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Deutsche Bank Kirch-Prozess wird zur unendlichen Geschichte

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Mit harten Bandagen gegen die Bank

Kirch gegen Deutsche Bank
Der Fall Leo KirchFebruar 2002Rolf Breuer, der Chef der Deutschen Bank, stellte vor 10 Jahren die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage. In einem TV-Interview, dass am 4. Februar bei Bloomberg TV ausgestrahlt wurde, sagt er, nach allem, was man „darüber lesen und hören“ könne, sei der Finanzsektor nicht mehr bereit, „auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“. Quelle: AP
Interview im Wortlaut Quelle: AP
Insolvenz Quelle: AP
Taurus-Holding Quelle: AP
BGH Quelle: dpa/dpaweb
Rücktritt Quelle: REUTERS
Abgewiesen! Quelle: dpa

Mitunter wirkt es im Prozess, als seien die Kirch-Anwälte selbst überrascht, wie hart der ehemalige Staatsanwalt Kotschy die Deutsche Bank rannimmt. Deren Vertreter müssen manchmal die Zähne zusammenbeißen, um die Contenance zu wahren. Spätestens seit September ist klar, dass für sie nicht mehr viel zu reißen ist. Da schrieb das Gericht in einen Hinweisbeschluss, dass es „für sehr wahrscheinlich“ halte, dass sich Breuer in einem Fernsehinterview kritisch über Kirchs Kreditfähigkeit äußerte, weil er von ihm einen Auftrag zur Restrukturierung seines maroden Konzerns erhalten wollte. Mit diesem Beschluss könnte die Bank ihren Anlegern einen Vergleich besser verkaufen.

In einem weiteren, bisher nur teilweise veröffentlichten Beschluss wird einem Anwalt von Hengeler Mueller widersprüchliches Verhalten vorgeworfen. Der Beschluss zeigt die Detailversessenheit des Richters. Kotschy vergleicht den Wortlaut eines aktuellen Antrags mit einer zehn Jahre zurückliegenden Äußerung. Es geht um die Frage, ob es Anfragen an die Bank für ein Beratungsmandat bei der Restrukturierung des Kirch-Imperiums gab. Für den Widerspruch findet der Richter klare und tadelnde Worte. Die „Leugnung einer Anfrage dürfte wider besseres Wissen und ins Blaue hineingestellt sein“.

Detailverliebter Besserwisser

Mit solchen Äußerungen polarisiert der Vorsitzende nicht nur in diesem Prozess. Kotschy, der den Senat seit 2005 leitet, sei ein Besserwisser, der grundsätzlich die Vorinstanz korrigieren müsse, sagt ein an dem Verfahren unbeteiligter Anwalt. Er sei gegen Banken eingestellt, deren Zeugen setze er so unter Druck, bis er Widersprüche entdecke. Dann lässt der Anwalt noch fallen, dass sich SPD-Mitglied Kotschy gegen einen bevorzugten Konkurrenten auf seinen Posten geklagt und vergeblich beim Bundesgerichtshof beworben habe.

Termine zum Oktoberfest

Anders sieht ihn eine Anwältin, die Anleger vertritt. Kotschy arbeite sorgfältig und scheue keine Mühe, um die komplizierte Materie zu durchdringen. Als gelerntem Bankkaufmann ist sie ihm ohnehin weniger fremd als anderen. In einem Musterprozess um verlustreiche Beteiligungen an Filmfonds legte der Richter 2010 Termine in die Oktoberfestzeit, um Zeugen aus Hollywood zur Anreise zu animieren.

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