Deutsche Bank mit sechs Milliarden Minus Ein "absolut enttäuschendes Ergebnis"

Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal ein Minus von sechs Milliarden Euro eingefahren. Co-Chef Cryan will nun erklären, wie sich das Institut in Zukunft aufstellen wird. Klar ist: Tausende Jobs werden abgebaut.

Angesichts eines Minus in Höhe von sech Milliarden Euro sprach Deutsche-Bank-Co-Chef John Cryan von einem „absolut enttäuschenden Ergebnis“. Quelle: REUTERS

Der Job-Kahlschlag im Zuge der "Strategie 2020" wird konkret. Die Belegschaft von Deutschlands größtem Geldhaus soll unter ihrem neuen Chef John Cryan um fast ein Drittel schrumpfen. Rund 9000 der gut 100.000 Vollzeit-Arbeitsplätze bei der Bank selbst werden abgebaut, 4000 davon in Deutschland, sagte Cryan am Donnerstag in Frankfurt. Bei externen Dienstleistern sollen darüber hinaus 6000 von gegenwärtig 30.000 Stellen wegfallen.

Zudem will sich die Bank über die nächsten zwei Jahre von Beteiligungen mit etwa 20.000 Mitarbeitern trennen. Dazu zählt auch die Tochter Postbank, die 2016 an die Börse gebracht werden soll. Der Stellenabbau solle "auf faire Art und Weise" vonstatten gehen, sagte Cryan. "Wir gehen diesen Schritt nicht leichten Herzens."

