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Faule Kredite Bad Banks werden zum Milliardenrisiko

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BayernLB schweigt sich aus

Griechenland-Effekt in den Bank-Bilanzen
Bankenviertel in Frankfurt am Main Quelle: dpa
Taschenrechner mit dem Logo der Commerzbank Quelle: dpa
Logo der "Bad Bank" der Hypo Real Estate Quelle: dapd
Dexia-Eingang Quelle: dpa
Logo von Credit Agricole Quelle: dpa
Logo der Royal Bank of Scotland Quelle: dpa
Logo und Gebäude der Deutschen Bank Quelle: dpa

Projekt „Herkules“ taufte die BayernLB das mühsame Unterfangen, krankes von gesundem Geschäft zu trennen. Der antike Sagenheld wurde unter anderem dafür bekannt, dass er den sprichwörtlichen Augiasstall reinigte – von den Hinterlassenschaften Tausender Rinder. Wie viel die Bayern noch ausmisten müssen, ist schwer zu sagen.

Der Freistaat haftet mit einer Garantie von 4,8 Milliarden Euro für Verluste durch strukturierte Altkredite aus der Finanzkrise. Bislang reichte der Eigenanteil der Bank in Höhe von 1,2 Milliarden Euro, die Lasten der Vergangenheit aufzufangen. Davon ist jedoch bereits die Hälfte aufgebraucht. Die Landesbanker verwalten ihre 27 Milliarden Euro schwere Bad Bank intern in der eigenen Bilanz. Gut 40 Prozent davon entfallen auf sogenannte ABS-Papiere. Das sind gebündelte und verbriefte Kleinkredite, von denen keiner weiß, ob und in welchem Umfang die Schuldner sie zurückzahlen können. Für besonders schwierige Fälle holen sich die Bayern professionelle Hilfe bei externen Portfolioberatern. Laut deren Einschätzung sollen sich die zu erwartenden Verluste innerhalb des staatlichen Garantierahmens bewegen. Wer die Spezialisten sind, verraten die Banker nicht.

Auslaufmodell WestLB

Die Bad Bank der Düsseldorfer WestLB, die Erste Abwicklungsanstalt (EAA), umfasst auch ganze Unternehmensbereiche des Instituts, dessen Auflösung politisch beschlossen ist. Die Rheinländer stehen zu ihren Beratern vom US-Finanzkonzern Pimco, einer Tochter des Münchner Versicherungsriesen Allianz, die rund 1,7 Billionen Dollar Anlagevermögen verwaltet. Die Amerikaner sind Experten für die Abwicklung verbriefter Kredite.

In Düsseldorf müssen die Pimco-Leute unter anderem mit dem berüchtigten Phoenix-Portfolio fertigwerden, das die WestLB in ihre Bad Bank EAA abgeschoben hat. Hinter dem Codenamen verbergen sich verbriefte Kredite und Derivate, die sich die Rheinländer auf den internationalen Finanzmärkten andrehen ließen. Wegen der Krise musste die Landesbank unter anderem strukturierte Wertpapiere im Volumen von rund 29 Milliarden Euro auslagern. Verwaltet wird der Schrottplatz von Enno Balz. Der Volkswirt hat sich mit dem Phoenix-Portfolio eine der schwierigsten Aufgaben in der EAA ausgesucht. „Alle gefährlichen Abkürzungen wie ABS und CDO sind bei mir“, sagt Balz. Die Kürzel stehen für verbriefte Kreditrisiken, um die viele Investoren seit der Finanzkrise einen großen Bogen machen.

Die beiden EAA-Chefs Markus Bolder und Matthias Wargers waren mit einem Problemportfolio von 77 Milliarden Euro gestartet. Nun ziehen sie Zwischenbilanz. Der Abbau liegt mit einem Minus von 34 Prozent über Plan, besonders deutlich reduziert wurden die problematischen Kredite. Sie schrumpften um mehr als die Hälfte auf 13,5 Milliarden Euro.

Doch für die Düsseldorfer kündigt sich Nachschub in ungeahntem Ausmaß an: 100 Milliarden Euro an Krediten und Restgeschäft aus der zerlegten WestLB könnten zusätzlich in die Abwicklungsanstalt wandern – darunter auch die Mainzer Immobilienbank WestImmo mit einer Bilanzsumme von 23 Milliarden Euro. Das birgt neue, unüberschaubare Risiken für die Steuerzahler des bevölkerungsreichsten Bundeslands. Sie sind über eine komplizierte Haftungskaskade an den Kosten des Endlagers in Düsseldorf beteiligt. Hat die EAA die drei Milliarden ihres Eigenkapitals von der WestLB verbraucht, müssen das Bundesland sowie die NRW-Sparkassen als ehemalige WestLB-Eigner jeweils 4,5 Milliarden Euro nachschießen.

In Arbeit
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Den Kauf vieler riskanter Kreditkonstruktionen trauen sich derzeit nur Spezialisten wie Pimco oder der US-Finanzkonzern Blackrock zu, die in der Branche auch gern als „Geier“ bezeichnet werden. Die Zeit läuft allerdings gegen einige Bad Banks. BayernLB, HSH Nordbank und Commerzbank müssen laut EU bis 2014 große Teile ihrer Schrottplätze geräumt haben. Warten die Abwickler zu lang, geraten sie unter Verkaufsdruck und müssen ihre Reste verschleudern – zur Freude der „Geier“ und zulasten der Steuerzahler.

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