Deutsche Bank Institut droht neuer Ärger bei Kirch-Vergleich und Libor

Die Deutsche Bank gerät wegen des Vergleichs mit den Erben des Medienunternehmers Kirch ins Visier der Justiz. Auch die Bafin wirft dem Geldhaus im Skandal um manipulierte Referenzzinssätze Versäumnisse vor.

Jürgen Fitschen und Anshu Jain wird vorgeworfen, mit Falschaussagen vor Gericht versucht zu haben, Schadenersatzzahlungen für die Kirch-Pleite zu verhindern. Quelle: Reuters

Der Deutschen Bank droht neuer Ärger in Sachen Kirch: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Millionen-Vergleichs der Bank mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch eingeleitet. Es gehe um den Vorwurf der Untreue, bestätigte eine Sprecherin der Behörde am Freitag einen Bericht der „Stuttgarter Zeitung“. Auslöser sei eine Strafanzeige eines Aktionärs, das Verfahren befinde sich in einem sehr frühen Stadium. Ein Sprecher der Bank erklärte: „Die Deutsche Bank kooperiert vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft.“

Nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen um eine Verantwortung der Bank für die Pleite des Kirch-Medienkonzerns 2002 hatte sich das Institut im Februar 2014 mit den Kirch-Erben auf die Zahlung von 925 Millionen Euro geeinigt.

Aktionäre kritisierten dies, schließlich hatte die Bank stets ihre Unschuld in diesem Fall betont.

Stimmen zum Chefwechsel bei der Deutschen Bank

Bei der Hauptversammlung im Mai 2015 warf Bank-Kritiker Michael Bohndorf dem Vorstand - namentlich Co-Chef Jürgen Fitschen - vor, er habe „offenbar wider besseres Wissen diesen Vergleich für die Bank geschlossen“.

Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben der Sprecherin den Text des Vergleichs von der Bank erhalten. Zusätzlich will die Behörde Akten aus dem Zivilverfahren zwischen Bank und Kirch-Erben einsehen. Das kann allerdings dauern, da dieses Material durch den laufenden Strafprozess in München gebunden ist. Dort sind vor dem Landgericht Fitschen und vier ehemalige Topmanager der Deutschen Bank angeklagt. Der Vorwurf: Die Banker sollen mit Falschaussagen vor Gericht versucht haben, Schadenersatzzahlungen für die Kirch-Pleite zu verhindern. Die Angeklagten haben diese Vorwürfe zurückgewiesen.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Auch die Finanzaufsicht Bafin wirft der Deutschen Bank im Skandal um die Manipulation von Referenzzinsätzen einem Insider zufolge schwere Versäumnisse vor. In ihrem Abschlussbericht kritisiert die Behörde unter anderem organisatorische Mängel und unzureichende Kontrollen bei Deutschlands größtem Geldhaus, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Freitag. Zudem werde dem Institut eine schleppende Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Vorstände der Bank seien nicht direkt in die Manipulation von Referenzzinsätzen wie dem Libor verwickelt gewesen, jedoch für die strukturellen Mängel bei der Bank verantwortlich. Die Deutsche Bank wollte sich dazu nicht äußern.

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Kritisiert werden in dem Bericht dem Insider zufolge unter anderem der scheidende Co-Chef Anshu Jain, Personalvorstand Stephan Leithner, der ehemalige Vorstandschef Josef Ackermann sowie Ex-Vorstand Hermann-Josef Lamberti. Von den vier Managern war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Über die Vorwürfe gegen sie hatte zuerst der "Spiegel" berichtet.

Dem Insider zufolge brachte Bafin-Chef Felix Hufeld seine Kritik an dem Geldhaus auch in einem Gespräch mit Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner zum Ausdruck. Ein Sprecher der Deutschen Bank betonte jedoch, es sei kategorisch falsch zu behaupten, Jain und Fitschen hätten sich wegen des Drucks von den Aufsichtsbehörden zum Rückzug entschlossen.

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