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Faule Kredite Bad Banks werden zum Milliardenrisiko

Die Finanzschrottplätze der deutschen Banken repräsentieren zusammengenommen das drittgrößte Kreditinstitut der Republik. Die Kosten der Sanierung sind offen. Den Steuerzahlern drohen Milliardenlasten.

Bad Banks in Deutschland und Europa
Laut einem Bericht der französischen Zeitung "Les Echos" sitzen die europäischen Bad Banks auf Schrottpapieren im Wert von mehr als 1.000 Milliarden Euro. Alleine die Bad Bank der belgisch-französischen Bank Dexia besäße faule Kredite und andere Giftpapiere im Wert von 266 Milliarden Euro – Rekord in Europa. Auch die französische Natixis halte immer noch faule Papiere im Wert von 13,5 Milliarden Euro. Doch nicht nur die französischen Bad Banks sitzen immer noch auf Müllbergen.... Quelle: AP
CommerzbankInterne Bad Bank: Portfolio Restructing UnitZum 30. September 2009 sammelte die Commerzbank 44 Milliarden Euro an Schrottpapieren in einer firmeninternen Bad Bank. 2012 schrumpfte das Portfolio der internen "Bad Bank" um 17 Prozent auf 151 Milliarden Euro. Dabei fokussierte sich die Commerzbank vor allem auf die gewerbliche Immobilien- und Staatsfinanzierung. Bis 2016 soll das Portfolio dieser Abbaueinheit NCA auf gut 90 Milliarden Euro abschmelzen - vorzugsweise wertschonend über Fälligkeiten, in Einzelfällen werden nach früheren Angaben durch den Verkauf von Papieren aber auch Verluste in Kauf genommen. In der Bad Bank lagert der Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo, inzwischen umbenannt in Hypothekenbank Frankfurt, sowie die Schiffsbank. Aus all diesen Geschäftsbereichen zieht sich die Commerzbank komplett zurück. Auch einige Uraltlasten aus der Investmentbank von der Finanzkrise 2008 sind dabei. Quelle: dpa
Hypo Real Estate - FMS WertmanagementDie Bad Bank der verstaatlichten Münchener Immobilien Bank besaß bei ihrer Gründung zum 1. Oktober 2010 Schrottpapiere im Wert von 175,6 Milliarden Euro. Zum 30. Juni 2011 hat sie den Bestand auf 160,5 Milliarden Euro reduziert. 2012 konnte die Abwicklungsbank FMS einen Überschuss von 37 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Trend hatte sich bereits im ersten Halbjahr abgezeichnet. So hatte das Institut unterstützt von anziehenden Finanzmärkten von Januar bis Juni seinen Verlust auf 50 (Vorjahreszeitraum: 689) Millionen Euro reduziert. Auch in der zweiten Jahreshälfte hatte sich die Erholung an den Finanzmärkten weitgehend fortgesetzt. Dadurch hätten sich die Altlasten um 38 Milliarden Euro reduziert, sagte ein Insider. Quelle: dapd
