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Deutsche Bank vor der Hauptversammlung Wie unfähig ist Paul Achleitner wirklich?

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Der große Wurf bei der Deutschen Bank wird ausbleiben

Aus der Kritik an Achleitner spricht auch die Sehnsucht nach dem großen, dem befreienden Wurf. Den aber wird es nicht geben. Denn anders als bei vielen Wettbewerbern fehlt der Deutschen Bank die Alternative zum Investmentbanking, das heute nicht mehr so funktioniert wie vor der Finanzkrise.

Die Schweizer Institute können auf ihre Vermögensverwaltung setzen, die meisten europäischen Wettbewerber auf ein deutlich lukrativeres Privatkundengeschäft. Wenn es bei der Deutschen Bank überhaupt vorwärts geht, dann nur in kleinen Schritten auf niedrigem Niveau. Ähnlich wie bei den Schuldenstaaten Südeuropas geht es für sie um „muddling through.“

Der Bedeutungsverlust der Bank scheint angesichts der Umstände nahezu zwangsläufig. Achleitner hat diese bittere Wahrheit bis heute nicht wirklich anerkannt und sich stattdessen auf die Idee einer europäischen Alternative zu den auf den Kapitalmärkten übermächtigen US-Banken versteift. Das mag verhindert haben, dass die Bank ihr Investmentbanking schneller und deutlicher eingedampft hat. Versäumtes will sie nun nachholen. So soll sie aktuell den Abbau von Tausenden Stellen planen.

Das heißt aber nicht, dass sie mit einem anderen Aufsichtsratschef heute wesentlich besser dastünde. Und es heißt auch nicht, dass ein sofortiger Rücktritt Achleitners ihre Probleme mit einem Schlag lösen würde. Im Gegenteil, kurzfristig würde der die Probleme wohl erst mal verschärfen: Es gibt im Aufsichtsrat niemanden, der seinen Posten übernehmen könnte. Auch außerhalb der Bank fehlt eine naheliegende Lösung. Und selbst wenn sich ein geeigneter Kandidat fände, müsste sich der erstmal in die komplexe Materie einarbeiten. Die Zeit dafür hat die Bank nicht.

Das kann allerdings auch kein Argument dafür sein, dass es nun für immer nur einen geben kann. Achleitner ist nicht alternativlos, er ist nicht systemrelevant. Die Kritik an seinem Wirken mag mitunter maßlos sein. Da sich die Lage der Bank in absehbarer Zeit aber kaum deutlich verbessern wird, wird sie nicht verstummen.

Mit der gleichen Logik, mit der er die Trennung von Cryan eingeleitet hat, müsste Achleitner deshalb seine eigene Position in Frage stellen. Er steht nicht mehr für Aufbruch und eine besser Zukunft. Es wäre deshalb wünschenswert, wenn der Aufsichtsrat unter seiner Mitwirkung Achleitners tatsächlich mit den Planungen für einen geordneten Übergang an seiner Spitze beginnen würde – wie es Aktionärsvertreter fordern.

Ein reibungsloser Übergang bei wichtigen Personalien hat bei dem Institut seit vielen Jahren nicht geklappt. Die Suche nach einem Nachfolger für Josef Ackermann mündete im Chaos, Cryan und Sewing wirkten wie hektisch installierte Lösungen in der Not. Achleitner würde Größe beweisen, wenn es nun ausgerechnet bei seinem eigenen Posten anders liefe. Es wäre ein letzter, ein bleibender Verdienst.

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