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Euro Finance Week Eiszeit für Europas Banken

Die Finanz- und Schuldenkrise hat eine positive Nebenwirkung. Großkongresse der Bankenbranche, wie die am Montag gestartete Euro Finance Week in Frankfurt, werden plötzlich auch für Laien interessant.

Jens Weidmann auf der

Zu Beginn des größten europäischen Branchentreffens der Banken- und Versicherungsindustrie ist sogar noch Zeit für einen Seelenstreichler für die in den vergangenen Jahren stark von öffentlicher Kritik gebeutelten Banker: Jörg-Uwe Hahn, hessischer Justizminister, betont in seiner Eröffnungsansprache die wichtige Rolle Frankfurts für sein Bundesland als internationale Finanz- und Bankenmetropole.

Dies ist gleichzeitig der Grund für die Skepsis der Wiesbadener Landesregierung gegenüber der von der Bundesregierung vorangetriebenen Finanztransaktionssteuer. Die Steuer darf laut Hahn – wenn überhaupt – nur europaweit kommen, sonst könnte der Finanzplatz Frankfurt seine Bedeutung als Wirtschaftsfaktor schnell an konkurrierende Standorte verlieren, bei denen keine Finanzmarktsteuer erhoben wird.

Der Konflikt zeigt: Bei der Diskussion um die Zukunft der Finanzindustrie handelt es sich nicht um abgehobene Expertenthemen, sondern es geht ganz konkret um das Geld von Sparern und Steuerzahlern sowie um Arbeitsplätze. Der Konflikt zwischen Hessen und der Bundesregierung zeigt aber auch: Reformen der Finanzmärkte stoßen schnell auf Widerstand, wenn die Wirtschaftsinteressen von Regionen oder Branchen bedroht sind. Das hielt Banker und Politiker nicht davon ab, in Frankfurt neue Vorschläge für eine Stabilisierung des Finanzsektors vorzustellen. Wie wollen Gesetzgeber und Finanzaufseher auf die sich immer weiter zuspitzende Krise von Banken und Staatshaushalten reagieren?

So laufen die Geschäfte im Investment-Banking
Europäische Banken – Credit SuisseDer Schweizer UBS-Wettbewerber Credit Suisse reklamiert die Vorreiterrolle in Sachen Strategie-Anpassungen gerne für sich. Denn auch die Credit Suisse schrumpft kräftig die eigene Bilanz, um sich den neuen Kapitalvorgaben von Basel III anzupassen. Allein in der Anleihesparte innerhalb der Investmentbank hat Credit Suisse das Volumen der risikogewichteten Aktiva innerhalb eines Jahres um 43 Prozent auf 131 Milliarden Dollar gekürzt. Quelle: REUTERS
Und die Umbauarbeiten gehen weiter: In der Investmentbank soll die Bilanz nochmals um zehn Prozent gestutzt werden. Das Einsparziel wurde von drei auf vier Milliarden Franken erhöht. Wie viele Jobs das kosten wird, darüber schweigt sich Bank-Chef Brady Dougan (Bild) indes aus. Trotz der Kürzungen haben sich die Umsätze dieses Geschäftsbereichs im Jahresvergleich im dritten Quartal verdreifacht - was Analysten als die positive Überraschung hervorstrichen. Quelle: REUTERS
Für Finanzchef David Mathers zeigt das Ergebnis, dass die Bilanzausdünnung nicht auf die Erträge durchschlagen muss. Credit Suisse erzielte im Investment-Banking im dritten Quartal eine Eigenkapitalrendite von knapp zehn Prozent. „Das wird die UBS wohl nicht erreichen, was den Druck auf das Management hoch halten wird“, sagt Christian Stark, Analyst bei Cheuvreux. Quelle: dapd
Logo der RBS Quelle: dapd
Die Investmentbank des Geldhauses soll also weiter schrumpfen. Dabei ist Vorstandschef Stephen Hester (Bild) bereits kräftig auf die Bremse getreten. Anfang dieses Jahres hatte Hester den Abbau von rund 4000 Arbeitsplätzen angekündigt. Die Bank zog sich aus großen Teilen des Aktiengeschäfts und einigen anderen Bereichen zurück und verkaufte den traditionsreichen Broker Hoare Govett. Quelle: REUTERS
Seit Hester Ende 2008 sein Sanierungsprogramm für das damals schwer angeschlagene Geldhaus auf den Weg brachte, hat er die Investmentbank der RBS um mehr als die Hälfte verkleinert. Einen völligen Rückzug hielte aber auch UKFI-Chef O'Neill für eine falsche Entscheidung. Zu wichtig seien die Dienste der Investmentbanker für das Wachstum und das Wohlergehen britischer Unternehmen. Quelle: dapd
Deutsche BankBei der Deutschen Bank müssen Tausende Investmentbanker um ihren Job fürchten. Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain wollen sparen, um Ertragseinbußen im Zuge der Schuldenkrise und der härteren Regulierung aufzufangen. Das Investment-Banking dürfte zwar zuletzt wieder gut gelaufen sein. Doch das Geschäft gilt als sehr volatil - und Volatilität steht bei der Bank derzeit nicht hoch im Kurs. Quelle: dpa

Steffen Kampeter, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, will das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft auf den Bankensektor übertragen. Das bedeutet: Die wettbewerbsverzerrende Macht großer Finanzkonglomerate muss gebrochen werden – nicht nur um Konkurrenten den Markteintritt zu gewähren. Das Erpressungspotenzial, das überdimensionierte Bankkonzerne für das Wirtschaftssystem darstellen, soll abgeschafft werden. Scheitern Geschäftsmodelle, müssen Gläubiger und Investoren die Zeche zahlen, nicht die Steuerzahler.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann will Banken dabei bremsen, sich übermäßig staatlichen Bonitätsrisiken auszusetzen. Staatsanleihen scheinbar gesunder Länder wirken derzeit wie ein Magnet auf Investoren, die auf der Suche nach sicheren Geldanlagen sind. Das könnte zum Aufbau gefährlicher Ungleichgewichte und Abhängigkeiten führen. Weidmann spricht sich deshalb dafür aus, Größengrenzen für die Investition in Staatsanleihen einzuführen. Zudem sollten die öffentlichen Papiere endlich zum Risikovermögen gezählt und die Banken dazu gezwungen werden, Haftkapital für den Fall eines Ausfalls der staatlichen Schuldner zurückzulegen.

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Mit Spannung erwartet hatten Euro-Finance-Week-Gastgeber Nader Maleki und die versammelten Banker den Auftritt von Jürgen Fitschen, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Der begrüßte seine Kollegen und Konkurrenten gleich mit der Warnung, die Diskussion über das Trennbankensystem nur als ein Problem für den deutschen Branchenprimus zu sehen. Die Deutsche Bank dürfte am stärksten betroffen sein, wenn das Investmentbanking vom Geschäft mit Privat- und Firmenkunden abgetrennt werden müsste. Kontinentaleuropa kann laut Fitschen aber kein wettbewerbsfähiger Bankenplatz bleiben, wenn die Großen der Branche Nachteile gegenüber anderen internationalen Finanzkonzernen in Kauf nehmen müssten.

Auch hier kollidiert ein Regulierungsvorschlag wieder mit mächtigen Interessen aus der Branche. Die Moderatoren der Euro Finance Week wollten der Veranstaltung daher das Motto „Eiszeit im Finanzsektor“ verleihen, um der kollektiven Starre Ausdruck zu verleihen. Doch die Teilnehmer aus der Bankenbranche haben dieses entlarvende Kredo verhindert.

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