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Ex-Bankräuber im Interview "Überfälle konnte ich gut"

Was ist der Einbruch in eine Bank gegen den Schutz einer Bank? Die Antwort geben zwei Insider: der Ex-Bankräuber Siegfried Massat und der Sicherheitsberater Rainer Hannich.

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Das ist der Bankräuber-Tunnel in Berlin
Eine Lampe erhellt den Einstieg in den Tunnel. Das Bild zeigt, dass die Räuber sich professionell mit einem großen Bohrer durch die 25 Zentimeter dicke Betonwand der Tiefgarage gegraben haben. Quelle: dpa
Von der Garage aus führt der mit dicken Holzbohlen ausgebaute Tunnel nach Südosten in Richtung des Tresorraums einer Volksbank-Filiale. Dort räumten die Diebe zahlreiche Schließfächer aus. Quelle: REUTERS
Wie ein Bergwerksschacht aus einem früheren Jahrhundert öffnet sich der etwa 1,50 Meter hohe Gang, der in einer Rechtskurve in der Dunkelheit entschwindet. Den Boden bedeckt heller Sand, die Wände und die Decke sind komplett durch dunkle und mit Eisenwinkeln verbundene Holzbretter verkleidet und abgestützt. Quelle: dpa
Eine Polizistin steht vor dem aufklaffenden Loch, neben ihr türmt sich Sand auf. Beim Anblick der Bilder erscheint es umso unfassbarer, dass die Arbeiten unbemerkt vonstatten gehen konnten. Quelle: REUTERS
Ein Polizeiwagen steht vor der Einfahrt der Tiefgarage. Die Bankräuber konnten sich laut Polizei durch eine geräumige Einzelgarage, die durch ein Rolltor von der Zufahrt in die eigentliche Tiefgarage getrennt wird, in Richtung Bank vorarbeiten. Die Garage war sogar groß genug, um ein Auto so hineinzufahren, dass es rückwärts mit ausgegrabener Erde beladen werden konnte. Quelle: dpa
Unrat und Schutt häufen sich in der großen Garage. Ein Fotograf macht Bilder des Einstiegs. Am Dienstag hatte die Polizei zunächst eine Kamera auf Rädern in den langen unterirdischen Gang geschickt. Später folgten die Ermittler. Experten der Spurensicherung untersuchten den Tunnel. Die Kripo hofft, dort irgendetwas zu finden, das Hinweise auf die Bande der Einbrecher gibt. Das könnten Gegenstände wie Kleidungsstücke, aber auch Haare oder Fingerabdrücke sein. Quelle: dpa
Ein Blick auf den abgesperrten Eingang der Bankfiliale in Berlin-Steglitz. Mit ihrer Beute konnten die Räuber unerkannt fliehen. Quelle: dpa

Wenn Siegfried Massat ans Rednerpult tritt und sich vorstellt, geht ein Raunen durchs Auditorium. Seine Zuhörer sind Banker. Der eine oder andere von ihnen hat selbst Überfälle erlebt oder Geschichten von betroffenen Kollegen gehört. Manches Opfer empfindet es als Unverschämtheit, wenn sich ein verurteilter Bankräuber wie Massat als Dozent vor Bankangestellte hinstellt. Andere dagegen sehen die Vorträge des 72-Jährigen als unterhaltsamen Kontrapunkt zu den oft drögen Programmen auf Finanzkongressen oder Sicherheitsmessen und feixen zu den abenteuerlichen Storys des ehemaligen Berufsverbrechers.

Nach Absitzen diverser Strafen hat Massat mit seiner Vergangenheit abgeschlossen. Heute arbeitet er mit Rainer Hannich zusammen, der lange Schutzbeauftragter einer Landesbank war und sich danach als Sicherheitsberater selbstständig gemacht hat. Hannich hat Massats erzählerisches Talent entdeckt und stellt sein Insiderwissen nun Bankern zur Verfügung.

Massat plaudert in rheinischem Singsang, bringt seine Geschichten von den Überfällen sympathisch-sachlich rüber. Vor Bankern tritt er im Anzug auf, sonst kleidet er sich modisch, aber leger, trägt Hemd oder Pulli, dazu eine helle Hose. Die Haare auf dem sonnengebräunten Schädel sind kurz getrimmt, ein schlangenförmiges Tattoo auf dem rechten Unterarm weist auf die Knastkarriere hin. Insgesamt hat er rund 30 Jahre hinter Gittern verbracht.

