DIW-Ökonom Georg Erber Bereitschaft zum Risiko wächst

Banken wollen mit dem Handel toxischer Kredite verdienen. Startet der Krisenkreislauf von vorne? WirtschaftsWoche Online sprach mit DIW-Ökonom Georg Erber.

Der Ökonom Georg Erber ist Finanzmarktexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Quelle: Pressebild

WirtschaftsWoche Online: Internationale Institute, darunter die Deutsche Bank, bieten der US-Notenbank angeblich Milliarden für verbriefte Altkredite aus der Finanzkrise. Was könnte dahinter stecken?
Georg Erber: Die Europäische Zentralbank sowie die amerikanische Notenbank haben ja zuvor den Geschäftsbanken massenhaft billiges Geld geliehen. Bei den Instituten wächst offenbar die Bereitschaft, diese üppige Liquidität wieder in riskante und damit auch ertragreichere Anlagen zu stecken.

Geht der Krisenkreislauf von vorne los? 
Wenn Banken in Schieflage geraten, müssten Staaten und Steuerzahler erneut eingreifen. Die internationale Bankenaufsicht hat eine Liste von Instituten erstellt, deren Pleite eine globale Finanzkrise auslösen würde. Auf dieser Liste stehen etwa die Deutsche Bank oder Credit Suisse. Ihre Systemrelevanz kann Institute zu besonders riskanten Geschäften verleiten, da sie notfalls mit öffentlicher Hilfe rechnen können.

Was hat es mit den riskanten Finanzinstrumenten auf sich?
Es handelt sich um Forderungen, die die ursprünglichen Gläubiger mit Hilfe der Investmentbanken gebündelt und an Investoren von Anteilen an Verbriefungen weiter gereicht haben – etwa Konsumentenkredite an Autokäufer oder Häuslebauer. Der Trick dabei: Die Papiere werden in riskante und weniger riskante Tranchen mit unterschiedlichen Zinsen aufgeteilt. Bei größeren Zahlungsausfällen als zuvor kalkuliert kommen die Zeichner wegen der intransparenten Struktur dann auch kaum an ihr Geld. 

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Jetzt wollen Banken mit den Krisenpapieren wieder Gewinn machen. Funktioniert das?
Die Interessenten zahlen nur einen deutlich reduzierten Betrag auf den ursprünglichen Wert, so dass sich das Geschäft lohnen könnte. Wenn Investoren über Insiderwissen über die Struktur der Papiere verfügen, können sie die Risiken leichter einschätzen als andere Marktteilnehmer oder die Zentralbanken. Zur Zeit der Emission dieser Finanzinstrumente war das Zinsniveau zudem deutlich höher als aktuell. Auch das dürfte die Altkredite aus Sicht der Käufer interessant machen.

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