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Deutsche Bank Institut will offenbar Schiffskredite in Milliardenhöhe verkaufen

Um die Bilanz zu säubern will die Deutsche Bank offenbar Schiffskredite in Milliardenhöhe veräußern. Laut Finanzkreisen soll es sich dabei insbesondere um ausfallgefährdete Darlehen handeln.

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Die Deutsche Bank will offenbar ihre Schiffskredite verkaufen. Quelle: REUTERS

Die Deutsche Bank will Finanzkreisen zufolge Schiffskredite im Milliardenvolumen verkaufen und damit ihre Bilanz säubern. Deutschlands größtes Geldhaus bereite die Veräußerung eines großen Portfolios an Schiffskrediten vor, in dem viele ausfallgefährdete Darlehen enthalten seien, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Ziel sei es, Kredite im Nominalwert von mindestens einer Milliarde Dollar loszuwerden. Falls die Veräußerung einer ersten Tranche gelinge, könnten noch weitere Darlehen auf den Markt geworfen werden.

Die Schiffsbranche durchläuft wegen Überkapazitäten seit Jahren eine schwere Krise. Zuletzt verschärfte sich die Lage noch einmal wegen des schwächeren Wachstums in China und des mauen Welthandels. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat deshalb von zahlreichen Finanzinstituten umfangreiche Daten über Schiffskredite und Rücklagen für ausfallgefährdete Darlehen angefordert. Viele Institute fürchten, dass die EZB in einem zweiten Schritt höhere Abschreibungen verlangen wird. "Jeder, der Schiffskredite in signifikanter Größenordnung hat, macht sich Gedanken über Verkäufe", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Die Deutsche Bank sei da keine Ausnahme.

Die Frankfurter stehen wegen der Schiffskrise nicht so stark im öffentlichen Fokus wie die HSH Nordbank oder die NordLB. Das Geldhaus hat Insidern zufolge aber Schiffskredite mit einem Volumen von rund fünf Milliarden Euro in den Büchern. Deutschlands größtes Geldhaus wollte sich zu einem möglichen Verkauf von Schiffskrediten nicht äußern.

Die Problemfälle der Deutschen Bank
Mai 2016Der italienische Staatsanwalt Michele Ruggiero ermittelt wegen Marktmanipulation gegen die Deutsche Bank und fünf aktuelle und ehemalige Top-Manager. Es geht um den Verkauf von italienischen Staatsanleihen im Wert von sieben Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2011. Die Deutsche Bank soll öffentlich versichert haben, dass die italienischen Staatsschulden stabil seien, gleichzeitig aber den Märkten und dem Finanzministerium in Rom verschwiegen haben, dass sie ihre eigenen Bestände drastisch abbauen werde. Quelle: REUTERS
Mai 2016Die Deutsche Bank legt ein Verfahren in den USA außergerichtlich bei. Sie zahlt 50 Millionen Dollar wegen des Vorwurfs der Manipulation des Marktindexes Isdafix. Mehrere Pensionsfonds und Kommunen hatten insgesamt 14 Banken vorgeworfen, den Wettbewerb auf dem Markt für sogenannte Zinsswaps behindert zu haben. Quelle: REUTERS
Mai 2016Die britische Finanzaufsicht FCA wirft der Deutschen Bank grobe Versäumnisse bei ihren Kontrollsystemen vor. Die Aufsicht kritisiert die Vorkehrungen des Instituts gegen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Sanktionsverstöße. Diese wiesen "systematische Mängel" auf. Führungskräfte seien nicht ausreichend im Kampf gegen Finanzkriminalität engagiert. Quelle: REUTERS
28. April 2016Dieser Ärger ist hausgemacht: Georg Thoma, Leiter des Integritätsausschusses im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, legt sein Amt nach massivem Druck seiner Kollegen nieder. Da Thoma vor allem die Aufklärung von Skandalen vorantreiben sollte, verunsichert sein Rückzug die Investoren.    Quelle: dpa
25. April 2016Ausnahmsweise mal ein juristischer Erfolg für die Bank. Das Münchner Landgericht spricht Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen und vier Ex-Spitzenbanker vom Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs frei. Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, im Zivilprozess um die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch gelogen zu haben. Quelle: dpa
22. April 2016Aktionärin Marita Lampatz verlangt eine umfangreiche Sonderprüfung bei der Deutschen Bank. Neben vergangenen Jahresabschlüssen soll ein externer Experte auch Schadenersatzansprüche gegen Aufsichtsratschef Paul Achleitner und andere Topmanager wegen des Libor-Zinsskandals prüfen. Über den Antrag entscheidet die Hauptversammlung am 19. Mai. Quelle: dpa
April 2016Die Veröffentlichung der „Panama Papers“ zeigt, dass rund 30 deutsche Banken in den vergangenen Jahren die Dienste der Kanzlei Mossack Fonseca genutzt und mit ihrer Hilfe Briefkastenfirmen aufgesetzt haben. Auch die Deutsche Bank ist dabei. Quelle: REUTERS

Da neben der Deutschen Bank auch die HSH Nordbank und die NordLB Schiffskredite in großem Stil losschlagen wollen, sind Verkäufe derzeit schwierig, wie Banker und Experten betonten. Veräußerungen an Finanzinvestoren seien nur mit einem hohen Abschlag auf die Nominalwerte der Schiffe möglich. Und der Preis sei in den Verhandlungen nicht der einzige Streitpunkt. Auch die Vorstellungen, welche Kredite und Schiffstypen in einem zu verkaufenden Portfolio gebündelt werden, klafften zwischen Käufer und Verkäufern oft weit auseinander, berichtet ein Insider. "Das macht die Sache sehr komplex."

Deutsche Banken haben vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 besonders viele Schiffe finanziert und stehen wegen der Flaute auf hoher See nun besonders stark unter Druck. Die NordLB erwartet dieses Jahr zum ersten Mal seit 2009 wieder rote Zahlen. Bei der Bremer Landesbank schmilzt die Kapitaldecke wegen Verlusten in der Schifffahrt so stark, da sie vom Mehrheitseigner NordLB vermutlich komplett geschluckt werden muss. Und die HSH muss nach mehreren staatlichen Stützungsmaßnahmen auf Druck der EU-Kommission bis 2018 verkauft oder abgewickelt werden.

Die deutschen Institute müssten in den nächsten ein bis zwei Jahren weitere Rückstellungen für ausfallgefährdete Schiffskredite bilden und die daraus entstehenden Verluste verdauen können, sagte Klaus Stoltenberg, der Chef der Schiffsfinanzierung bei der Deutschen Bank, Anfang Juni bei einer Branchenkonferenz in Athen. "Man kann die Probleme nicht weiter vor sich herschieben. Die Leute müssen sich der Realität stellen."

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