HSH NordbankEine interne Bad Bank kümmerte sich um die Altlasten der Landesbank von Hamburg und Schleswig Holstein. Am 31. Dezember 2010 startete der Finanzfriedhof mit 69 Milliarden Euro. 2012 haben die Schifffahrtskrise und hohe Gebühren für Staatsgarantien der HSH Nordbank Verluste eingebrockt. Wegen der Lasten durch drohende Kreditausfälle in der internen Bad Bank und steigender Garantiekosten geht die Landesbank 2013 von einem weiteren Fehlbetrag aus. Erst 2014 ist ein Lichtstreif am Horizont in Sicht. Dann will das seit Jahren kriselnde Institut dank weiterer Fortschritte im Kerngeschäft „ein deutlich positives Konzernergebnis“ erwirtschaften. Im abgelaufenen Jahr musste die HSH, die nach wie vor in der Schiffsfinanzierung führend ist, erneut viel Geld für drohende Kreditausfälle zurücklegen. Hinzu kamen 473 Millionen Euro an künftigen Gebühren für Garantien, die bereits jetzt in der Bilanz verbucht wurden. Der Vorsteuerverlust verringerte sich dennoch leicht auf 185 (Vorjahresminus: 206) Millionen Euro, weil es im Kerngeschäft bereits besser lief. Quelle: dpa
WestLBDie vom übrigen Institut abgespaltene Bad Bank "Portigon", vormals "Erste Abwicklungsanstalt EAA" bündelte zum 1. Januar 2010 Schrottpapiere im Wert von 77,5 Milliarden Euro. Nach zwei herben Verlustjahren konnte die Bad Bank 2012 einen Minigewinn erzielen. Dank der Erholung der US-Immobilienmarktes weist die Portigon einen Jahresüberschuss von 6,6 Millionen Euro aus. 2011 hatte der Schuldenschnitt für Griechenland zu einem Verlust der Bad Bank von 878 Millionen Euro geführt. Der Vorstand betonte, dass die Abwicklung der WestLB-Papiere schneller als geplant vorankomme. Seit ihrer Gründung vor gut drei Jahren habe die Bad Bank in mehreren Schritten Bestände in der Größenordnung von rund 200 Milliarden Euro übernommen. Abgewickelt wurden bereits Kredit- und Wertpapiere im Gesamtvolumen von 68 Milliarden Euro. Quelle: dpa
BayernLBDie Bayern tauften ihre interne Bad Bank Projekt Herkules. Ein passender Name. Mit 67,2 Milliarden Euro Finanzschrott startete das Projekt am 1. Juli 2009. Zum Jahresende 2011 waren es nur noch 27 Milliarden Euro. Der Freistaat haftet mit einer Garantie von 4,8 Milliarden Euro für Verluste durch strukturierte Altkredite aus der Finanzkrise. Bislang reichte der Eigenanteil der Bank in Höhe von 1,2 Milliarden Euro, die Lasten der Vergangenheit aufzufangen. Davon ist jedoch bereits die Hälfte aufgebraucht. Die Landesbanker verwalten ihre 27 Milliarden Euro schwere Bad Bank intern in der eigenen Bilanz. Gut 40 Prozent davon entfallen auf sogenannte ABS-Papiere. Das sind gebündelte und verbriefte Kleinkredite, von denen keiner weiß, ob und in welchem Umfang die Schuldner sie zurückzahlen können. Quelle: dpa
Bank of Ireland - NAMADie irische Regierung gründete im September 2009 die erste Bad Bank in Europa - die National Asset Management Agency (NAMA) Sie übernahm faule Kredite im Wert von 47 Milliarden Euro. Irland erhielt eine Finanzspritze des IWF über 67,5 Milliarden Euro und Gelder aus dem EU-Rettungsschirm, um den Bankensektor zu stabilisieren. Übrig blieben nur zwei von fünf Banken - die Bank of Ireland und die Allied Irish Banks. Bis zum 31. März 2012 wurden Immobilienverkäufe im Wert von insgesamt acht Milliarden Euro genehmigt – 90 Prozent davon betrafen Objekte im Ausland. Eingenommen hatte die NAMA (Stand September 2011) bis dato allerdings nur 2,7 Milliarden Euro. Quelle: dapd

