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Falsche Spesenabrechnungen Deutsche Bank erneut im Visier der Aufsichtsbehörden

Die Deutsche Bank steht erneut unter Verdacht: Japanische Aufsichtsbehörden ermitteln offenbar, ob Angestellte der Bank den Managern von Pensionsfonds überzogene Unterhaltungsangebote gemacht haben.

Wegen auffälliger Spesenabrechnungen sind in Japan Ermittlungen gegen Deutsche Bank-Mitarbeiter eingeleitet worden. Quelle: dpa

Die Deutsche Bank ist wegen verdächtiger Spesenabrechnungen ins Visier der japanischen Aufsichtsbehörden geraten. Mehrere Insider sagten der Nachrichtenagentur Reuters, es werde ermittelt, ob Angestellte von Deutschlands größtem Geldhaus Pensionsfonds-Managern überzogene Unterhaltungsangebote gemacht hätten. Die Wertpapier- und Börsenaufsichtskommission SESC habe Hinweise auf Verstöße gegen Regulierungsvorschriften gefunden. Betroffen ist die Investmentbank-Sparte des Kreditinstituts in Tokio.

Details zu den möglichen Verfehlungen waren zunächst nicht klar, etwa die Höhe der Spesen-Aufwendungen oder die Identität der Personen, die in den Fall verstrickt sind. Es gehe um etwa fünf Mitarbeiter, die Pensionsfonds Produkte verkauften, so die Insider. Oft werden in Japan hohe Summen für gutes Essen und Wein ausgegeben, um Geschäftskontakte zu vertiefen. Nach einigen Skandalen in der Vergangenheit soll nun härter durchgegriffen werden. Weil japanische Pensionsfonds-Manager als Staatsbedienstete gelten, unterliegen sie besonders strengen Anti-Korruptionsregeln - schließlich legen sie riesige Summen an, die für die Altersvorsorge vorgesehen sind.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Goldman Sachs ebenfalls im Visier der Behörde

Die Deutsche Bank wollte sich nicht zur Sache äußern. Den Insidern zufolge hat das Finanzinstitut bereits seit längerem eine interne Untersuchung eingeleitet. Der Umgang mit Pensionsfonds-Managern sei bereits neu geregelt worden. Wie die Bank selbst auf den Fall reagiert, dürfte in den nächsten Wochen ausschlaggebend für das Urteil der Aufsichtsbehörde werden. Sie könnte der Deutschen Bank ins Stammbuch schreiben, ihre sogenannten Compliance-Regeln zu verschärfen. Härtere Strafen sind ebenfalls denkbar.Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs wird den Kreisen zufolge im Rahmen einer Untersuchung genau unter die Lupe genommen. Auch hier geht es um Ausgaben für Pensionsfonds-Manager. Goldman und die SESC wollten sich nicht äußern.

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Korruptionsexperten wie Tomoki Debari warnen davor, Rechnungen für japanische Pensionsfonds-Manager zu übernehmen. "Meine Empfehlung wäre: nicht am selben Tisch abends speisen. Es sei denn, die Rechnung wird geteilt." Anders sei dies bei größeren Empfängen, bei denen es keine besondere Behandlung für einzelne Personen gebe.

Mehrere Skandale haben in Japan zu einer Veränderung der Praxis geführt. 1998 wurden Vertreter des Finanzministeriums verhaftet, weil sie Zuwendungen von Banken - meist teure Abendessen - angenommen haben, die sie überwachten. Seitdem haben die Banken ihre internen Richtlinien verschärft. Zuletzt stand vor allem der Tokioter Geldfonds AIJ Investment Advisors in den Schlagzeilen und wurde nach Betrugsfällen geschlossen.

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