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Deutsche Bank Trennbanken sind falsche Antwort auf die Krise

Anshu Jain, Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, hat abermals eindringlich davor gewarnt, das Universalbankensystem aufzugeben. Zuvor hatte Jürgen Fitschen vor einer massiven Verteuerung von Bankgeschäften gewarnt.

So laufen die Geschäfte im Investment-Banking
Europäische Banken – Credit SuisseDer Schweizer UBS-Wettbewerber Credit Suisse reklamiert die Vorreiterrolle in Sachen Strategie-Anpassungen gerne für sich. Denn auch die Credit Suisse schrumpft kräftig die eigene Bilanz, um sich den neuen Kapitalvorgaben von Basel III anzupassen. Allein in der Anleihesparte innerhalb der Investmentbank hat Credit Suisse das Volumen der risikogewichteten Aktiva innerhalb eines Jahres um 43 Prozent auf 131 Milliarden Dollar gekürzt. Quelle: REUTERS
Und die Umbauarbeiten gehen weiter: In der Investmentbank soll die Bilanz nochmals um zehn Prozent gestutzt werden. Das Einsparziel wurde von drei auf vier Milliarden Franken erhöht. Wie viele Jobs das kosten wird, darüber schweigt sich Bank-Chef Brady Dougan (Bild) indes aus. Trotz der Kürzungen haben sich die Umsätze dieses Geschäftsbereichs im Jahresvergleich im dritten Quartal verdreifacht - was Analysten als die positive Überraschung hervorstrichen. Quelle: REUTERS
Für Finanzchef David Mathers zeigt das Ergebnis, dass die Bilanzausdünnung nicht auf die Erträge durchschlagen muss. Credit Suisse erzielte im Investment-Banking im dritten Quartal eine Eigenkapitalrendite von knapp zehn Prozent. „Das wird die UBS wohl nicht erreichen, was den Druck auf das Management hoch halten wird“, sagt Christian Stark, Analyst bei Cheuvreux. Quelle: dapd
Logo der RBS Quelle: dapd
Die Investmentbank des Geldhauses soll also weiter schrumpfen. Dabei ist Vorstandschef Stephen Hester (Bild) bereits kräftig auf die Bremse getreten. Anfang dieses Jahres hatte Hester den Abbau von rund 4000 Arbeitsplätzen angekündigt. Die Bank zog sich aus großen Teilen des Aktiengeschäfts und einigen anderen Bereichen zurück und verkaufte den traditionsreichen Broker Hoare Govett. Quelle: REUTERS
Seit Hester Ende 2008 sein Sanierungsprogramm für das damals schwer angeschlagene Geldhaus auf den Weg brachte, hat er die Investmentbank der RBS um mehr als die Hälfte verkleinert. Einen völligen Rückzug hielte aber auch UKFI-Chef O'Neill für eine falsche Entscheidung. Zu wichtig seien die Dienste der Investmentbanker für das Wachstum und das Wohlergehen britischer Unternehmen. Quelle: dapd
Deutsche BankBei der Deutschen Bank müssen Tausende Investmentbanker um ihren Job fürchten. Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain wollen sparen, um Ertragseinbußen im Zuge der Schuldenkrise und der härteren Regulierung aufzufangen. Das Investment-Banking dürfte zwar zuletzt wieder gut gelaufen sein. Doch das Geschäft gilt als sehr volatil - und Volatilität steht bei der Bank derzeit nicht hoch im Kurs. Quelle: dpa

Geldhäuser, die sich auf das Einlagen- und das Kapitalmarktgeschäft stützten und damit ein breites Fundament hätten, hätten sich über Jahrzehnte bewährt, sagte Anshu Jain am Dienstagabend in Frankfurt laut vorab verbreitetem Redetext. Die Deutsche Bank sei eines der prominentesten Beispiele dafür.
Zwar hätte auch sein Haus vor der Finanzkrise Fehler gemacht und sei in einigen Bereichen zu große Risiken eingegangen, räumte Jain ein, der selbst jahrelang das Investmentbanking geleitet hat, bevor er vor einem Jahr an die Konzernspitze rückte. Doch die Fehler der Vergangenheit wurden nach seinen Worten nicht nur teuer bezahlt, sondern sind längst behoben: Die Bilanzsumme wurde reduziert, der Eigenhandel eingestellt und die Kapitaldecke gestärkt. Andere Banken hätten es ähnlich gemacht und seien den verschärften Anforderungen der Aufseher nachgekommen. "In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Bankensektor in einem beispiellosen Tempo reformiert - aber jetzt gibt es in Europa die Gefahr, dass das Pendel zu weit schwingen könnte." Die Branche ächze unter Überregulierung. Jain verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Finanztransaktionssteuer sowie die verschärften Kapitalvorgaben für systemisch relevante Geldhäuser (Sifis).

Wichtige Fakten zum Trennbanken-System

Am Vortag hatte bereits Jains Kollege Jürgen Fitschen vor einer massiven Verteuerung von Bankgeschäften durch eine Überregulierung des Finanzsektors gewarnt. Auf einer Konferenz der FDP-Fraktion in Berlin betonte er, es gebe keine tragfähigen Gründe dafür, das Universalbankensystem durch ein Trennbanken-Modell zu ersetzen. Wer dennoch diesen Weg verfolge, müsse wissen, dass dadurch Kosten entstünden.

Das Trennbanken-Modell ist in Deutschland längst keine theoretische Überlegung mehr: Bundestag und Bundesrat haben inzwischen ein Gesetz verabschiedet, das den Instituten vorschreibt, ab 2016 riskante Geschäftsteile vom klassischen Einlagengeschäft abzutrennen. Damit sollen die Sparer und Steuerzahler besser vor Spekulationen der Banken geschützt werden. Experten zufolge wird es am Ende in punkto Kosten darauf ankommen, wo genau die Trennlinien gezogen werden.

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