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Ermittlungsverfahren gegen Fitschen Kirch-Desaster, nächste Folge

Das Ermittlungsverfahren gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen ist vermutlich unbegründet. Und doch ein schwerer Schlag für das Institut.

Kirch gegen Deutsche Bank
Der Fall Leo KirchFebruar 2002Rolf Breuer, der Chef der Deutschen Bank, stellte vor 10 Jahren die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage. In einem TV-Interview, dass am 4. Februar bei Bloomberg TV ausgestrahlt wurde, sagt er, nach allem, was man „darüber lesen und hören“ könne, sei der Finanzsektor nicht mehr bereit, „auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“. Quelle: AP
Interview im Wortlaut Quelle: AP
Insolvenz Quelle: AP
Taurus-Holding Quelle: AP
BGH Quelle: dpa/dpaweb
Rücktritt Quelle: REUTERS
Abgewiesen! Quelle: dpa

Gerade erst hat die Deutsche Bank den Vertrag mit ihrem Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen bis 2017 verlängert, da fällt schon ein neuer Schatten auf den Mann an der Spitze. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts des versuchten Prozessbetrugs. Es ist bereits das zweite Verfahren gegen den 65-jährigen. In Frankfurt sind die Strafverfolger im Zusammenhang mit Umsatzsteuerbetrug mit CO2-Zertifikatern aktiv.

Das Münchner Verfahren kommt nicht überraschend. Dass es dieses geben würde, ließ sich schon aus der Urteilsbegründung des Münchner OLGs entnehmen, mit dem dieses die Bank im März für schadenersatzpflichtig erklärte. Der Richter warf Fitschen neben anderen Ex-Vorständen wie Josef Ackermann und Clemens Börsig zumindest latent vor, im Verfahren als Zeuge die Unwahrheit gesagt zu haben. Unklar ist, ob es tatsächlich zur Anklage kommt. Die Staatsanwaltschaft hat bereits etliche Zeugen befragt und beschlagnahmte Unterlagen gesichtet. Womöglich legen diese Verabredungen der Deutsche-Bank-Manager zu bestimmten Aussagen im Prozess nahe. Bis Näheres bekannt ist, scheint die Logik der Ermittlungen jedoch etwas merkwürdig.

Alle Zeugen haben das Gleiche gesagt.

Das Gericht glaubt ihnen nicht.

Also haben alle gelogen. Es muss gegen alle ermittelt werden.   

Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank

Wie auch immer: Fitschens Ansehen ist lädiert. Das ist umso bitterer als er im Führungsduo neben Anshu Jain eigentlich den unbescholtenen Banker alter Schule darstellen sollte. Wobei die alte Schule mit Werten wir Kundenorientierung und Bescheidenheit durchaus das Rollenmodell für die Zukunft sein sollte. Dass auch Fitschen unter juristischen Beschuss geraten würde, hielt bei seiner Inthronisation wohl niemand für möglich. So unglücklich er auch im Einzelfall in die Verfahren geraten sein mag: Auch er wird sich nun fragen lassen müssen, ob er ein glaubhafter Vertreter des Kulturwandels sein kann.

In Arbeit
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Einmal mehr zeigt sich die Auseinandersetzung um die Pleite des Kirchkonzerns 2002 als unfassbares Desaster für die Bank. Der gesamte Komplex ist völlig außer Kontrolle geraten. Über Jahre hatte sich die Deutsche Bank siegesgewiss gezeigt, durchaus mit nachvollziehbaren Argumenten. So entschied sie sich für den harten Weg und lehnte sämtliche Kompromisse ab. Nun ist alles anders gekommen, die Bank muss Rückstellungen bilden, die einzige Hoffnung, eine Milliardenzahlung zu vermeiden, bleibt eine Nichtzulassungsbeschwerde beim BGH.  Das aktuelle und frühere Führungspersonal rückt zusätzlich ins Zwielicht. Längst wünschen sich viele in der Bank, dass sie sich rechtzeitig geeinigt hätten. Heute ist der Weg dahin schon wegen haftungsrechtlicher Fragen schwierig. Wo das alles endet ist fraglich. Ein gutes Ende gibt es für die Bank kaum. 

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