Während der Überweisung eingeschlafen: Die spektakulärsten Bankenpannen
Citigroup Quelle: dpa
Fehlerquelle „Kopieren und Einfügen“: Die stolze Summe von 4.632.124.357.000.001 Euro hat die Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft Bahn-See in Essen von einer Frau aus dem Schwarzwald 2015 gefordert. In einem Brief von Anfang März hatte die Minijob-Zentrale angekündigt, den 16-stelligen Betrag erneut von ihrem Konto einzuziehen. Der erste Abbuchungsversuch sei aus nicht ersichtlichen Gründen gescheitert. „Das Schreiben ging tatsächlich so raus“, bestätigte ein Sprecher. Zu dem Fehler sei es gekommen, weil eine Mitarbeiterin statt der zu zahlenden Summe eine Kundennummer in das Formular kopiert hatte. Tatsächlich sei es um einen niedrigen dreistelligen Betrag gegangen. Die Billiarden seien allerdings nie abgebucht worden, weil das Missgeschick zeitig aufgefallen sei. Bei einer Sozialversicherung mit 26.000 Mitarbeitern kämen natürlich Fehler vor, erklärte der Sprecher. „Dass aber jemand zu solch einer hohen, falschen Zahlung aufgefordert wird, ist nach meinem Wissen einmalig“, sagte Buschfort. Bei Banken kommen solche Pannen dagegen offenbar häufiger vor... Quelle: dpa
Weil ein Angestellter der Frankfurter Volksbank bei der Arbeit kurz einschlief, wäre ein Rentner beinahe um 222.222.222,22 Euro reicher gewesen, berichtete Spiegel Online 2013. Der Mann blieb mit dem Finger auf der "2" hängen und wies so statt 62,40 Euro mehr als 222 Millionen Euro an. Selbst bei einer Prüfung, die für alle Überweisungen jenseits von 100.000 Euro fällig ist, fiel der Fehler nicht auf. Erst ein dritter Mitarbeiter bemerkte, dass da irgendwas nicht stimmen kann, und stoppte die Überweisung. Pech für den Rentner, Glück für die Bank - denn die wäre im Zweifelsfall auf dem Schaden sitzen geblieben. Und die Geschichte wird noch kurioser: Denn der Mann, dem der Vertipper unterlief, war gar nicht befugt, die Beträge zu ändern. Er sollte lediglich die Bankleitzahl prüfen. Die Mitarbeiterin, die die Überweisung nicht genau genug prüfte, verlor ihren Job - konnte sich aber mittlerweile erfolgreich zurück ins Unternehmen klagen. Quelle: imago images
2012 wurde ein indischer Oberschullehrer über Nacht zum Milliardär. Grund war eine Fehlbuchung seiner Bank. Statt der erwarteten Zinszahlung von umgerechnet 150 Euro sah er plötzlich ein Guthaben von 496 Milliarden Rupien (7,5 Milliarden Euro) auf seinem Konto. Die betroffene Bank erklärte, es sei unklar, wie es zu dem Irrtum kam. Quelle: imago images
Während sich der Inder für einen Tag als Milliardär fühlen konnte, traf den dänischen Elektriker Dennis Pallesgaard bei der Kontrolle seiner Kontoauszüge fast der Schlag: Statt der erwarteten Abbuchung von 3200 Kronen für eine Hypothek wies die Bank einen Fehlbetrag von rund 63 Milliarden dänischer Kronen aus (etwa 8,5 Milliarden Euro). Der Grund für die Panne war schnell gefunden: Statt der Abbuchungssumme war die Kontonummer von seinem Konto abgezogen worden. Quelle: dpa
KfW Quelle: dpa
Bank of America Quelle: REUTERS

WirtschaftsWoche: Herr Massat, kann man von Banküberfällen reich werden?

Siegfried Massat: Manche vielleicht, ich nicht. Die Beute sah zwar immer nach viel Geld auf einen Schlag aus, aber dazwischen hatte ich Durststrecken und Fehlschläge. Wenn man davon leben muss, bleibt nicht viel übrig.

Warum haben Sie überhaupt Banken überfallen, wenn es nichts bringt?

Ich bin in die Kriminalität geraten durch meine Biografie – Heimkind, Jugendknast und so weiter. Dann habe ich nach anfänglichen Rückschlägen festgestellt, dass Überfälle etwas waren, was ich sehr gut konnte. Es war mein Job. Ich war Berufsverbrecher, der scheinbare Erfolg verschaffte mir Anerkennung in meinem Umfeld.

Wann haben Sie Ihr Talent für Überfälle entdeckt?

Meinen ersten richtigen Banküberfall habe ich mit Anfang 30 verübt, in den Siebzigerjahren. Davor bin ich in Banken eingebrochen, wenn niemand da war, und habe den Tresor aufgeschweißt. Das dauerte einmal ein ganzes Wochenende, in einer kleinen Volks- und Raiffeisenbank in der Nähe von Mönchengladbach. Ein Kumpel und ich haben schichtweise Brenner und Meißel bedient. Am Ende waren Scheine drin im Wert von 60 000 D-Mark, aber viele versengt von den Funken vom Aufschweißen.

Zu den Personen

Was kam nach den Bankeinbrüchen?

Beim ersten Überfall sind wir vor Schreck wieder rückwärts raus aus der Filiale, weil so viele Kunden im Schalterraum standen. Das war ein Fehler, wie ich später gelernt habe. Denn für Bankräuber ist es gut, wenn viele Kunden im Raum sind.

Herr Hannich, wissen Sie als Sicherheitsexperte und natürlicher Gegner von Leutten wie Herrn Massat, warum das so ist?

Rainer Hannich: Für Banken als Unternehmen ist bei Überfällen das Wichtigste, Leben und Gesundheit von Kunden und Mitarbeitern zu schützen. Das sind auch die Vorgaben der Berufsgenossenschaften, über die die Mitarbeiter versichert sind. Das Personal hat strikte Anweisung, auf alle Forderungen der Täter einzugehen – vor allem, wenn Kunden dabei sind.

Und wenn gerade keine Kunden da sind?

Dann kann man schon mal leichter riskieren, den Alarm auszulösen, ohne dass es die Bankräuber merken. Viele Tresore oder Tresorräume lassen sich mit einer alternativen Kombination öffnen, die unbemerkt Alarm auslöst.

Herr Massat, wie ging es weiter nach Ihrem ersten, misslungenen Überfall?

Wir sind erwischt worden, wurden aber nicht verurteilt. Denn wir sind vor Vollendung von der Tat reuevoll zurückgetreten, wie Juristen sagen. Später habe ich mir dann neue Komplizen gesucht und weitergemacht.

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