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Finanz-Start-upSolaris wehrt offenbar Bafin-Drohung zu Einlagenabbau ab

Die Aufsicht hatte die Berliner laut einem Bericht aufgefordert, die Einlagen zu reduzieren, um das Kapitalniveau zu stärken. Nach einer Restrukturierung sei die Anordnung nun aber kein Thema mehr. 08.11.2023 - 10:00 Uhr

Nach dem Wirecard-Skandal hat die Bafin die Kontrolle von jungen Finanzunternehmen intensiviert.

Foto: Bloomberg

Das Berliner Fintech Solaris hat eine Anordnung der Bafin abgewehrt, die sie zu einer Reduzierung der Kundeneinlagen gezwungen hätte, wie Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf das Unternehmen berichtet. Hintergrund der geplanten Maßnahme sei die Sorge der Aufsicht gewesen, dass Kontrollmechanismen und Kapitalstärke möglicherweise nicht mit den Wachstumsambitionen des Unternehmens Schritt halten.

Im September hatte die Finanzaufsicht Solaris im September aufgefordert, ihre Einlagen bis zum Ende des Jahres auf 1,05 Milliarden Euro zu reduzieren, um das Kapitalniveau zu stärken, berichtet Bloomberg unter Berufung auf ein Schreiben der Bafin an Solaris, das der Nachrichtenagentur vorliegt. Solaris verfügte demnach zu Ende Juni über 1,83 Milliarden Euro an Einlagen aus Kooperation mit anderen Unternehmen.

Die Bafin habe inzwischen bestätigt, dass es doch keine Einlagenbeschränkung geben werde, erklärte das Unternehmen in Reaktion auf einen Fragenkatalog von Bloomberg. Gründe hierfür seien zwischenzeitliche Änderungen am Deal zur Übernahme des ADAC-Kreditkartenporfolios sowie die jüngst abgeschlossene Finanzierungsrunde gewesen.

Ein Sprecher der Bafin wollte sich auf Bloomberg-Anfrage nicht äußern.

Solaris war 2015 gegründet worden und tritt selbst nicht unter eigener Marke im Endkundengeschäft auf. Stattdessen ermöglicht das Fintech anderen Firmen, Produkte wie etwa Kreditkarten oder Darlehen anzubieten. Sie stellt dafür ihre eigene Infrastruktur und Banklizenz zur Verfügung.

Die angedrohte Einlagenbeschränkung geht dem Bafin-Brief zufolge auf die Tatsache zurück, dass Solaris aufgrund des ADAC-Deals auf dem besten Weg gewesen sei, gegen

Mindestanforderungen bei der Leverage Ratio zu verstoßen. Bei der Leverage Ratio wird das Eigenkapital ins Verhältnis zur gesamten Bilanzsumme gesetzt. Das Fintech hatte zugestimmt, fast 100 Millionen Euro in zwei Schritten für das Kreditkartenportfolio zu bezahlen, heißt es Bloomberg zufolge im Brief.

Solaris führt neue Gespräche zu weiteren Finanzierungsrunden

Solaris erklärte gegenüber Bloomberg News, dass die Vereinbarung mit dem ADAC „aufgrund der Entwicklungen am Kapitalmarkt neu und kapitalschonend strukturiert“ wurde. Details dazu nannte das Unternehmen allerdings nicht.

Im Juli hatte Solaris zudem den Abschluss einer Finanzierungsrunde von 38 Millionen Euro bekanntgegeben. Durch die „Finanzierungsrunde und die Neuaufstellung der Kooperation mit dem ADAC ist die Grundlage für die Anordnung entfallen. Das hat die Bafin bestätigt. Es wird keine Einlagenbeschränkung geben“, berichtete Solaris. Zugleich erklärte das Unternehmen, sich aktuell in Gesprächen mit Bestands- und Neuinvestoren über eine weitere Finanzierungsrunde zu befinden.

Neben der Einlagenbeschränkung hatte die Bafin Solaris laut Bloomberg in dem Schreiben ebenfalls dazu aufgefordert, „Entkopplungspläne“ für jeden Einlagenpartner zu erstellen. Solaris sollte demnach dabei angeben, inwiefern die Partner von der Solaris-Gruppe abhängig sind beziehungsweise ob Leistungen auch durch ein anderes Unternehmen erbracht werden könnten.

Dies stand im Zusammenhang mit einer möglichen Einlagenbeschränkung, berichtete Solaris Bloomberg. „Die Planungen sind fristgerecht erstellt. Da die Grundlage für die Anordnung entfallen ist, besteht keine Notwendigkeit mehr für diese Maßnahme“, erklärte das Unternehmen.

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Einlagen nutzt Solaris laut Bafin-Brief, um diese bei der Bundesbank anzulegen und hierdurch Zinserträge zu erwirtschaften. „Diese Erträge sind für die Profitabilität Ihres Instituts wichtig“, schrieb die Bafin.

Die Bafin und andere Behörden haben seit dem Zusammenbruch des Finanzdienstleisters Wirecard im Jahr 2020 die Kontrolle von Fintechs intensiviert. Die Aufsichtsbehörden befürchten, dass die Branche bei ihrem Bestreben, etablierten Institutionen Marktanteile abzunehmen, Gefahr läuft, von Kriminellen für Geldwäsche ausgenutzt zu werden.

Aus dem Bafin-Brief geht dem Finanzdienst zufolge hervor, dass die Behörde schon seit langem Solaris dazu drängt, Mängel in der Geschäftsorganisation und insbesondere in der Geldwäscheprävention zu beheben. Die Personalausstattung im Meldewesen sei nicht angemessen. Zudem befinde sich Solaris nicht in der Lage, die Leverage Ratio täglich zu berechnen, hieß es. Sonderbeauftragte hätten fehlende Fortschritte bemängelt.

„Wir haben in den letzten Monaten sehr gute Fortschritte bei der Aufarbeitung der Feststellungen gemacht“, erklärte Solaris gegenüber Bloomberg News. Die Personalausstattung im Meldewesen sei verbessert worden. Seit 2022 habe es massive Investitionen im Bereiche Compliance gegeben.

bbg
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