DZ Bank und WGZ Bank Banken wappnen sich mit Zusammenschluss gegen Krisen

Die beiden Zentralbanken der Volks- und Raiffeisenbanken fusionieren. Das soll das deutsche Erfolgsmodell kundeneigener Banken vor Niedrigzins und Regulierungswut schützen.

Die beiden Zentralbanken DZ und WGZ der Volks- und Raiffeisenbanken fusionieren. Quelle: dapd

Es ist der letzte logische Schritt: Mit der Frankfurter DZ Bank und der Düsseldorfer WGZ Bank wollen sich die beiden verbliebenen Zentralbanken der Volks- und Raiffeisenbanken zu einer Adresse zusammenschließen. DZ und WGZ Bank bündeln das Kapital der rund 1000 meist kleinen und mittleren Volks- und Raiffeisenbanken.

Das ermöglicht dem Verbund aus regional verstreuten und selbstständigen Instituten, an den internationalen Kapitalmärkten anzudocken oder große Firmenkunden zu bedienen. Allein würden das kleinere Volksbanken nicht schaffen.

Unterhielten die Kreditgenossen nach dem Krieg noch 20 Zentralbanken und Zentralkassen, gab es nach diversen Zusammenschlüssen 1990 nur noch vier, von denen 2001 schließlich DZ und WGZ Bank übrig blieben. Ihre Fusion schließt diese Konsolidierungskette nun ab.

Beide Banken zusammen bringen rund 500 Milliarden Euro Bilanzsumme auf die Waage, was sie zur drittgrößten Bank in Deutschland machen würde. Für die rund 18 Millionen Sparer und Unternehmer, die Genossen – also Mitglieder – einer Volks- und Raiffeisenbank an ihrem Heimatort sind, dürfte sich durch die Großfusion nicht viel ändern.

Zusammenschluss soll krisensicher machen

Der Zusammenschluss soll das Zentralbankgeschäft der Genossenschaftsbanken aber billiger und krisenresistenter machen. Rund 100 Millionen Euro Kosten wollen beide Seiten dadurch jährlich sparen, wenn der Merger wie geplant im August 2016 realisiert wird.

Hier machen Banken Filialen dicht
Zehn Jahre lang hat die Sparkasse Wetzlar ihr Filialnetz nicht angefasst. Jetzt kommt der große Umbau: 15 von 49 Filialen will das Geldhaus aus dem hessischen Fachwerkstädtchen schließen, also gut 30 Prozent. 26 statt bisher 42 Geschäftsstellen sollen bis Ende 2016 noch mit Personal besetzt sein. „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir auf geänderte Kundenanforderungen und betriebswirtschaftliche Belastungen reagieren müssen“, sagt Sparkassenchef Norbert Spory (im Bild). Quelle: Handelsblatt Online
Die Kunden gehen immer weniger in die Bankfiliale. Filialschließungen stoßen trotzdem oft auf Unmut. Zum Beispiel im Wetzlarer Ortsteil Garbenheim. Die Bürger sammelten Unterschriften gegen die Filialschließung, der Sparkassenchef musste seine Pläne im Ortsbeirat verteidigen. Immerhin: Bargeld abheben können die Garbenheimer Sparkassenkunden womöglich künftig bei einem Lebensmittelladen. Eine Reportage über das Filialsterben lesen Sie hier. Quelle: Handelsblatt Online
Zusammen kommen die 416 deutschen Sparkassen noch auf mehr als 12.000 mit Mitarbeitern besetzte Filialen. Vor zehn Jahren waren es noch rund 19.000. Es wurden also schon etliche Filialen geschlossen, im vergangenen Jahr allerdings schrumpfte die Zahl nur leicht. Das wird sich nach Einschätzung von Experten nun ändern. Sie gehen davon aus, dass etliche Sparkassen in den nächsten Jahren 20 bis 30 Prozent der Filialen streichen. Quelle: Handelsblatt Online
Die Sparkasse Duisburg feiert einmal im Jahr eine Gala (im Bild: Kabarettist Wolfgang Trepper). Doch für Schlagzeilen sorgte zuletzt, dass die Sparkasse Duisburg zwar mehr Geldautomaten aufstellen möchte – bis 2022 aber die Hälfte der mit Mitarbeitern besetzen Geschäftsstellen schließen, wie sie Ende Mai ankündigte. Das Institut verweist darauf, dass die heutige Filialdichte „in weiten Teilen aber dem Netz der 80iger Jahre“ entspreche. Damals allerdings hatte Duisburg noch mehr Einwohner als heute. Quelle: IMAGO
Im sächsischen Landtagswahlkampf spazierte Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2014 durch Annaberg-Buchholz – im Hintergrund eine Sparkassen-Filiale. Auch die Erzgebirgssparkasse dampft ihr Filialnetz ein. Nach der Fusion mehrerer Institute wurden binnen kurzer Zeit 38 von 95 Filialen geschlossen. Auch hier regte sich Protest. Immerhin: An Bargeld kommen die Kunden nun auch in 30 sogenannter Agenturen – oft Geschäfte, die im Auftrag der Sparkasse diese Dienstleistung übernommen haben. Darunter ist beispielsweise ein Fahrradladen. Quelle: dpa
Auch die Sparkasse Osnabrück will ihr Filialnetz ausdünnen. 17 von 58 Filialen sollen geschlossen werden. Investieren will das Geldhaus – wie andere Sparkassen auch – unter anderem in das Onlinebanking und in die Kundenbetreuung per Telefon und Chat. Trotzdem ist Sparkassenchef Johannes Hartig die Präsenz vor Ort wichtig. „Das Filialnetz ist und bleibt der genetische Code unserer Sparkasse!“, sagt er. Quelle: IMAGO
Zu den Sparkassen, die jetzt Filialen in größerem Stil streichen, gehört auch die Sparkasse Koblenz. Sie macht zehn von 48 Zweigstellen zu. „Wir müssen die Sparkasse jetzt so aufstellen, dass sie den geänderten Anforderungen unserer Kunden gerecht wird und für die künftigen Herausforderungen gewappnet ist. Wir dürfen nicht warten, bis es für eine positive Beeinflussung vielleicht zu spät ist“, sagt Sparkassenchef Matthias Nester. Trotzdem sind auch für ihn die Geschäftsstellen der „genetische Code unserer Sparkasse“. Quelle: IMAGO

