Fahrdienstvermittler Softbank steigt zum Discount-Preis bei Uber ein

Ein selbstfahrendes Auto von Ford und Uber Quelle: REUTERS

Mit einer enormen Bewertung von fast 70 Milliarden Dollar galt der Fahrdienstvermittler Uber lange Zeit als das am höchsten gehandelte Start-up der Welt. Damit ist es nun offenbar vorbei.

Skandale haben Ubers rasanten Aufstieg ins Stocken gebracht, nun ist laut US-Medien auch der Firmenwert des Fahrdienstvermittlers drastisch gesunken. Dem japanischen Telekomkonzern Softbank sei es gelungen, sich zu Discount-Preisen einen großen Aktienanteil zu sichern, berichteten das Wirtschaftsblatt „Wall Street Journal“ und der Finanzdienst Bloomberg am Donnerstag (Ortszeit) unter Berufung auf Insider.

Bei dem Deal werde Uber auf insgesamt 48 Milliarden Dollar (40 Milliarden Euro) taxiert und damit rund 30 Prozent niedriger als zuletzt bewertet. Zuletzt hatte Uber es noch auf fast 70 Milliarden Dollar gebracht. Im Rahmen eines Aktienverkaufs hatten Investoren und Mitarbeiter nun die seltene Möglichkeit, sich von Beteiligungen an der bislang noch nicht an der Börse gelisteten Firma zu trennen.

Stimmen die Berichte, so dürfte der Rivale Didi Chuxing jetzt mehr wert sein als Uber. Die Chinesen sollen bei ihrer letzten Finanzierungsrunde zu einer Gesamtbewertung von 56 Milliarden Dollar frisches Geld bei Investoren besorgt haben. Damit wäre Uber die Krone als teuerstes Start-up der Welt los. Bereits im August hatten einige große Fondsgesellschaften ihre Uber-Anteile deutlich abgewertet.

