Deutsche Bank Neue Strategie - Gemeinsam stark

Jürgen Fitschen und Anshu Jain versprechen bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt nicht zu viel. Das ist ein gutes Zeichen.

Die Brennpunkte der Deutschen Bank
BerlinDas Verhältnis der Deutschen Bank zur Politik war unter Ackermann zwiespältig. Das soll nun vor allem Co-Chef Fitschen pflegen. Quelle: Reuters
FrankfurtIn der Deutschen-Bank-Zentrale fürchten einige Manager zu viel Einfluss der Investmentbanker. Als Beleg sehen Skeptiker die Besetzung der Top-Position im Risikomanagement durch einen Getreuen von Co-Chef Jain. Quelle: Laif
BonnDer kommende Postbank-Chef Frank Strauß soll Ertragskraft und Effizienz des größten Zukaufs der Ära Ackermann stärken. Dafür muss er vor allem kulturelle Differenzen in den Griff bekommen. Quelle: dpa
LondonDie Zentrale der Investmentsparte der Deutschen Bank sitzt in London und beeindruckt Besucher mit moderner Kunst. Sie will von der Schwäche der Konkurrenz profitieren und weltweit unter die Top 3 vorstoßen. Quelle: Laif
New YorkWegen ihrer zweifelhaften Rolle in der Verbriefung minderwertiger Hypothekenkredite protestieren Hausbesitzer in den USA gegen die Deutsche Bank. Die Schadensersatzforderungen belasten das neue Duo an der Spitze. Quelle: Reuters
PekingDas Geschäft in Asien wird für die Deutsche Bank trotz staatlicher Beschränkungen immer wichtiger. Am größten sind die Wachstumsaussichten in China. Aber auch Indien erweist sich als unausgeschöpftes Finanzreservoir. Quelle: Laif

Die Inszenierung macht den Unterschied.  Noch vor einem Jahr hätte der damals amtierende Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit größter Selbstverständlichkeit allein die neue Strategie des Instituts vorgestellt. Nun sind zu diesem Anlass nicht nur die beiden Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain erschienen, sondern gleich der komplette, neu formierte Vorstand. Und die Bankmitarbeiter haben die Möbel im Abs-Saal, in dem traditionell die Pressekonferenzen stattfinden, symbolkräftig umgeräumt.

Statt längs stehen die Tische nun quer, wodurch die  Journalisten näher an den Vorständen sitzen und der ganze Raum deutlich heller und übersichtlicher wirkt. Das soll den neuen Geist zeigen, der in dem Hause weht. Schließlich sind hier ab sofort Transparenz und vor allem Teamarbeit  angesagt. Um zu unterstreichen, wie gut man sich versteht, übergibt  Kommunikationschef Thorsten Strauss nach der formalen Begrüßung demonstrativ dem „Jürgen“ (Fitschen) das Wort. Und die interne Regie achtet darauf, dass kein Vorstand nur so herumsitzt, sondern jeder Mal was sagen darf.

Das meiste sagen naturgemäß Fitschen und Jain. Es ist schließlich nach hundert Tagen an der Spitze ihr erster gemeinsamer Auftritt. Viel ließe sich nun hinein interpretieren in die Tatsache, dass Fitschen eher den groben Rahmen erläutert, in dem sich die Deutsche Bank bewegt und Jain ihn dann (auf Englisch) mit Leben, das heißt hier: konkreten Zahlen füllt. Und dass ihr Programm 2015+ heißt verweist bereits auf die Zeit nach Fitschen, dessen Vertrag in diesem Jahr endet. Ist es Realismus oder ein Zeichen der Dominanz von Jain, dass der für die mittelfristige Zeit danach deutlich höhere Gewinne verspricht?

Das Wichtigste ist: Die beiden machen bei diesem schwierigen Termin vieles richtig. Vor allem kündigen sie nicht zu viel an. Der Hinweis, dass man nicht nochmal was versprechen wolle, was man dann nicht halten könne, darf als sanfter Rempler gegen den Ende Mai abgetretenen Vorstandschef Josef Ackermann gewertet werden. Der hatte der Bank für 2011 einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro als Ziel vorgegeben, den sie prompt meilenweit verfehlte.

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