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Dividendenstripping Deutsche Bank untersucht zweifelhafte Aktien-Geschäfte

Interne Überprüfungen sollen zeigen, ob sich Kunden der Deutschen Bank Aktiengeschäfte rund um den Dividendenstichtag steuerlich zu Nutze gemacht haben.

Interne Kontrollen bei der Deutschen Bank - ein Kunde soll zweifelhafte Cum-Ex-Geschäfte gemacht haben. Quelle: dpa

Mal wieder kursiert ein neuer Verdacht auf Dividendenstripping in der Frankfurter Bankenmetropole. Die Deutsche Bank überprüft derzeit intern, ob das Institut in zweifelhafte Aktiengeschäfte rund um den Dividenden-Stichtag involviert war. Denn im Zusammenhang mit Geschäften eines Kunden sei von der Finanzverwaltung an die Deutsche Bank ein Auskunftsersuchen gestellt worden, wie Deutschlands größtes Bankhaus am Sonntag mitteilte. Es handle sich dabei allerdings nicht um Untersuchungen der Finanzverwaltung gegen die Bank. Nach einem Bericht des "Spiegel" arbeitet das Bankhaus dabei mit einer großen Wirtschaftskanzlei zusammen.
Wie die Deutsche Bank weiter mitteilte, wurde das Auskunftsersuchen zum Anlass genommen, Handelsaktivitäten mit Aktien um die Dividendenstichtage herum zu überprüfen. Diese Überprüfung sei noch nicht abgeschlossen. Nach den bisherigen Erkenntnissen geht die Bank nicht davon aus, dass im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften, die auch als "Dividendenstripping" bekannt sind, Steuerrückzahlungsverpflichtungen der Bank oder sonstige Zahlungsverpflichtungen geltend gemacht werden.
Bei derartigen Geschäften wurden Aktien kurz vor dem Dividendentermin verkauft und zurückgekauft, wenn die Ausschüttungen verteilt wurden. Ziel des Dividendenstrippings war es, sich die Kapitalertragssteuer auf die Dividende erstatten zu lassen, ohne diese vorher gezahlt zu haben.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Vorgaben in den USA erfüllt

Gleichzeitig dürfte die Deutsche Bank strengere Regulierungsvorschriften in den USA ohne zusätzliches Kapital für die US-Tochter erfüllen. Eine Überweisung aus Deutschland wird also nicht notwendig sein. "Aufgrund der Kapitaldefinition der Amerikaner können wir Zusatzkapital benutzen, um diese Anforderungen zu erfüllen. Insofern wird hier kein Transfer von Kapital aus Deutschland heraus notwendig", sagte Deutsche-Bank-Finanzvorstand Stefan Krause der "Börsen-Zeitung". Die Deutsche Bank könne das mit Zusatzkapitalinstrumenten abdecken, sollten entsprechende Vorschriften in den USA beschlossen werden. "Nachrangkapital, wie wir es im Mai emittiert haben, ließe sich dafür nutzen. Kernkapital müssen wir aus unserer Sicht deshalb nicht transferieren", machte Krause klar.


Die USA planen verschärfte Eigenkapitalvorschriften für ausländische Institute. Die vor allem mit dem Namen des US-Notenbankers Daniel Tarullo verbundenen Pläne sehen vor, dass ausländische Banken in den USA künftig soviel Kapital vorhalten müssen wie heimische Institute. Bislang haben die USA ausländische Institute auf Konzernebene betrachtet und deren Beaufsichtigung den jeweiligen Heimatmärkten überlassen.
Dass die Deutsche Bank die Vorgaben ohne Kapitaltransfer erfüllen könne, liege auch an der Reduzierung der Bilanzsumme in den USA durch Verlagerung von Aktivitäten. "Unsere mexikanische Tochtergesellschaft zum Beispiel wird bislang in die USA hinein konsolidiert. Wenn solche Regeln greifen, konsolidieren wir unsere mexikanische Tochtergesellschaft nicht mehr in die US-Holding", erläuterte Krause. "Das heißt, wir werden bestimmte Strukturen verändern und anpassen. Aber wir werden kein Zusatzkapitalbedarf im Sinne von Kapitaltransfer in die USA haben."

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