Es schien, die Stadtväter von Mailand wollten sich Hoffnung machen, als sie zu Weihnachten im Rathaus ein Bild des französischen Barockmalers Georges de la Tour ausstellten. Zu sehen war der Heilige Joseph in einem bedrückend dunklen Raum, gekrümmt und mit sorgenvollem Gesicht. Doch das Jesuskind spendete mit einer Kerze Trost und Licht.

Und tatsächlich, Trost und Licht widerfahren der norditalienischen Finanzmetropole nun auch. Nach zähen Verhandlungen, die 2010 vor Gericht begonnen hatten, einigte sich die Stadtverwaltung im März mit einem Konsortium aus mehreren Banken auf einen Vergleich. Die Institute müssen der Kommune 450 Millionen Euro ersetzen. Die Italiener fühlten sich von den Geldhäusern über den Tisch gezogen, weil diese bei der Absicherung einer 1,7 Milliarden Euro schweren Kommunalanleihe Provisionen verschwiegen hätten. „Mailand gilt als Modell im Derivate-Streit“, jubelt der Vizepräsident des Stadtrats, Davide Corritore. Nun hoffen auch andere italienische Kommunen, Millionen einfordern zu können.

Der Alltag der Bad Banks

Was die Lombarden so begeistert, ist ein kleiner Ausschnitt eines viel größeren Geschäfts, das nach dem Höhepunkt der Finanzkrise seit 2009 den Alltag einer bis dahin so gut wie unbekannten Branche in Deutschland bestimmt: den Alltag der Bad Banks. Diese – zu Deutsch – schlechten Banken repräsentieren die Töchter oder Abteilungen, in die die Institute ihre Schrottpapiere ausgelagert haben. Den teuren Kompromiss mit Mailand muss beispielsweise die FMS Wertmanagement mittragen. Die öffentlich-rechtliche Bad Bank mit dem kryptisch wohlklingenden Nahmen dient der im Zuge der Finanzkrise verstaatlichten Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) als Schrottplatz für wacklige Papiere und Kredite, deren Gesamtwert sich derzeit auf 160 Milliarden Euro beläuft. Was der Kompromiss von Mailand die FMS Wertmanagement kostete, will das Institut nicht sagen. Der Deal sei „vorteilhaft“, weil er Prozessrisiken beseitige.

Retten, was zu retten ist

Fünf Banken haben in Deutschland inzwischen ihre Krisenpapiere und Randgeschäfte in Bad Banks abgeschoben. Der Gesamtwert der Schrottportfolios beläuft sich aktuell auf die sagenhafte Summe von etwa 430 Milliarden Euro. Darin enthalten sind auch Bilanzreste der Immobilientochter Eurohypo, die die Commerzbank auf Geheiß der EU-Kommission abwickeln muss. Die Summe entspricht den Krediten, die Deutschlands drittgrößte Bank, die staatliche KfW, zurzeit vergeben hat – mit einem entscheidenden Unterschied: Bei den 430 Milliarden Euro der Bad Banks handelt es sich um Forderungen, von denen niemand weiß, wie viel davon jemals zurückkommt. Sicher ist nur, dass die Bad Banks den Auftrag haben, die gigantischen Fehlinvestitionen und -spekulationen ihrer Mutterinstitute aus der Zeit vor der Finanzkrise möglichst unbemerkt von der Öffentlichkeit abzubauen. Schrumpfen, Verluste minimieren, Kunden wie die Stadt Mailand ruhigstellen, kurz: retten, was zu retten ist. So lautet das einfache Geschäftsmodell des unschönen neuen Bankentyps.

Ein Ende der Selbstabwicklung ist nicht abzusehen. Zwar haben die Bad Banks ihre Bestände in den gut zwei Jahren ihres Bestehens deutlich reduziert. Doch auf die Abwickler bei Commerzbank und der WestLB-Bad-Bank EAA kommt neuer bilanzieller Abraum zu. Zudem sind im Portfolio der HRE-Abwicklungsanstalt neue Risiken aufgetaucht, die ursprünglich niemand auf der Liste hatte.

Die Zeche, so viel steht fest, zahlt zu einem großen Teil der Staat. Mit jeder Abwicklung einer Altlast, sei es der Notverkauf von Papieren an Investoren, die Kündigung bestehender Engagements, der Rückzug aus Märkten im Ausland oder das Abtreten von Kunden an Wettbewerber, entscheiden die Bad-Banker, wie viel am Ende beim Steuerzahler hängen bleibt.

Schattenhaushalt des Bundesfinanzministers

Abrissbude Bank - Institute räumen Massen an maroden Papieren und Randgeschäft aus der Bilanz Quelle: dpa

Die Bundesregierung haftet für die ausgegliederten Abwicklungsanstalten von Hypo Real Estate und WestLB über den Bankenrettungsfonds Soffin. Der Fonds verwaltet die Krisenhilfen an deutsche Banken, darunter auch die 25-prozentige Beteiligung an der Commerzbank. Weil das Haftungspolster der HRE-Bad-Bank aufgebraucht ist, erhöhen ihre Verluste faktisch die Verschuldung der öffentlichen Hand.

