WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Ein halber Follower pro Filiale Warum Banken in sozialen Netzwerken versagen

Seite 2/2

Wollen Kunden den Austausch überhaupt?

Hinzu kommt, dass immer mehr Apps auf den Markt drängen, die oft vielfältiger sind, als die der traditionellen Banken. Die vielbeworbene Smartphone-App Numbrs beispielsweise sieht sich gar als die Online-Banking-App der Zukunft. Was vor allem daran liegt, dass mit nur einer App alle Konten und die zugehörigen Bankgeschäfte verwaltet werden können.

Es braucht also nicht mehr für jedes einzelne Konto bei unterschiedlichen Banken verschiedene Apps. Außerdem ist Numbrs gleichzeitig ein digitales Haushaltsbuch, denn anhand der bisherigen Zahlungen berechnet die App mithilfe von Algorithmen auch die zukünftigen Ausgaben des Nutzers.

In Sachen Apps haben allerdings auch die meisten Banken zuletzt viel getan. Die meisten Geldinstitute bieten Apps, so dass die Kunden ihre Bankgeschäfte auch per Smartphone erledigen können. Nur wenige Institute kommen noch ohne aus, beispielsweise die Direktbank DKB. Sie behilft sich mittlerweile immerhin mit einer mobilen Seite und liefert ihren Kunden eine Anleitung, wie sich der Shortcut zum Anmeldeformular auf dem Display des Smartphones installieren lässt.

Soweit, so gut. Stellt sich allerdings die Frage, ob Kunden sich in sozialen Netzwerken überhaupt mit ihrer Bank austauschen wollen. Die Forscher von linkfluence haben da ihre Zweifel.

"Verbraucher wollen bei Finanzthemen nichts preisgeben", sagt Tabino. Außerdem glaubten die Verbraucher mangels Vertrauen nicht an einen "echten" Austausch mit ihrem Gegenüber. Hinzu komme, dass in Deutschland Geldthemen sowieso als Tabu gelten. Kaum jemand spricht gerne über seine Finanzen, auch nicht im Freundeskreis.

Dieses mangelnde Vertrauen der Verbraucher schlägt sich auch online nieder. Wie die linkfluence-Analyse zeigt, sind es weniger die Webseiten der Banken, auf denen Verbraucher nach Informationen suchen. Hier wittern die meisten zu viel Eigenwerbung. Mehr Einfluss haben die Webseiten der (Finanz-)Medien oder spezielle Blogs. Dort informieren sich Nutzer über Finanzthemen. "Verbraucher suchen nach verlässlichen, neutralen Meinungen", sagt Tabino. Auch deshalb greifen viele nicht allzu offensiv auf soziale Medien zurück, weil sie ihr Gegenüber in dem Fall oft nicht eindeutig identifizieren können.

Wird die Bedeutung der sozialen Medien im Finanzbereich möglicherweise überschätzt? Dafür spricht zumindest, dass auch Banken, die mit dem Thema sehr offensiv umgehen, noch keinen absoluten Durchbruch erreicht haben. Etwa die Fidor Bank. Zwar haben die Münchner, die im Bereich Werbung voll auf die sozialen Kanäle setzen, 2013 immerhin rund 65.000 neue Nutzer in ihrer Community gewonnen. Nicht alle davon unterhalten aber ein Konto bei der Bank, lediglich 37 Prozent der neuen Nutzer wurden auch zu neuen Girokonto-Nutzern.

Unprofitables Geschäft

Profitabel ist das Geschäft daher noch nicht. Laut Geschäftsbericht konnte der Verlust 2013 nur leicht um 0,2 auf rund fünf Millionen Euro reduziert werden. Auch eine Bank, bei der die Kunden online über Anlagestrategien diskutieren können und sich gegenseitig per Handy Geld leihen beziehungsweise schicken können, ist scheinbar nicht der neue Stern am Bankenhimmel. "Social Banking ist in Deutschland noch ein Nischenthema", räumt auch Oliver Tabino ein. Der Ausgang der Entwicklung sei aber offen.

Verbraucher werden sich jedenfalls nur mit Banken im Finanzweb austauschen, wenn sie selber davon auch profitieren. "Wenn Themen nicht kontrovers diskutiert werden, verliert das Angebot schnell an Attraktivität", erklären die Forscher in ihrer Studie. Die bei Twitter oder Facebook präsentierten Inhalte müssten interessant sein und Mehrwert schaffen - und nicht nur werbend auf Produkte hinweisen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Einfach ist die Strategie nicht. "Den Ruf als Unternehmen, welches an einem echten Dialog interessiert ist, müssen sich Banken hart erarbeiten", sagt Tabino. Außerdem könne er schnell zerstört werden.

Die linkfluence-Analyse zeigt erneut, dass Banken im Finanzweb eher eine zurückhaltende Rolle einnehmen. Noch können die Institute sich darauf ausruhen, dass derzeit strenge Regulierungshürden für Nicht-Banken gelten - was Anbietern wie PayPal den Marktzutritt verwehrt. Wer weiß, wie lange das noch so bleibt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%