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Deutsche Bank Der Höllenjob des Anshu Jain

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Hoffen auf die Wende

2013 verdiente die Bank 1,5 Milliarden Euro vor Steuern, 2012 war es nur halb so viel. Belastungen durch Abschreibungen, Vergleiche in Rechtsstreitigkeiten und Strafen verhageln das Ergebnis. So geht es erst mal weiter. 2014 werde sicher nicht besser laufen, heißt es in Vorstandskreisen, wieder werde es Milliarden an Strafzahlungen und Abschreibungen geben. Wieder geht es also mehr ums Aushalten als ums Wachsen. Disziplin bleibt höchstes Gebot.

Ab 2015 soll die Bank auf Wachstum umschalten. Die Pläne liegen bereit: Die Führung will die Vermögensverwaltung ausbauen, sich in den Metropolen der Schwellenländer engagieren, bei der Konsolidierung der Branche mitmischen und auch technisch ganz vorne dabei sein.

Die größten Risiken und Probleme der Deutschen Bank
Libor-Skandal Über Jahre versuchten internationale Großbanken den Referenzzins zu manipulieren, um höhere Gewinne zu erzielen. Daran waren auch Beschäftigte des Dax-Konzerns beteiligt. Mehrere Investmentbanker der Deutschen Bank mussten gehen. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war auch Jain, der seit Jahren das Investmentbanking verantwortet. Die drei Konkurrenten Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS mussten bereits hohe Strafen zahlen. Das droht auch der Deutschen Bank. Quelle: dpa
Kirch-ProzessIm Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch wurde die Bank vom Münchner Oberlandesgericht grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Die Höhe steht noch nicht fest. Die Bank wehrt sich vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen den Schuldspruch, bildete in diesem Fall aber auch erstmals Rückstellungen. Die Kirch-Seite macht die Bank für die Pleite der Medienunternehmens 2002 verantwortlich und fordert gut zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Einen Vergleich lehnte die Deutsche Bank bislang ab. Im April sah sich das Institut zu einer außerordentlichen Hauptversammlung gezwungen, weil Kläger aus dem Kirch-Lager erfolgreich Beschlüsse des letzten regulären Aktionärstreffens im Mai 2012 angefochten hatten. Quelle: dapd
USADas Land ist einer wichtigsten Märkte für die Deutsche Bank. Die Politik dort will nun die Kapitalregeln für Auslandsbanken verschärfen. Das würde die Deutsche Bank besonders zu spüren bekommen. Zudem kämpft das Institut wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/08 mit zahlreichen Klagen. Oft geht es um Hypothekengeschäfte. Quelle: AP
AbbausparteDer Bereich wird auch als „Bad Bank“ der Deutschen Bank bezeichnet. In der Sparte hat sie alle Geschäfte und Anlagen geparkt, von denen sie sich trennen möchte. Dazu gehören auch einige verlustreiche Ladenhüter wie das einst von der Bank finanzierte Kasino Cosmopolitan in Las Vegas und der US-Hafenbetreiber Maher, die schon seit Jahren auf einen Verkauf warten. Der eigentlich schon vereinbarte Verkauf der Frankfurter BHF-Bank an die Finanzgruppe RHJ stockt seit Monaten, weil die Finanzaufsicht kein grünes Licht gab. Quelle: Presse
VermögensverwaltungGern hätte das Institut im vergangenen Jahr einen Großteil dieses Geschäfts verkauft. Die Verhandlungen verliefen aber im Sande, da die Gebote zu niedrig waren. Nun will die Bank die Sparte selbst weiterentwickeln. Doch die Konkurrenz wird größer. Immer mehr Institute buhlen um reiche Kunden in aller Welt, da dieses Geschäft als vergleichsweise stabil gilt. Die Deutsche Bank findet sich international in der Vermögensverwaltung bislang nur auf einem der hinteren Plätze. Quelle: REUTERS

Nicht alles unter Kontrolle

Der Auftakt dazu ist gemacht. Neulich hat Jain im Rechenzentrum in Eschborn bei Frankfurt vor mehr als 1000 Bankern erklärt, wie radikal neue Technologien wie der Mobilfunkstandard 4G das Leben der Kunden und damit das Bankgeschäft verändern. An seiner Seite Privatkundenvorstand Rainer Neske, den er bei der Gelegenheit als obersten Digital-Beauftragten der ganzen Bank vorstellte. Ein cleverer Schachzug: In Jains Anfangstagen galt Neske als Vertreter der Traditionalisten – und damit als möglicher Gegenspieler.

Jain weiß, was er will, er kann seine Pläne mit ein paar Strichen auf dem Notizblock deutlich machen. Und hat doch nicht alles unter Kontrolle. Wie faulige Blasen poppten nach seinem Amtsantritt Skandale an die Oberfläche. Mögliche Manipulationen von Libor-Zinsen, Devisenmärkten und Goldpreis sowie Ermittlungen von Staatsanwälten wegen Falschaussagen im Kirch-Prozess und Steuerbetrug mit Klimazertifikaten dominieren das Bild der Bank.

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So auch bei der jährlichen Pressekonferenz Ende Februar. Jain und Fitschen wollen ihre maue Bilanz für 2013 als Erfolg verkaufen. Fast neun Milliarden Euro Gewinn habe die Bank ohne Sonderbelastungen gemacht, das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten. Doch beide wirken alles andere als euphorisch. Und das Ergebnis ist eh zweitrangig. „Warum sind Sie der Richtige?“, „Was wussten Sie von der Manipulation von Zinssätzen?“ – Fragen wie im Polizeiverhör verfolgen Jain auf Schritt und Tritt.

Mindestens so schwer wie das moralische Misstrauen wiegt das der Investoren. Aktuell beklagen sie zu wenig Transparenz bei der Vergütung. Die größten Sorgen machen sie sich aber wegen der nach wie vor schwachen Kapitalbasis, eine weitere Kapitalerhöhung ist wahrscheinlich. „Die Bank hat ihre Kapitalposition zwar schon dramatisch verbessert, ist aber immer noch auf der niedrigen Seite“, rügt David Moss, Chef des europäischen Aktiengeschäfts beim britischen Vermögensverwalter F&C. In Führungskreisen der Bank kommt die Botschaft offenbar an: „Wir haben nie gesagt, dass das Thema Kapital für uns erledigt ist“, sagt ein Top-Manager.

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