In der offiziellen Statistik, die Deutschland an die EU-Kommission meldet, tauchen die Verluste der Bad Banks jedoch nicht auf. „Der Soffin ist ein Schattenhaushalt des Bundesfinanzministers“, sagt Gerhard Schick, Finanzexperte der Grünen im Bundestag und Kontrolleur im Parlamentarischen Finanzmarktgremium.

Erst nach Abwicklung des Rettungsfonds werden die Kosten zwischen Bund und Ländern aufgeteilt, was aber frühestens im Jahr 2020 passiert. Wie teuer jede Bad Bank den Steuerzahler kommt, hängt an den Risiken ihrer Schrottpapiere sowie dem Können und der Fortüne ihrer Abwickler.

Saftige Rechnung von der HRE

Die FMS Wertmanagement, die Bad Bank der HRE, soll Ende Juni die Geschäftszahlen für das Jahr 2011 auf den Tisch legen. Chef Christian Blum dürfte den Steuerzahlern einen dicken Verlust präsentieren. Der resultiert nicht nur aus gewagten Krediten aus der Zeit vor der großen Krise 2008. Auch der Schuldenschnitt für Griechenland kostet die FMS knapp neun Milliarden Euro, die der Soffin übernehmen muss. Mittlerweile ist klar, dass die Rückstellungen von knapp vier Milliarden Euro längst nicht mehr reichen.

Die größten Profiteure von Fusionen
Platz 10: Leonardo & Co. (1,9 Milliarden US-Dollar)500 Meter vom Mailänder Scala-Theater liegt das Büro der Leonardo-Bank. In Mailand wurde das Kreditinstitut 1999 gegründet, heute ist sie in Deutschland die zehntgrößte Bank bei Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) – zumindest gilt das für das erste Quartal 2012. Für diese Zeit ermittelte Thomson Reuters die führenden Geldhäuser bei Transaktionen. Dabei geht der Medienkonzern nach der Höhe des Transaktionsvolumens, das die Banken verschoben. Bei der Leonardo-Bank waren es im ersten Jahresviertel etwa 1,9 Milliarden US-Dollar in Deutschland. Im Vorjahreszeitraum landete die italienische Bank noch auf Platz 43 der Rangliste. Quelle: AP
Platz 9: Goldman Sachs (2,1 Milliarden US-Dollar)Das New Yorker Bankhaus Goldman Sachs landete mit seinen 2,1 Milliarden US-Dollar an betreutem Transaktionsvolumen auf Platz 9. Damit rutschte die Bank im Ranking zwei Plätze nach unten. Gemessen an den Aktienemissionen belegt Goldman Sachs laut Thomson Reuters in Deutschland jedoch Platz 1. Im ersten Quartal gab das Geldinstitut Aktienpakete im Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar heraus. Quelle: REUTERS
Platz 8: Macquarie (3,5 Milliarden US-Dollar)Auch die Australier legten beim M&A-Ranking kräftig zu. Belegte die Investmentbank Macquarie im Vorjahreszeitraum noch Platz 43, hat sie sich im ersten Quartal auf Platz 8 vorgekämpft – mit einem Transaktionsvolumen von 3,5 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 7: Lazard (3,5 Milliarden US-Dollar)Bruce Wasserstein, Vorstandsvorsitzender der New Yorker Investmentbank Lazard, hat wenig Grund, sich zu freuen. Sein Bankhaus belegte im Vorjahreszeitraum noch Platz 5. Mit einem Transaktionsvolumen von 3,5 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 6: Citi (3,5 Milliarden US-Dollar)Die Citi Group hat sich vom elften auf den sechsten vorgekämpft. Sie begleitete im ersten Quartal 2012 Fusionen und Übernahmen im Wert von 3,5 Milliarden US-Dollar. Außerdem gab sie 217 Millionen Dollar an Aktien, sowie 5,5 Milliarden an Anleihen heraus. Quelle: dapd
Platz 5: Nordea (3,5 Milliarden US-Dollar)Das Kreditinstitut von Christian Clausen (Foto), Vorstandsvorsitzender der schwedischen Nordea-Bank, feiert Premiere in der Thomson-Reuters-Studie – und das gleich auf Platz 5. Die skandinavische Bank begleitete, wie die Häuser auf den drei vorherigen Plätzen auch, Übernahmen und Fusionen im Wert von 3,5 Milliarden Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 4: JP Morgan Chase & Co. (4,3 Milliarden US-Dollar)4,3 Milliarden Dollar an Transaktionen betreute das New Yorker Bankhaus JP Morgan Chase im ersten Quartal. Damit kann sie aber nicht an ihre Form des ersten Quartals des Vorjahres anknüpfen. belegte sie damals noch den zweiten Platz, reicht es diesmal nur für Platz 4. Allerdings glänzt sie bei den Investment-Banking-Gebühren. Mit 57 Millionen Dollar nahm sie laut Thomson Reuters so viel wie keine andere Bank in Deutschland ein – und stieß damit die Deutsche Bank vom Thron. Quelle: AP

