zeit sauber bleibt, kann Jain zu einem ganz normalen Manager werden, dem die Leute vertrauen.

Durch die Hintertür

Nirgends fehlt es daran so wie in Berlin. 15 Mal im Jahr ist Jain in der Hauptstadt, sie ist sein deutscher Lieblingsort. Die Ministerien aber betritt er durch den Hintereingang. Sich mit ihm zu zeigen gilt unter Politikern als unschick, viele würden ihn gerne abgelöst sehen.

Da muss Jain jede Chance nutzen. Im Innenhof der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft in Berlin steht das Deutsche-Bank-Logo in der Ecke. Mitte Februar stellt Ex-Kanzler Gerhard Schröder hier ein neues Buch vor, und weil Schröders Agenda heute als deutsches Erfolgsrezept gilt, ist der Saal voll.

In Arbeit
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Jain ist ein artiger Gastgeber, er kommt genau pünktlich, dunkelblauer Anzug, die rechte Hand lässig in der Hosentasche, lächelt er freundlich, fast schelmisch. Er macht das souverän, zitiert auf Englisch sogar Thomas Mann: „Wir wollen kein deutsches Europa, sondern ein europäisches Deutschland.“ Es ist ein kurzer Auftritt ohne Widerhaken. Nach fünf Minuten ist die Pflicht vorbei. Als Belohnung für Jain gibt es gemeinsame Fotos in den Zeitungen.

In seiner Ansprache hat Jain Schröder gelobt, weil der auch gegen Widerstände durchsetzte, was er für richtig hielt. Heute bekommt Schröder anders als für seine Freundschaft zu Wladimir Putin dafür Applaus. Jain strebt nicht wie sein Vorgänger Ackermann einen Platz in einem Geschichtsbuch an. Wenn es irgendwann hieße, dass er der richtige Mann am richtigen Ort war, würde ihm das schon reichen.

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