Die Auf- und Absteiger im Deutsche-Bank-Vorstand
Der Co-Chef der Deutschen Bank, John Cryan, steht seit 1. Juli an der Spitze des Instituts – davor war er bereits zwei Jahre im Aufsichtsrat tätig. Der Ex-Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS hat zuletzt die Bilanz der Bank durchforstet und riesigen Abschreibungsbedarf entdeckt: Im dritten Quartal ist ein Verlust von mehr als sechs Milliarden Euro angefallen. Das Großreinemachen ist ein Baustein eines Neuanfangs bei der Deutschen Bank – am 18. Oktober 2015 folgte ein zweites Element: ein umfassender Umbau des Vorstands. Quelle: Presse
Der Vorstand wird von derzeit acht auf künftig zehn Mitglieder erweitert – dafür werden der erweiterte Vorstand, das „Group Executive Committee“, sowie etliche Ausschüsse abgeschafft. Zu den neuen starken Männern wird Jeff Urwin zählen. Er leitet ab Januar 2016 die umstrukturierte Unternehmenskunden- und Investmentbank (Corporate & Investment Banking) und zieht dann auch in den Vorstand ein. Der Manager war zuvor einer der Leiter des globalen Bankings der US-Großbank JP Morgan. Bislang stand Urwin noch Colin Fan zur Seite, doch Fan wird die Bank verlassen. Urwin hat bislang von New York aus gearbeitet – ob das auch nach der Berufung in den Vorstand so bleibt, hat die Deutsche Bank nicht mitgeteilt. Auch wenn er schon lange in den USA arbeitet – Urwin ist wie sein Chef John Cryan ein Brite. Quelle: imago
Der bisherige Chef des globalen Aktiengeschäfts, Garth Ritchie, führt ab sofort alle Handelsaktivitäten, die früher dem Investmentbanking zugeordnet waren. Dazu zählen sämtliche Wertpapiere wie Anleihen und Kreditausfallversicherungen sowie auch Devisen. Die Einheit trägt jetzt die Bezeichung „Global Markets“ und wird von Ritchie ab Januar 2016 auch im Vorstand repräsentiert werden. Ritchie arbeitet seinem Profil beim Karriereportal LinkedIn zufolge seit 19 Jahren für die Bank. Sein Büro ist in London. Quelle: dpa
Seit Mai leitet der zuvor für Rechtsfragen zuständige Christian Sewing den Privat- und Geschäftskundenbereich der Deutschen Bank. Ihm wird im Zuge des Konzernumbaus ein weiteres Aufgabengebiet zugeschlagen: die Betreuung vermögender Privatkunden. Dieses Segment gehörte bislang zur Vermögensverwaltung Deutsche Asset & Wealth Management. Quelle: dpa
Das Asset Management – also die Betreuung von institutionellen Anlegern und das Geschäft mit Fonds („DWS“) – übernimmt der Brite Quintin Price. Zum 1. Januar 2016 wird er sein Amt antreten und dann auch in den Vorstand einziehen. Price ist bislang für den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock tätig. Er leitete dort unter anderem das Geschäft für Fonds mit sogenannten Alpha-Strategien. Quelle: Jonas Melzer
Sylvie Matherat zieht in den Vorstand ein. Die Französin (Bild aus dem Jahr 2008) war einst Direktoriumsmitglied der französischen Zentralbank und trägt künftig den Titel „ Chief Regulatory Officer“. Damit ist sie für die Kontaktpflege zu Aufsichtsbehörden zuständig. Das Ressort Matherats umfasst auch die Regeleinhaltung („Compliance“) und den Kampf gegen die Finanzkriminalität. Matherat ist damit seit fast zwanzig Jahren die erste Frau im Vorstand der Deutschen Bank. Vor ihr hatte Ellen Schneider-Lenné von 1988 bis 1996 dem Gremium angehört. Quelle: dpa
Als zweite Frau wird Kimberly „Kim“ Hammonds in den Vorstand einziehen. Die ehemalige IT-Chefin des Flugzeugherstellers Boeing arbeitet seit 2013 für die Deutsche Bank. Die Amerikanerin erhält den Titel „ Chief Operating Officer“ und wird vor allem für die Modernisierung der technischen Infrastruktur der Bank die Verantwortung tragen. Sie kann allerdings erst mit einiger Verzögerung in den Vorstand einziehen. Sie muss zunächst Erfahrung im Kreditgeschäft erwerben, wie es das Kreditwesengesetz für Vorstandsmitglieder vorsieht. Spätestens im Oktober 2016 soll sie dann in das Gremium einrücken. Quelle: Presse
Eine Menge Arbeit wird auch Karl von Rohr haben. Derzeit administriert er die weltweiten Regionalabteilungen der Bank, jetzt wird er Arbeits- und Rechtsvorstand der Deutschen Bank. Für juristische Auseinandersetzungen hat die Deutsche Bank derzeit vier Milliarden Euro zurückgestellt – nach mehreren Milliardenzahlungen in den vergangenen Jahren. Das Sparprogramm der Bank wird von Rohr auch in seiner Funktion als Arbeitsdirektor fordern. Offiziell erhält er den Titel „ Chief Administrative Officer“. Quelle: PR
Der einstige Finanzvorstand des Energiekonzerns Eon (hier ein Archivbild aus 2010), Marcus Schenck, bleibt unverändert für die Finanzen der Deutschen Bank zuständig und behält seinen Posten im Vorstand des Instituts. Quelle: REUTERS
Für einen weiteren Briten im Deutsche-Bank-Vorstand ändert sich nichts. Stuart Lewis bleibt Risikovorstand. Zu seinen Aufgaben zählt es, dass die Bank im Wertpapierhandel und Kreditgeschäft keine zu großen Wagnisse eingeht.
Für einen weiteren Briten im Deutsche-Bank-Vorstand ändert sich nichts. Stuart Lewis (3. v. l.) bleibt Risikovorstand. Zu seinen Aufgaben zählt es, dass die Bank im Wertpapierhandel und Kreditgeschäft keine zu großen Wagnisse eingeht.
Bis zur Hauptversammlung im Mai wird Jürgen Fitschen noch Co-Vorstandschef der Deutschen Bank an der Seite von John Cryan sein. Doch ab dem kommenden Jahr führt Cryan das Institut dann nicht länger mit einem Partner. Quelle: dpa
Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat so gemeinsam mit John Cryan folgende Fakten zum Vorstand der Deutschen Bank geschaffen: - Zehn Mitglieder, spätestens ab Oktober 2016 - Frauenanteil 20 Prozent- Anteil nicht-deutscher Manager: 70 Prozent Quelle: dpa
Die VerliererEinst Finanzvorstand, dann für das Transaktionsgeschäft (Global Transaction Banking) und die interne Abwicklungseinheit NCOU zuständig, war Stefan Krause. Er verlässt den Vorstand zum 31. Oktober. Sein Amt als Aufsichtsratschef der zum Verkauf stehenden Postbank übernimmt Werner Steinmüller. Die Betreuung der NCOU obliegt künftig John Cryan. Quelle: dpa
Der bisherige Rechtsvorstand Stephan Leithner verlässt die Deutsche Bank zum 31. Oktober. Er wird zum schwedischen Finanzinvestor EQT wechseln. Leithner hatte in der Aufarbeitung des Zinsmanipulationsskandals (Stichwort: Libor) keine gute Figur gemacht und den Zorn von Aufsichtsratschef Paul Achleitner auf sich gezogen. Quelle: dpa
Der bisherige Chief Operating Officer, Henry Ritchotte, tritt aus dem Vorstand ab, bleibt der Bank aber wohl erhalten. Er soll eine Digitalbank entwickeln – Details dazu sollen zu einem späteren Zeitpunkt angekündigt werden. Quelle: PR
Der Investmentbanker Colin Fan zählte zum harten Kern der „ Anshus Armee“ genannten Händler-Truppe des einstigen Chef-Investmentbankers und späteren Co-Vorstandschefs Anshu Jain. Fan hat der Bank am Wochenende den Rücken gekehrt. Quelle: Presse
Die Rentabilität der Vermögensverwaltungssparte Deutsche Wealth & Asset Management hatte Michele Faissola zwar verbessert. Dennoch wird er „nach einer Übergangszeit die Bank verlassen“, wie die Deutsche Bank mitteilte. Quelle: PR