Damit wird die FMS die Steuerzahler teurer zu stehen kommen als bei ihrer Gründung befürchtet. Im vergangenen Jahr hatte bereits eine Schätzung des Bankenexperten Dirk Schiereck für Aufregung gesorgt. Der Darmstädter Professor war auf Grundlage eines vertraulichen Abwicklungsplans zum Schluss gekommen, dass die FMS rund 50 Milliarden der ursprünglich ausgelagerten Engagements von 175 Milliarden Euro abschreiben muss. Auch diese Lasten müsste der Steuerzahler übernehmen. Zum Finanzschrott der FMS gehören offenbar Papiere zur Absicherung des Hurrikanrisikos in Florida, Kredite für Immobilien im erdbebengefährdeten Tokio oder verbriefte Bildungsdarlehen an klamme US-Studenten, die diese aufgrund der schlechten Arbeitsmarktlage in ihrem Heimatland nicht wie erhofft tilgen können.

Lichtblick bei HSH Nordbank

Die HSH Nordbank, gemeinsame Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein, holte kürzlich den Abwicklungsprofi Wolfgang Topp von der Deutschen Bank nach Hamburg. Der Kreditrecycler leitet jetzt die interne Bad Bank des Instituts. Die HSH muss auf Anordnung der EU kräftig schrumpfen, weil sie mit Steuergeld aus der Krise gerettet wurde. Verglichen mit dem Finanzkrisenjahr 2008, soll die Bilanz bis Ende 2014 um 40 Prozent auf 120 Milliarden Euro abspecken. Daher stellt die Bank ihre Flugzeugfinanzierung ein, zieht sich aus ausländischen Märkten zurück und verkauft, wo es geht, Kredite und Altlasten an Investoren. Aber auch danach wird eine prall gefüllte Resterampe innerhalb der HSH Nordbank bleiben und der Schrumpfkurs weitergehen.

Die Haftungsgarantie der Länder

160 Milliarden Euro an Schrottpapieren hält die Bad Bank der HRE, darunter Studienkredite an US-Akademiker, die diese wegen Arbeitslosigkeit nicht zurückzahlen können Quelle: Laif

„Das Portfolio bis Ende 2014 auf 38 Milliarden Euro abzubauen ist eine Herausforderung, aber machbar“, behauptet Bilanzentrümpler Topp. Aktuell sitzt er allerdings noch auf zu entsorgenden Engagements von 59 Milliarden Euro. Topp hat verbriefte Krisenkredite, Finanzierungen von Immobilien, Schiffen, Flugzeugen oder Unternehmen im Angebot, die er mit möglichst wenig Verlust loswerden will. „Wir bekommen oft Anrufe von Investoren, die unsere Papiere kaufen wollen“, erklärt Topp, allerdings achte die Bank auf einen „wertschonenden Abbau“. Immerhin konnte das Abbausegment im vergangenen Jahr 268 Millionen Euro Gewinn erzielen.