Wo Softbank überall beteiligt ist
ach dem chinesischen Fahrdienst Didi ist Uber mit einer Bewertung von 68 Milliarden Dollar das wertvollste Start-up der Welt. Anfang Januar 2018 wurde bekannt, dass Mitgründer und Ex-Chef des Fahrdienstvermittlers, Travis Kalanick, einem Insider zufolge fast ein Drittel seines Anteils an dem Unternehmen verkaufen will. Der Preis soll bei etwa 1,4 Milliarden Dollar liegen. Käufer sei ein Konsortium um den japanischen Telekomkonzern Softbank. Das übernehme damit insgesamt einen Anteil von 17,5 Prozent. Kalanick habe zunächst sogar angeboten, die Hälfte seines Anteils von insgesamt zehn Prozent abzugeben. Softbank habe dies aber abgelehnt, hieß es weiter. Quelle: AP
Als Telekommunikationsunternehmen gestartet, versteht sich Softbank heute als Technologiekonzern. Die Japaner stellen unter anderem den Roboter Pepper her. Vorstandschef Masayoshi Son will mit Softbank eine Informationsrevolution starten - und agiert mittlerweile als Risikoinvestor indem er sich die Expertise über andere Unternehmen und Start-ups einkauft. Der Softbank-Konzern selbst hält insgesamt 19 Beteiligungen. Hinzu kommen 243 Investments über Töchter und Beteiligungsgesellschaften. Mit dem Softbank Vision Fonds haben die Japaner in diesem Jahr den weltweit größten Private Equity-Fonds aufgelegt, der in junge Wachstumsunternehmen investiert. 100 Milliarden Dollar ist er schwer - neben dem Staatsfonds Saudi Arabiens schießt auch Tech-Gigant Apple Gelder zum Fonds bei. Quelle: REUTERS
AlibabaSoftbank-Beteiligung: 140 Milliarden Dollar Softbank kaufte sich früh bei Chinas führendem Onlinehändler Alibaba ein (Im Bild: eine Mitarbeiterin in einem Logistikzentrum von Alibabas Onlineshop Tmall). Mittlerweile ist der Anteil von 29 Prozent an Alibaba rund 140 Milliarden Dollar wert. Das ist mehr, als Softbanks eigene Aktien an die Börse bringen - nur rund 97 Milliarden. Warum Softbank mit einen solchen Abschlag bewertet wird? Der Konzern hat 125 Milliarden Schulden. (Quelle für Beteiligungen: Bloomberg) Quelle: REUTERS
ARM Softbank-Beteiligung: 32 Milliarden Dollar Nach Bloomberg-Angaben sitzen in 85 Prozent der Smartphones weltweit Chips vom britischen Hersteller ARM. Softbank hatte das Unternehmen 2016 übernommen. Mittlerweile hält der Konzern selbst nur noch drei Viertel der Anteile, die restlichen 25 Prozent verkaufte er an seinen neuen Softbank Vision Fund. Quelle: AP
SprintSoftbank-Beteiligung: 20 Milliarden Dollar 2012 übernahm Softbank die Mehrheit der Anteile am US-Mobilfunkkonzern Sprint. Jetzt scheint Masayoshi Son nicht recht zu wissen, wie es mit seiner Tochter weitergehen soll. Eine geplante Fusion mit T-Mobile in den USA wurde abgesagt. Statt einer Erfolgsstory könnte Sons Beteiligung an Sprint jetzt zur Belastung für Softbank werden. Quelle: dpa
Yahoo! JapanSoftbank-Beteiligung: 11,2 Milliarden Dollar Nachdem Yahoo! zerschlagen und das Webgeschäft an den US-Konzern Verizon verkauft wurde, verwaltet der frühere Yahoo!-Konzern jetzt unter dem Namen Altaba nur noch Beteiligungen an Alibaba und Yahoo! Japan. Trotz Namensgleichheit ist Yahoo! Japan kaum vergleichbar mit dem einstigen US-Konzern: Es dominiert das Webgeschäft in Japan und gilt dort als eine der erfolgreichsten Plattformen. Softbank hält insgesamt rund 42 Prozent der Anteile an Yahoo! Japan. Quelle: dpa
Saudi ElectricitySoftbank-Beteiligung: 10 Milliarden Dollar Statt Gas und Öl sollen künftig Erneuerbare Energien den Strom von Saudi Electricity liefern. Saudi Arabien gehört zu den größten Investoren des neuen Vision Fonds von Softbank. Über den sicherten die Japaner gleich eine Beteiligung von zehn Milliarden Dollar an Saudi Electricity zu. Quelle: REUTERS

Ein Grund für die Skepsis der Anleger dürften Ubers etliche Skandale sein. Die Vorwürfe gegen die wegen ihrer aggressiven Unternehmenskultur ohnehin umstrittene Firma reichen von Sexismus und Diskriminierung über Technologie-Diebstahl bis zu Spionage-Affären. Mitte 2017 musste Ubers in die Kritik geratener Chef Travis Kalanick unter dem Druck von Investoren zurücktreten. Seitdem tobt ein Machtkampf im Verwaltungsrat, wo Kalanick noch immer Einfluss hat. Ob er selbst nun auch Aktien verkauft hat, blieb zunächst unklar.

Softbank hatte bereits im November eine grundsätzliche Einigung über einen Einstieg bei Uber erzielt. Insgesamt wurde bei dem Aktienverkauf laut „Wall Street Journal“ ein rund 20-prozentiger Uber-Anteil angeboten. Softbank habe etwa 15 Prozent abbekommen, weitere drei Prozent würden innerhalb eines von den Japanern angeführten Bieterkonsortiums verteilt. Softbank wird so zu einem der größten Aktionäre und soll zwei Sitze im Verwaltungsrat erhalten.

Sprecher von Uber und Softbank bestätigten den Einstieg zwar, machten aber keine Angaben zur Bewertung. Neben dem Aktienkauf soll Softbank weitere 1,25 Milliarden Dollar zu einer weitaus höheren Bewertung von rund 68 Milliarden Dollar direkt in Uber investieren. Damit komme man Altanlegern entgegen, die Bedenken haben, dass ihre Anteile durch die niedrigen Preise für Softbank und Co. entwertet würden. Man freue sich, mit den neuen Investoren zusammenzuarbeiten und wolle die Transaktion Anfang 2018 abschließen, teilte Uber mit.

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