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Exklusive Studie Die Quälerei bei deutschen Banken geht weiter

Deutsche Banken: Kaum Besserung in Sicht. Quelle: dpa

Eine Exklusiv-Studie der Schweizer Independent Credit View zeigt, dass kaum Besserung für Deutsche Bank & Co in Sicht ist. Warum selbst deutsche Großbanken international nur im hinteren Mittelfeld spielen.

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Die Hoffnungen, dass der deutsche Bankensektor aus seinem Tal herausfindet, sind gering. Zumindest ist das die Erkenntnis aus einer frisch erstellten Studie der Zürcher Independent Credit View (I-CV), die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Die Schweizer Agentur hat sich in den vergangenen Jahren mit unabhängigen, meist kritischeren Ratings als die etablierte Konkurrenz von S&P, Moody’s oder Fitch einen Namen gemacht. Die jüngste Studie zu den deutschen Banken, Volksbanken und Sparkassen zeichnet ein ernüchterndes Bild. „Es ist kaum damit zu rechnen, dass sich die Gewinnsituation nachhaltig verbessert, insbesondere was Deutsche Bank und Commerzbank betrifft“, sagt Guido Versondert, Senior Credit Analyst bei Independent Credit View.

Immobilien machen Sorgen

Zwar könnten höhere Zinsen erst einmal zu besseren Ergebnissen verhelfen, demgegenüber sei aber bei einem sich abkühlenden Wirtschaftswachstum mit höheren Risikokosten für faule Kredite etwa zu rechnen. „Die Banken haben in den vergangenen Jahren Wertberichtigungen aus Krediten eher aufgelöst. Sie liegen bei den Risikokosten nur noch bei einem Viertel bis Drittel des langfristigen Durchschnitts“, so Versondert. Näherten sich die Banken wieder historischen Durchschnitten an, was Rückstellungen für Kredite betrifft, dann drücke das wiederum auf die Gewinne. „Ob höhere Zinsen und eine steilere Zinsstruktur das überkompensieren könnten, ist fraglich“ so Versondert.

Sorgen könnten auch die starken Engagements im Immobiliensektor bereiten. Zwar bringe die Finanzierung von Häusern und Eigentumswohnungen Volksbanken oder Sparkassen beispielsweise „nicht aus der Spur“; zu beachten sei allerdings, dass sich Commerzbank und Deutsche Bank hier „überproportional“ engagiert hätten. Gefahren sieht Versondert aber vor allem bei der Finanzierung von Gewerbeimmobilien, die zuletzt ebenfalls ein Boom erlebt haben. „Insbesondere bei Einzelhandelsimmobilien könnten bei einem Konjunkturabschwung Probleme entstehen“, so Versondert.

Bedenklich ist, dass die deutschen Großbanken, darunter auch die zu den Sparkassen gehörenden Landesbanken oder die genossenschaftliche DZ Bank, laut Studie im internationalen Vergleich weiter „im hinteren Mittelfeld liegen – trotz guter Wirtschaftslage und historischen tiefen Risikokosten“. Keine der Großbanken verdiene ihre Kapitalkosten. Im Vergleich zu 2015 etwa habe sich die „nachhaltige Ertragskraft“ weiter verschlechtert. Dazu trage auch die Markstruktur aus den drei Säulen Sparkassen, Privatbanken und Volksbanken bei, die die Rentabilität begrenze. „Die Quälerei geht weiter“, sagt Versondert.

Eine längerfristige Verbesserung sei drin, wenn Kapazitäten und Kosten abgebaut würden, so die Studie. Immerhin seien die deutschen Banken im europäischen Vergleich mit einer befriedigenden Kapitalqualität und leicht überdurchschnittlichen harten Kernkapitalquoten ausgestattet.

Die Deutsche Bank sieht I-CV „am Scheideweg“ mit ihrem „unausgewogenen Geschäft“. Aber selbst eine erfolgreiche Sanierung brächte wenig „Upside“, sprich kaum bessere Ergebnisse und damit wohl auch kaum weit höhere Kurse für die Aktie des deutschen Branchenprimus als aktuell.

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