Deutsche Bank Zehn Fragen zum Rücktritt von Jain und Fitschen

Die Zeit der Deutsche Bank-Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen ist vorbei, die Deutsche Bank kann sich nun neu aufstellen. Was der Wechsel für die Bank, ihre Kunden und Aktionäre bedeutet.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen Quelle: dpa

Besser spät als nie? Gut zweieinhalb Wochen nach der dramatischen Hauptversammlung der Deutschen Bank haben die beiden Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain ihren Rückzug angekündigt. Jain wird schon Ende des Monats von seinem Amt zurücktreten, Fitschen noch bis Mai 2016 im Amt bleiben. Danach wird der neue Chef John Cryan die größte deutsche Bank alleine führen, die Zeit der Doppelspitze ist dann abgelaufen. Auch wenn die Entscheidung als längst überfällig gilt, wirft sie Fragen auf.

Warum treten Jain und Fitschen erst jetzt zurück?

Das desaströse Ergebnis der Hauptversammlung gilt als der wahrscheinlichste Grund für den endgültigen Abgang der längst angezählten Co-Chefs. Nur rund 61 Prozent der Aktionäre entlasteten die Vorstände - üblich sind Ergebnisse von über 90 Prozent. Deutlicher kann sich fehlendes Vertrauen nicht in Zahlen widerspiegeln. Spätestens nach der Abstimmung dürfte den beiden Co-Chefs klar gewesen sein, dass es so nicht weitergehen kann. Gleiches gilt für Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

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Was sind die Hauptgründe für das Misstrauen?

Jain und Fitschen werden wohl damit leben müssen, immer mit dem gescheiterten Kulturwandel der Bank verbunden zu werden. Anstelle des Wandels kamen unter ihrer Führung immer neue Prozesse und Verfahren hinzu. Fitschen steht zusammen mit anderen Deutschbankern in München vor Gericht, ihm wird vorgeworfen, im Kirch-Prozess nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Jains Wurzel, das Investmentbanking, sorgt immer wieder für Skandale. Ein kultureller Wandel lässt sich mit einem derart vorbelasteten Führungsduo nicht glaubhaft vermitteln. Auch die Zahlen der Deutschen Bank lassen aufgrund der hohen Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten zu wünschen übrig. Im ersten Quartal dieses Jahres lag der Gewinn nach Steuern bei 559 Millionen Euro, erneut hatten Rückstellungen das Ergebnis belastet. Deshalb konnte auch das Sparprogramm das Ergebnis nicht aufpolieren.

Welche Rolle spielt Aufsichtsratschef Paul Achleitner?

Ewig konnte der Aufseher seine beiden Vorstände nicht decken. Die Distanz zwischen Achleitner und seinem Führungsduo war schon vor der Hauptversammlung mehr als deutlich. Im Interview mit der WirtschaftsWoche gab es von Achleitner keine Vertrauenserklärung an die Adresse von Jain und Fitschen, stattdessen erklärte der Chefaufseher, jeder sei ersetzbar. Hätte Achleitner sich länger hinter das erfolglose Führungsduo gestellt, wäre es wohl früher oder später zu einer Diskussion um seine eigene Person gekommen.

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Wer wird der Nachfolger?

Nachfolger von Jain und Fitschen wird der Brite John Cryan. Seit 2013 sitzt der 54-jährige Brite im Aufsichtsrat der Bank. Aktuell arbeitet Cryan als Berater bei Singapurs Staatsfonds Temasek, früher war er Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS. Er gilt als versierter Banker und Krisenmanager, aber nicht als einer, der gerne im Rampenlicht steht.

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