WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

EBWE-Präsident Mirow "Alternative Finanzquellen erschließen"

Thomas Mirow der Präsident der Europäischen Entwicklungsbank rät Unternehmen zu mehr Unabhängigkeit vom Bankensektor.

Thomas Mirow Quelle: AP

WirtschaftsWoche: Wie bekommt Ihre Förderbank die Eurokrise zu spüren?

Mirow: Wenn wir Projekte fördern, holen wir uns wenn möglich Geschäftsbanken als Co-Investoren dazu. Bei diesen ist die Bereitschaft, in Finanzierungen einzusteigen, gegenwärtig spürbar gesunken.

Wie stark wird die Schuldenkrise die europäischen Schwellenländer treffen, die Sie fördern?

Die aufstrebenden Volkswirtschaften Europas leiden auf doppelte Weise. Wegen des künftig schwächeren Wachstums der Eurozone wird die Nachfrage auf dem wichtigsten Exportmarkt dieser Länder sinken. Das gilt insbesondere für Volkswirtschaften, die viel in die Eurozone exportieren, wie Ungarn, die Slowakei oder Tschechien. Zudem verknappen Banken aus den traditionellen Industriestaaten Kredite.

Die Kardinalfehler bei der Euro-Rettung
Frau mit einem blauen EU-Schirm vor dem EU-Parlament Quelle: dpa
Alter Mann bei einem Friseur Quelle: REUTERS
Die griechische Nationalflagge wird entfernt Quelle: dpa
Angela Merkel, Jose Luis Rodriguez Zapatero, Quelle: dpa
Demonstranten und Polizisten in Athen Quelle: dapd
Kassenbon mit Mehrwertsteuersätzen Quelle: dpa
Mann läuft an geschlossenen Geschäften vorbei Quelle: REUTERS

Was sollten Unternehmen angesichts der Schwäche des Bankensektors tun?

Banken fahren das Kreditgeschäft herunter, um Risiken zu reduzieren. Für die Realwirtschaft ist es daher unausweichlich, alternative Finanzquellen zu erschließen. So suchen Unternehmen verstärkt eigene Zugänge zum Kapitalmarkt. In Deutschland etwa entwickelt sich das vielversprechende Segment mittelständischer Unternehmensanleihen. Auch seriöse Private-Equity-Firmen werden bei der Unternehmensfinanzierung eine größere Rolle spielen. Die europäischen Schwellenländer hängen noch stark von ausländischen Banken oder deren Tochterfirmen ab. Sie müssen deshalb schnell einen eigenständigen Finanzmarkt in lokaler Währung entwickeln.

Rund ein Drittel der Kredite Ihrer Bank steckt im Finanzsektor, der die Krise mit verursacht hat. Fördern Sie die Falschen?

Ich glaube nicht. Das Finanzsystem in Mitteleuropa hat während der vergangenen 20 Jahre insgesamt gut funktioniert. Das Engagement westeuropäischer Banken ist den mittel- und osteuropäischen Ländern überwiegend gut bekommen. Wir müssen jetzt verhindern, dass die Krise in Südeuropa auf Mittel- und Osteuropa überschwappt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%