Gibt es Verluste, haften Hamburg und Schleswig-Holstein nicht nur mit ihrem Anteil am Eigenkapital der HSH Nordbank. Bürgerschaft und Landesregierung haben zusätzlich einen Garantieschirm von sieben Milliarden Euro über fast die gesamte Bilanz gespannt. Diese Versicherung greift, sobald die Bank ihren Selbstbehalt von 3,2 Milliarden Euro aufgebraucht hat – 220 Millionen Euro davon sind schon weg. Abwickler Topp gibt sich optimistisch: „Wir machen einen guten Job und sind überzeugt, dass wir die Garantie der Länder nicht in Anspruch nehmen müssen.“

Schrumpfkur für die Commerzbank

Die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise teilverstaatlichte Commerzbank hat 2009 eine interne Bad Bank aufgemacht, die mit faulen Wertpapieren des Instituts fertigwerden soll. Auf 8,7 Milliarden Euro hat die Londoner Mannschaft der zweitgrößten deutschen Bank um den ehemaligen Goldman-Sachs-Banker Vijay Radhakishun das Abwicklungsportfolio bereits geschrumpft. Zu Beginn betrug der Nennwert 44 Milliarden Euro. Die von Commerzbank-Mitarbeitern liebevoll „Pru“ getaufte Portfolio Restructuring Unit bescherte der Bank teilweise sogar Gewinne.

Den ganz dicken Brocken müssen die Commerzbanker jedoch erst noch verdauen. Denn von der Immobilientochter Eurohypo hat Vorstandschef Martin Blessing ein riesiges Paket aus Staatsanleihen und Krediten für Gewerbeimmobilien geerbt. Das Neugeschäft wurde eingestellt, weil die Commerzbank den Staats- und Immobilienfinanzierer auf Druck der EU-Kommission als Kompensation für die Staatshilfen bis 2014 verkaufen sollte. Weil kein Investor den Laden wollte, ließ sich EU-Kommissar Joaquín Almunia kürzlich erweichen und verzichtete auf die Verkaufsauflage.

Dafür muss Bankchef Blessing jetzt selbst sehen, wie er mit den Eurohypo-Altlasten fertig wird. 96 Milliarden Euro Forderungen gegen Regierungen und Kommunen muss er loswerden. Darunter befinden sich immer noch derzeit schwer verkäufliche italienische, spanische und portugiesische Staatsanleihen im Volumen von insgesamt zwölf Milliarden Euro. Obendrauf kommen noch 31 Milliarden Euro Kredite für gewerbliche Immobilien, davon stecken vier Milliarden Euro im abgestürzten spanischen Immobilienmarkt. Bis 2015 sollen die Bestände an Häuserkrediten um die Hälfte eingedampft werden, die Staatsfinanzierung um etwa ein Drittel. Dabei wartet die Commerzbank nicht nur auf die Rückzahlung der Kredite. Sie muss versuchen, Teile des Portfolios vorher abzustoßen, um den Klotz in der Bilanz loszuwerden.

Was die bevorstehende Massenverklappung kosten könnte, lassen die jüngsten Geschäftszahlen erahnen. Um den Stresstest der EU-Bankenaufsicht EBA zu bestehen, hat sich das Institut in großem Umfang von Risikokrediten getrennt. Die Schrumpfkur halbierte den operativen Gewinn im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr auf 584 Millionen Euro. Das Nachsehen haben private Aktionäre und Steuerzahler – die zu einem Viertel beteiligt sind – und auf ihre Dividende für das Jahr 2012 verzichten müssen.

BayernLB schweigt sich aus

Griechenland-Effekt in den Bank-Bilanzen
Bankenviertel in Frankfurt am Main Quelle: dpa
Taschenrechner mit dem Logo der Commerzbank Quelle: dpa
Logo der "Bad Bank" der Hypo Real Estate Quelle: dapd
Dexia-Eingang Quelle: dpa
Logo von Credit Agricole Quelle: dpa
Logo der Royal Bank of Scotland Quelle: dpa
Logo und Gebäude der Deutschen Bank Quelle: dpa

Projekt „Herkules“ taufte die BayernLB das mühsame Unterfangen, krankes von gesundem Geschäft zu trennen. Der antike Sagenheld wurde unter anderem dafür bekannt, dass er den sprichwörtlichen Augiasstall reinigte – von den Hinterlassenschaften Tausender Rinder. Wie viel die Bayern noch ausmisten müssen, ist schwer zu sagen.

