Deutsche Bank John Cryan schiebt neue Strategie an

Bei der Deutschen Bank nimmt die "Strategie 2020" Gestalt an. Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan will schon in der kommenden Wochen bekannt geben, was das Geldinstitut in Sachen Schrumpfkur angehen wird.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Bei der Deutschen Bank nimmt die neue "Strategie 2020" Gestalt an. Der seit drei Wochen amtierende Vorstandschef John Cryan werde den Aufsichtsrat kommende Woche über die bisherigen Überlegungen informieren, sagte eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Dabei gehe es voraussichtlich um den Rückzug aus sechs Ländern, um die beschlossene Schrumpfkur umzusetzen. Dazu zählten Staaten wie Peru, die keine strategische Bedeutung für den Konzern hätten. Die Präsenz in Europa zu verringern, sei dagegen derzeit kein Thema. Außerdem solle der Aufsichtsrat den weiteren Zeitplan für den Postbank-Verkauf über die Börse diskutieren.

Stimmen zum Chefwechsel bei der Deutschen Bank

Die Aufseher kommen am 30. Juli in New York zu einer regulären Sitzung zusammen, bei der es auch um die Zahlen des zweiten Quartals gehen wird. Cryan, der die letzten zwei Jahre selbst im Aufsichtsrat saß und Anfang Juli überraschend Co-Vorstandschef Anshu Jain ablöste, wird vor dem Gremium nun erstmals in neuer Funktion auftreten. Das Strategie-Update unter Tagesordnungspunkt 5.3 spielt dabei eine besonders wichtige Rolle. Cryan werde aber nur einen Zwischenstand geben können, betonte der Insider. Konzernweit brüteten viele Arbeitsgruppen noch an Details - insbesondere zum erwarteten Stellenabbau, der nach den bisherigen Plänen vor allem das Privatkundengeschäft treffen dürfte. Hier wolle man die Zahl der Kündigungen mit Abfindungsangeboten und Vorruhestandsregelungen möglichst gering halten.

Die Deutsche Bank wollte sich zum Thema Aufsichtsratssitzung nicht äußern. Offiziell hat sich Cryan - der einen Ruf als harter Sanierer genießt - Zeit bis Ende Oktober ausbedungen, um der Öffentlichkeit Details der neuen Strategie mitzuteilen.

Die großen Linien der Neuaufstellung hatte das Institut bereits Ende April kommuniziert: Die Postbank soll abgestoßen und das verbleibende "blaue" Filialgeschäft deutlich gestrafft werden. Von den 700 Deutsche-Bank-Filialen in Deutschland werden demnach bis 2017 nur noch 500 übrig bleiben. Auch die Investmentbank soll etwas abspecken, aber schlagkräftig bleiben. Zur geographischen Ausrichtung hieß es bislang nur, Deutschlands größtes Geldhaus wolle sich aus bis zu zehn Ländern ganz oder zum Teil zurückziehen. Mit der Schrumpfkur hofft das Institut, rentabler zu werden und die strengeren Kapitalanforderungen der Regulierer besser erfüllen zu können

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