Schrumpfen wird die Bank auch ihre internationale Präsenz. Die Deutsche Bank zieht sich aus zehn Ländern vollständig zurück: Argentinien, Chile, Mexiko, Peru, Uruguay, Dänemark, Finnland, Norwegen, Malta und Neuseeland. Der Sparkurs soll die Kosten um brutto rund 3,8 Milliarden Euro drücken. Die Kosten für den Umbau inklusive Abfindungen bezifferte das Geldhaus auf rund 3,0 Milliarden bis 3,5 Milliarden Euro.

2018 wird "ein entscheidende Jahr"

Es gehe darum, eine bessere Deutsche Bank zu schaffen, bekräftigte der seit Juli amtierende Co-Chef John Cryan bei seiner ersten Pressekonferenz seit seinem Amtsantritt. Die Bank solle einfacher und effizienter werden. Zugleich dämpfte Cryan zu hohe Erwartungen an die nahe Zukunft. „Wir gehen nicht davon aus, dass 2016 und 2017 starke Jahre sein werden. Die Kosten für Rechtsstreitigkeiten und regulatorische Aufwendungen werden unsere Ergebnisse belasten“, sagte er am Morgen in Frankfurt. „2018 dürfte ein entscheidendes Jahr für uns sein, bis dahin werden wir ein zufriedenstellendes Niveau bei den Gewinnen haben.“

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

Rekordverlust im dritten Quartal

Das neue Management hat bereits in der Bilanz kräftig aufgeräumt. Das führte zu einem Rekordverlust von sechs Milliarden Euro im dritten Quartal - ein Rekordverlust. Grund sind milliardenschwere Abschreibungen auf das Investmentbanking und das Privatkundengeschäft mit der Tochter Postbank. Hinzu kamen neue Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten. Co-Chef John Cryan sprach in der Mitteilung von einem „absolut enttäuschenden Ergebnis“.

Im Zuge der Aufräumarbeiten bei der Deutschen Bank mussten zuletzt etliche langjährige Manager gehen. Und auch die Aktionäre trifft es: Die Bank streicht die Dividende für die Jahre 2015 und 2016. Damit gibt es erstmals seit dem 1950er Jahren keine Ausschüttung für die Anteilseigner.

Der ehemalige UBS-Finanzvorstand Cryan hatte zum 1. Juli Anshu Jain an der Führungsspitze der Bank abgelöst. Der zweite Co-Chef Jürgen Fitschen bleibt noch bis zur Hauptversammlung im Mai 2016 im Amt, ehe der Brite alleine das Ruder übernimmt.

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