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Faule Kredite Bad Banks werden zum Milliardenrisiko

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Schattenhaushalt des Bundesfinanzministers

Abrissbude Bank - Institute räumen Massen an maroden Papieren und Randgeschäft aus der Bilanz Quelle: dpa

Die Bundesregierung haftet für die ausgegliederten Abwicklungsanstalten von Hypo Real Estate und WestLB über den Bankenrettungsfonds Soffin. Der Fonds verwaltet die Krisenhilfen an deutsche Banken, darunter auch die 25-prozentige Beteiligung an der Commerzbank. Weil das Haftungspolster der HRE-Bad-Bank aufgebraucht ist, erhöhen ihre Verluste faktisch die Verschuldung der öffentlichen Hand.

In der offiziellen Statistik, die Deutschland an die EU-Kommission meldet, tauchen die Verluste der Bad Banks jedoch nicht auf. „Der Soffin ist ein Schattenhaushalt des Bundesfinanzministers“, sagt Gerhard Schick, Finanzexperte der Grünen im Bundestag und Kontrolleur im Parlamentarischen Finanzmarktgremium.

Erst nach Abwicklung des Rettungsfonds werden die Kosten zwischen Bund und Ländern aufgeteilt, was aber frühestens im Jahr 2020 passiert. Wie teuer jede Bad Bank den Steuerzahler kommt, hängt an den Risiken ihrer Schrottpapiere sowie dem Können und der Fortüne ihrer Abwickler.

Saftige Rechnung von der HRE

Die FMS Wertmanagement, die Bad Bank der HRE, soll Ende Juni die Geschäftszahlen für das Jahr 2011 auf den Tisch legen. Chef Christian Blum dürfte den Steuerzahlern einen dicken Verlust präsentieren. Der resultiert nicht nur aus gewagten Krediten aus der Zeit vor der großen Krise 2008. Auch der Schuldenschnitt für Griechenland kostet die FMS knapp neun Milliarden Euro, die der Soffin übernehmen muss. Mittlerweile ist klar, dass die Rückstellungen von knapp vier Milliarden Euro längst nicht mehr reichen.

Die größten Profiteure von Fusionen
Platz 10: Leonardo & Co. (1,9 Milliarden US-Dollar)500 Meter vom Mailänder Scala-Theater liegt das Büro der Leonardo-Bank. In Mailand wurde das Kreditinstitut 1999 gegründet, heute ist sie in Deutschland die zehntgrößte Bank bei Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) – zumindest gilt das für das erste Quartal 2012. Für diese Zeit ermittelte Thomson Reuters die führenden Geldhäuser bei Transaktionen. Dabei geht der Medienkonzern nach der Höhe des Transaktionsvolumens, das die Banken verschoben. Bei der Leonardo-Bank waren es im ersten Jahresviertel etwa 1,9 Milliarden US-Dollar in Deutschland. Im Vorjahreszeitraum landete die italienische Bank noch auf Platz 43 der Rangliste. Quelle: AP
Platz 9: Goldman Sachs (2,1 Milliarden US-Dollar)Das New Yorker Bankhaus Goldman Sachs landete mit seinen 2,1 Milliarden US-Dollar an betreutem Transaktionsvolumen auf Platz 9. Damit rutschte die Bank im Ranking zwei Plätze nach unten. Gemessen an den Aktienemissionen belegt Goldman Sachs laut Thomson Reuters in Deutschland jedoch Platz 1. Im ersten Quartal gab das Geldinstitut Aktienpakete im Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar heraus. Quelle: REUTERS
Platz 8: Macquarie (3,5 Milliarden US-Dollar)Auch die Australier legten beim M&A-Ranking kräftig zu. Belegte die Investmentbank Macquarie im Vorjahreszeitraum noch Platz 43, hat sie sich im ersten Quartal auf Platz 8 vorgekämpft – mit einem Transaktionsvolumen von 3,5 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 7: Lazard (3,5 Milliarden US-Dollar)Bruce Wasserstein, Vorstandsvorsitzender der New Yorker Investmentbank Lazard, hat wenig Grund, sich zu freuen. Sein Bankhaus belegte im Vorjahreszeitraum noch Platz 5. Mit einem Transaktionsvolumen von 3,5 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 6: Citi (3,5 Milliarden US-Dollar)Die Citi Group hat sich vom elften auf den sechsten vorgekämpft. Sie begleitete im ersten Quartal 2012 Fusionen und Übernahmen im Wert von 3,5 Milliarden US-Dollar. Außerdem gab sie 217 Millionen Dollar an Aktien, sowie 5,5 Milliarden an Anleihen heraus. Quelle: dapd
Platz 5: Nordea (3,5 Milliarden US-Dollar)Das Kreditinstitut von Christian Clausen (Foto), Vorstandsvorsitzender der schwedischen Nordea-Bank, feiert Premiere in der Thomson-Reuters-Studie – und das gleich auf Platz 5. Die skandinavische Bank begleitete, wie die Häuser auf den drei vorherigen Plätzen auch, Übernahmen und Fusionen im Wert von 3,5 Milliarden Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 4: JP Morgan Chase & Co. (4,3 Milliarden US-Dollar)4,3 Milliarden Dollar an Transaktionen betreute das New Yorker Bankhaus JP Morgan Chase im ersten Quartal. Damit kann sie aber nicht an ihre Form des ersten Quartals des Vorjahres anknüpfen. belegte sie damals noch den zweiten Platz, reicht es diesmal nur für Platz 4. Allerdings glänzt sie bei den Investment-Banking-Gebühren. Mit 57 Millionen Dollar nahm sie laut Thomson Reuters so viel wie keine andere Bank in Deutschland ein – und stieß damit die Deutsche Bank vom Thron. Quelle: AP

Damit wird die FMS die Steuerzahler teurer zu stehen kommen als bei ihrer Gründung befürchtet. Im vergangenen Jahr hatte bereits eine Schätzung des Bankenexperten Dirk Schiereck für Aufregung gesorgt. Der Darmstädter Professor war auf Grundlage eines vertraulichen Abwicklungsplans zum Schluss gekommen, dass die FMS rund 50 Milliarden der ursprünglich ausgelagerten Engagements von 175 Milliarden Euro abschreiben muss. Auch diese Lasten müsste der Steuerzahler übernehmen. Zum Finanzschrott der FMS gehören offenbar Papiere zur Absicherung des Hurrikanrisikos in Florida, Kredite für Immobilien im erdbebengefährdeten Tokio oder verbriefte Bildungsdarlehen an klamme US-Studenten, die diese aufgrund der schlechten Arbeitsmarktlage in ihrem Heimatland nicht wie erhofft tilgen können.

Lichtblick bei HSH Nordbank

Die HSH Nordbank, gemeinsame Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein, holte kürzlich den Abwicklungsprofi Wolfgang Topp von der Deutschen Bank nach Hamburg. Der Kreditrecycler leitet jetzt die interne Bad Bank des Instituts. Die HSH muss auf Anordnung der EU kräftig schrumpfen, weil sie mit Steuergeld aus der Krise gerettet wurde. Verglichen mit dem Finanzkrisenjahr 2008, soll die Bilanz bis Ende 2014 um 40 Prozent auf 120 Milliarden Euro abspecken. Daher stellt die Bank ihre Flugzeugfinanzierung ein, zieht sich aus ausländischen Märkten zurück und verkauft, wo es geht, Kredite und Altlasten an Investoren. Aber auch danach wird eine prall gefüllte Resterampe innerhalb der HSH Nordbank bleiben und der Schrumpfkurs weitergehen.

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