Deutsche Bank Jürgen Fitschen hält Mitangeklagten die Treue

Im Betrugsprozess im Fall Leo Kirch hat Jürgen Fitschen ausgesagt. Dabei meidet der Deutsche-Bank-Co-Chef eine Distanzierung zu seinen mitangeklagten Ex-Vorständen Ackermann und Breuer – er kann sich nicht erinnern.

Fitschen vor Gericht: In seiner Aussage hält der Co-Chef der Deutschen Bank zu seinen Mitangeklagten. Quelle: dpa

Im Strafprozess gegen Top-Manager der Deutschen Bank wegen des Vorwurfs von Falschaussagen im Fall Kirch haben die Richter dem Co-Chef Jürgen Fitschen auf den Zahn gefühlt.

In einer stundenlangen Befragung vor dem Landgericht München ging es am Dienstag vor allem um die Frage, ob Fitschen seine Vorstandskollegen durch sein Handeln gedeckt haben könnte. Dies wirft die Staatsanwaltschaft dem Banker vor und hatte ihn zusammen mit vier Ex-Managern wegen versuchten Prozessbetrugs angeklagt. Fitschen hatte dies zurückgewiesen und erklärt, er habe nicht gelogen und betrogen. Auch seine Vorgänger Rolf Breuer und Josef Ackermann sowie zwei weitere Ex-Banker wehrten sich gegen die Vorwürfe.

Chronologie: Kirch und die Deutsche Bank

Der Vorsitzende Richter Peter Noll wollte von Fitschen aber wissen, warum er nicht deutlich gemacht habe, dass er andere Erinnerungen an eine entscheidende Vorstandssitzung bei der Deutschen Bank gehabt habe, bei der es auch um Kirch ging, als seine Kollegen. Auch in die Schriftsätze, die die Deutsche Bank im Schadenersatzprozess um die Kirch-Pleite vor vier Jahren verfasst hatte, hätte Fitschen dies einfließen lassen können, so der Richter: „Schreibt zumindest mal rein, dass es auch anders sein könnte, weil ich mich nämlich anders erinnern kann.“

Fitschen stellte klar, dass er der Frage keine große Bedeutung beigemessen habe. „Die Abweichungen sind für mich marginal.“ Die Aussagen betrafen die Frage, ob sich die Deutsche Bank auf dem Höhepunkt der Krise 2002 aktiv um ein Beratungsmandat von der Medien-Gruppe bemühen wollte.

Kirch-Prozess: Das ABC einer Affäre

Der Medienunternehmer Leo Kirch hatte der Bank bis zu seinem Tod 2011 vorgeworfen, sie habe an der Zerschlagung seiner Firmengruppe verdienen wollen und ihn bewusst in die Pleite getrieben. Vor Gericht forderte er dafür Schadenersatz in Milliardenhöhe. Um die Aussagen der Deutsche-Bank-Manager in diesem Zivilverfahren 2011 geht es nun in dem Strafprozess in München.

Spätestens als die Münchner Staatsanwaltschaft im Laufe des Verfahrens Ende 2011 zu einer Razzia in der Deutschen Bank kam, hätte Fitschen sich nach Auffassung der Ankläger an der Aufklärung der Wahrheit beteiligen müssen. Auf Fragen des Richters sagte Fitschen, die Durchsuchung sei für ihn völlig überraschend gewesen. „Das war unangenehm und für mich unverständlich.“

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Bei ihren Durchsuchungen in der Deutschen Bank fanden die Ermittler auch eine Datei mit Dokumenten, die als „not helpful“ (nicht hilfreich) benannt worden war. Die Ermittler werten dies als Beleg dafür, dass innerhalb der Bank bekannt war, dass die Dokumente, in denen es um ein Beratungsmandat für Kirch ging, belastend sein könnten. Fitschen äußerte sich nicht dazu, wie der Titel für die Dokumente zustande gekommen war.

Der Manager hatte am Sonntag vergangener Woche zusammen mit Co-Chef Anshu Jain seinen Rücktritt von der Spitze der Deutschen Bank erklärt, bleibt aber noch bis zum Mai kommenden Jahres im Amt.

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