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Faule Kredite Bad Banks werden zum Milliardenrisiko

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Die Haftungsgarantie der Länder

160 Milliarden Euro an Schrottpapieren hält die Bad Bank der HRE, darunter Studienkredite an US-Akademiker, die diese wegen Arbeitslosigkeit nicht zurückzahlen können Quelle: Laif

„Das Portfolio bis Ende 2014 auf 38 Milliarden Euro abzubauen ist eine Herausforderung, aber machbar“, behauptet Bilanzentrümpler Topp. Aktuell sitzt er allerdings noch auf zu entsorgenden Engagements von 59 Milliarden Euro. Topp hat verbriefte Krisenkredite, Finanzierungen von Immobilien, Schiffen, Flugzeugen oder Unternehmen im Angebot, die er mit möglichst wenig Verlust loswerden will. „Wir bekommen oft Anrufe von Investoren, die unsere Papiere kaufen wollen“, erklärt Topp, allerdings achte die Bank auf einen „wertschonenden Abbau“. Immerhin konnte das Abbausegment im vergangenen Jahr 268 Millionen Euro Gewinn erzielen.

Gibt es Verluste, haften Hamburg und Schleswig-Holstein nicht nur mit ihrem Anteil am Eigenkapital der HSH Nordbank. Bürgerschaft und Landesregierung haben zusätzlich einen Garantieschirm von sieben Milliarden Euro über fast die gesamte Bilanz gespannt. Diese Versicherung greift, sobald die Bank ihren Selbstbehalt von 3,2 Milliarden Euro aufgebraucht hat – 220 Millionen Euro davon sind schon weg. Abwickler Topp gibt sich optimistisch: „Wir machen einen guten Job und sind überzeugt, dass wir die Garantie der Länder nicht in Anspruch nehmen müssen.“

Schrumpfkur für die Commerzbank

Die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise teilverstaatlichte Commerzbank hat 2009 eine interne Bad Bank aufgemacht, die mit faulen Wertpapieren des Instituts fertigwerden soll. Auf 8,7 Milliarden Euro hat die Londoner Mannschaft der zweitgrößten deutschen Bank um den ehemaligen Goldman-Sachs-Banker Vijay Radhakishun das Abwicklungsportfolio bereits geschrumpft. Zu Beginn betrug der Nennwert 44 Milliarden Euro. Die von Commerzbank-Mitarbeitern liebevoll „Pru“ getaufte Portfolio Restructuring Unit bescherte der Bank teilweise sogar Gewinne.

Den ganz dicken Brocken müssen die Commerzbanker jedoch erst noch verdauen. Denn von der Immobilientochter Eurohypo hat Vorstandschef Martin Blessing ein riesiges Paket aus Staatsanleihen und Krediten für Gewerbeimmobilien geerbt. Das Neugeschäft wurde eingestellt, weil die Commerzbank den Staats- und Immobilienfinanzierer auf Druck der EU-Kommission als Kompensation für die Staatshilfen bis 2014 verkaufen sollte. Weil kein Investor den Laden wollte, ließ sich EU-Kommissar Joaquín Almunia kürzlich erweichen und verzichtete auf die Verkaufsauflage.

Dafür muss Bankchef Blessing jetzt selbst sehen, wie er mit den Eurohypo-Altlasten fertig wird. 96 Milliarden Euro Forderungen gegen Regierungen und Kommunen muss er loswerden. Darunter befinden sich immer noch derzeit schwer verkäufliche italienische, spanische und portugiesische Staatsanleihen im Volumen von insgesamt zwölf Milliarden Euro. Obendrauf kommen noch 31 Milliarden Euro Kredite für gewerbliche Immobilien, davon stecken vier Milliarden Euro im abgestürzten spanischen Immobilienmarkt. Bis 2015 sollen die Bestände an Häuserkrediten um die Hälfte eingedampft werden, die Staatsfinanzierung um etwa ein Drittel. Dabei wartet die Commerzbank nicht nur auf die Rückzahlung der Kredite. Sie muss versuchen, Teile des Portfolios vorher abzustoßen, um den Klotz in der Bilanz loszuwerden.

Was die bevorstehende Massenverklappung kosten könnte, lassen die jüngsten Geschäftszahlen erahnen. Um den Stresstest der EU-Bankenaufsicht EBA zu bestehen, hat sich das Institut in großem Umfang von Risikokrediten getrennt. Die Schrumpfkur halbierte den operativen Gewinn im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr auf 584 Millionen Euro. Das Nachsehen haben private Aktionäre und Steuerzahler – die zu einem Viertel beteiligt sind – und auf ihre Dividende für das Jahr 2012 verzichten müssen.

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