Sparen muss das Genossenschaftslager, weil niedrige Zinsen und strengere Finanzregeln die Ergebnisse drücken. Diese beißen vor allen kleine Institute wie die Volks- und Raiffeisenbanken. Ihr Verbund muss daher jede Synergie- und Sparchance nutzen, die sich ihm bietet. Bei DZ und WGZ sind die negativen Auswirkungen der neuen Finanzwelt allerdings noch nicht angekommen: Ihre Geschäftszahlen glänzen, die Eigenkapitaldecke ist robust und beim großen Bankenstresstest durch die Europäische Zentralbank gab es keine Probleme.

Nach einer Berechnung der Unternehmensberatung Bain & Company stehen die beiden Zentralinstitute sogar an der Spitze der deutschen Banken was die Eigenkapitalrendite betrifft – und dass, obwohl beide Unternehmen sich anders als die privaten Großbanken nicht an der Börse behaupten müssen.

DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch und sein WGZ-Counterpart Hans-Bernd Wolberg betonen daher nur zu gern, dass der Zusammenschluss ihrer Häuser nicht aufgrund von Finanzlücken erfolgt. Sie sehen den Schritt aber als notwendig, um das genossenschaftliche Prinzip für die Zukunft zu wappnen. Beide beteuern, dass Personalabbau nicht der Zweck des Fusionsprojekts sei. Trotzdem werden nach dem Zusammenschluss dort Stellen wegfallen, wo Aufgaben doppelt besetzt sind. Die Abbaulasten sollen fair zwischen den knapp 4400 DZ-Bank-Mitarbeitern und ihren fast 1300 WGZ-Kollegen verteilt werden.

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Die kleinere WGZ verliert allerdings ihren Namen, während DZ-Bank-Chef Kirsch den Chefposten des zusammengeschlossenen Unternehmens unter dem Markenzeichen der DZ Bank übernimmt. Wolberg wird sein Stellvertreter.

Noch nicht ganz klar ist, was sich für die großen DZ-Bank-Töchter wie die R+V Versicherung, den Vermögensmanager Union Investment und die Bausparkasse Schwäbisch Hall ändert. Sie sind durch den Zusammenschluss nicht direkt betroffen, allerdings bekommen sie in der neuen Holdinggesellschaft der DZ-Bank-Gruppe laut Organigrammskizze künftig einen gleichberechtigten Platz neben dem Zentralbankgeschäft.

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