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Finanzkrise Amputation des Investmentbankings hilft nicht

Die Trennung riskanter Spekulationen von den Sparkonten klingt vernünftig, ist aber kein Allheilmittel für die Probleme des Bankensektors.

Bankentürme der Deutschen Bank Quelle: dapd

SPD-Chef Sigmar Gabriel nutzt als frisch gebackener Vater die Babypause für den Anti-Banken-Wahlkampf. In einem Artikel für das Handelsblatt bekräftigt er seine Forderung vom Ende vergangenen Jahres nach einer Trennung des Investmentbankings von den Geschäften großer Institute mit Privat- und Kreditkunden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich am Wochenende in die Diskussion eingeschaltet – allerdings nur halbherzig: Deutschland werde sich bei einer Bankenspaltung nicht sperren, sofern es in Europa Bedarf dafür gebe.

Hinter der Debatte steckt nicht nur Populismus, allerdings dürfte Gabriel nichts dagegen haben, wenn er mit seiner Attacke auf die bei vielen Wählern verhasste Finanzwelt die eine oder andere Stimme einfangen sollte. Für die Forderung der SPD gibt es gute Gründe, jedoch auch Argumente, die dagegen sprechen. In den Augen der politischen Chirurgen, die sich um den kranken Patienten Bankensektor kümmern wollen, ist die Amputation ein verlockender, weil spektakulärer und öffentlichkeitswirksamer Eingriff. Ein Wundermittel für die Abwehr aller Gefahren aus der Finanzbranche ist das Trennsystem aber auf keinen Fall.

Die Wahrheit über Bankberater
ZeitnotBeim Beratungsgespräch drängen viele Berater zur Eile. 61 Prozent der Gespräche dauern weniger als eine Stunde. Das ist knapp bemessen. Bei einer seriösen Beratung zur Anlagestrategie müssen Banker unter anderem Risikoneigung, Lebens- und Jobsituation, Steuerstrategie oder vorhandenen Immobilienbesitz ermitteln um daraus Empfehlungen für die Aufteilung des Depots abzuleiten. Die Ergebnisse stammen aus einer Umfrage des Privat Finance Instituts der EBS Business School unter mehr als tausend Bankberatern dauert jedes vierte Gespräch aber weniger als eine Dreiviertelstunde. Lesen Sie, wie frustriert die Berater sind und warum Provisionen bei der Beratung nach wie vor entscheidend sind. Quelle: AP
KundenstauDie Arbeitsleistung vieler Berater ist beachtlich. Jeder Banker führt im Schnitt 2,6 Gespräche pro Tag. Jeder fünfte Berater empfängt laut EBS Universität aber mehr als vier Kunden am Tag. Einige sogar mehr als zehn. Quelle: dpa
Nichts dazugelerntDie Banker haben offenbar keine Lehre aus der Finanzkrise gezogen. Nur zwölf Prozent gaben an, dass die Bemessungsgrundlage für einzelne Produkte und Dienstleistungen seitdem verändert wurde. In sieben Prozent der Fälle wurden Vertriebsvorgaben verringert. Für die  Masse der Berater (49 Prozent) haben sich die Vertriebsvorgaben nicht verändert. Bei mehr als jedem fünften Berater wurden die Vertriebsziele sogar erhöht. Quelle: dpa
Cash is KingDie meisten Banken steuern laut den Beratern ihren Vertriebe nach den Provisionserlösen, sagen 74 Prozent der Befragten und dem Volumen der verkauften Produkte (62 Prozent). Die Kundenzufriedenheit belegt abgeschlagen Platz neun (34 Prozent). Quelle: AP
Kunden zahlen die ZecheDie Kunden leiden unter dem Verkaufsdruck in den Instituten. Vier von zehn Beratern geben an, dass ihre Vertriebsvorgaben dem Kundeninteresse „häufig“ oder „fast immer“ widersprechen. Quelle: dpa
Berater unter DruckDie Kontrolle der Mitarbeiter ist in der Branche in den vergangenen jahren stark angestiegens. 74 Prozent der befragten Banker gaben an, dass die Vertriebsvorgaben bis auf den einzelnen Mitarbeiter runtergebrochen werden. Meistens gelten Jahresvorgaben. Wer nicht genügend vorgegeben Produkte verkauft oder Ertrag erwirtschaftet, steht als Berater häufig unter Rechtfertigungsdruck. 42 Prozent der Mitarbeiter gibt an, dass die Vorgesetzten Ranglisten führen. Quelle: dpa
HamsterradViele Berater fühlen sich überfordert. Jeder dritte Befragte gibt an, dass er seine Betriebsvorgaben nur schwer erreichen kann. 13 Prozent finden die Vorgaben „unrealistisch“. Zum Vergleich: Nur sieben Prozent der Banker erklärte, dass die Ziele gut erreichbar seinen. Quelle: dpa

Die Finanzaufseher bei der Bundesbank zweifeln daran, dass sich aufgespaltene Institute besser überwachen lassen als die in Deutschland üblichen Universalbanken. Zwar könnte die Abtrennung von Geschäftsbereichen den Rest der Bank vor Handelsrisiken aus dem Investmentbanking schützen. Gleichzeitig wachsen aber laut Bundesbank dabei die Konzentrationsrisiken etwa von Großkrediten, deren Ausfälle geschrumpfte Institute empfindlicher treffen könnten. Diese Gefahren würden Investoren und Gläubiger noch stärker davon abschrecken, dem ohnehin schon klammen Bankensektor Geld zur Verfügung zu stellen, das dieser für die Finanzierung seiner volkswirtschaftlich erwünschten Aktivitäten braucht.

Probleme für die Realwirtschaft drohen nicht nur wegen der Größe vieler Banken, sondern auch wegen deren dichter finanzieller Vernetzung. Letztere lässt sich durch ein Trennbankensystem nicht abmildern, denn auch brave Geschäftsbanken ohne Investmentbanking und spekulativen Handel hängen an der Finanzierung durch andere Geldhäuser und können bei Systemkrisen in Liquiditätsprobleme geraten. Das haben die Zusammenbrüche bei der Immobilienbank Hypo Real Estate oder der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB gezeigt.

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Die Finanzaufseher müssen daher für zwei wichtige Kursänderungen auf den Finanzmärkten sorgen: Die Größe und Vernetzung der Häuser ist soweit zu reduzieren, bis Pleiten einzelner Banken keinen Dominoeffekt mehr auslösen können. Zudem müssen die Aktionäre dazu gezwungen werden, ihre Banken mit mehr Haftungsmasse ausstatten, damit diese bei finanziellen Schieflagen nicht auf öffentliche Hilfen angewiesen sind.

Dazu beitragen sollen die strengeren Eigenkapitalpolster laut Regulierungswerk Basel III. Obwohl die Banken den Ansatz grundsätzlich unterstützen, haben ihre Lobbyverbände kürzlich Zweifel geäußert, dass die Kapitalaufstockungen in der dafür vorgesehenen Übergangszeit zu stemmen sind. Die Politik sollte hier auf eine schnelle und strenge Umsetzung bestehen, statt mit der Diskussion um ein Trennbankensystem einen überflüssigen Nebenkriegsschauplatz aufzumachen.

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