Der Freistaat haftet mit einer Garantie von 4,8 Milliarden Euro für Verluste durch strukturierte Altkredite aus der Finanzkrise. Bislang reichte der Eigenanteil der Bank in Höhe von 1,2 Milliarden Euro, die Lasten der Vergangenheit aufzufangen. Davon ist jedoch bereits die Hälfte aufgebraucht. Die Landesbanker verwalten ihre 27 Milliarden Euro schwere Bad Bank intern in der eigenen Bilanz. Gut 40 Prozent davon entfallen auf sogenannte ABS-Papiere. Das sind gebündelte und verbriefte Kleinkredite, von denen keiner weiß, ob und in welchem Umfang die Schuldner sie zurückzahlen können. Für besonders schwierige Fälle holen sich die Bayern professionelle Hilfe bei externen Portfolioberatern. Laut deren Einschätzung sollen sich die zu erwartenden Verluste innerhalb des staatlichen Garantierahmens bewegen. Wer die Spezialisten sind, verraten die Banker nicht.

Auslaufmodell WestLB

Die Bad Bank der Düsseldorfer WestLB, die Erste Abwicklungsanstalt (EAA), umfasst auch ganze Unternehmensbereiche des Instituts, dessen Auflösung politisch beschlossen ist. Die Rheinländer stehen zu ihren Beratern vom US-Finanzkonzern Pimco, einer Tochter des Münchner Versicherungsriesen Allianz, die rund 1,7 Billionen Dollar Anlagevermögen verwaltet. Die Amerikaner sind Experten für die Abwicklung verbriefter Kredite.

In Düsseldorf müssen die Pimco-Leute unter anderem mit dem berüchtigten Phoenix-Portfolio fertigwerden, das die WestLB in ihre Bad Bank EAA abgeschoben hat. Hinter dem Codenamen verbergen sich verbriefte Kredite und Derivate, die sich die Rheinländer auf den internationalen Finanzmärkten andrehen ließen. Wegen der Krise musste die Landesbank unter anderem strukturierte Wertpapiere im Volumen von rund 29 Milliarden Euro auslagern. Verwaltet wird der Schrottplatz von Enno Balz. Der Volkswirt hat sich mit dem Phoenix-Portfolio eine der schwierigsten Aufgaben in der EAA ausgesucht. „Alle gefährlichen Abkürzungen wie ABS und CDO sind bei mir“, sagt Balz. Die Kürzel stehen für verbriefte Kreditrisiken, um die viele Investoren seit der Finanzkrise einen großen Bogen machen.

Die beiden EAA-Chefs Markus Bolder und Matthias Wargers waren mit einem Problemportfolio von 77 Milliarden Euro gestartet. Nun ziehen sie Zwischenbilanz. Der Abbau liegt mit einem Minus von 34 Prozent über Plan, besonders deutlich reduziert wurden die problematischen Kredite. Sie schrumpften um mehr als die Hälfte auf 13,5 Milliarden Euro.

Doch für die Düsseldorfer kündigt sich Nachschub in ungeahntem Ausmaß an: 100 Milliarden Euro an Krediten und Restgeschäft aus der zerlegten WestLB könnten zusätzlich in die Abwicklungsanstalt wandern – darunter auch die Mainzer Immobilienbank WestImmo mit einer Bilanzsumme von 23 Milliarden Euro. Das birgt neue, unüberschaubare Risiken für die Steuerzahler des bevölkerungsreichsten Bundeslands. Sie sind über eine komplizierte Haftungskaskade an den Kosten des Endlagers in Düsseldorf beteiligt. Hat die EAA die drei Milliarden ihres Eigenkapitals von der WestLB verbraucht, müssen das Bundesland sowie die NRW-Sparkassen als ehemalige WestLB-Eigner jeweils 4,5 Milliarden Euro nachschießen.

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Den Kauf vieler riskanter Kreditkonstruktionen trauen sich derzeit nur Spezialisten wie Pimco oder der US-Finanzkonzern Blackrock zu, die in der Branche auch gern als „Geier“ bezeichnet werden. Die Zeit läuft allerdings gegen einige Bad Banks. BayernLB, HSH Nordbank und Commerzbank müssen laut EU bis 2014 große Teile ihrer Schrottplätze geräumt haben. Warten die Abwickler zu lang, geraten sie unter Verkaufsdruck und müssen ihre Reste verschleudern – zur Freude der „Geier“ und zulasten der Steuerzahler.

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