Finanzvertrieb AWD Maschmeyer erstattet Anzeige gegen Schweizer Bank Sarasin

Beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf, das zumindest behauptet der Volksmund. Seit dieser Woche gibt es einen Fall mehr zum Beleg dieser These. Carsten Maschmeyer, der in die deutsche Politik und Promikreise bestens verdrahtete Hannoveraner Investor, der einst den Finanzvertrieb AWD gründete und dessen Vermögen auf rund eine Milliarde Euro geschätzt wird, hat in Zürich seine ehemaligen guten Freunde angezeigt: Die Verantwortlichen der Schweizer Privatbank Sarasin. Wegen Bruchs des Schweizer Bankgeheimnisses.

Milliardenklagen gegen Banken
Papiertüten mit dem aufgedrucktem Logo der Deutschen Bank Quelle: dpa
Logo der Royal Bank of Scotland (RBS) Quelle: dapd
A home for sale in Contra Costa County in the city of Antioch, California Quelle: dpa
A man walks past JP Morgan Chase's international headquarters on Park Avenue in New York Quelle: REUTERS
Die Verstrickung in den Libor-Skandal kommt die UBS teuer zu stehen. Die größte Schweizer Bank muss mit rund 1,4 Milliarden Franken (1,16 Milliarden Euro) die zweithöchste Geldstrafe berappen, zu der eine Bank jemals verdonnert wurde. Dutzende von Händlern und Mitarbeitern der Bank waren nach Erkenntnissen der Aufsichtsbehörden in die Manipulationen des Referenzzinses verwickelt. Sogar Schmiergeld wurde gezahlt, hieß es im Untersuchungsbericht der britischen Aufsichtsbehörde FSA. UBS habe in
JP Morgan mit Bear-Stearns-FluchIn der Finanzkrise rettete sich die Investmentbank Bear Stearns in die Arme des Branchenprimus JP Morgan. Jetzt könnte die Übernahme auf Geheiß der US-Regierung eine teures Nachspiel haben. Die US-Aufsichtsbehörde National Credit Union Administration (NCUA) verklagte JP Morgan im Dezember 2012 auf Schadenersatz in Höhe von 3,6 Milliarden Dollar. Sie wirft Bear Stearns vor, mit Ramschhypotheken unterlegte Wertpapiere an vier Genossenschaftsbanken verkauft zu haben. Die vier Banken gingen nach hohen Verlusten mit den Papieren allesamt bankrott und mussten von der Aufsichtsbehörde abgewickelt werden. Die NCUA hatte JP Morgan bereits im Juni 2011 auf 1,4 Milliarden Dollar verklagt. Über die Zulassung der Klage wurde bislang noch nicht entschieden. Bisher konnte die NCUA von der Deutschen Bank, HSBC und der Citibank Schadenersatz in Höhe von 170 Millionen Dollar erstreiten. Verfahren gegen Barclays, Credit Suisse, Goldman Sachs, RBS, UBS und Wachovia sind noch offen. Im Oktober 2012 erhob der US-Generalstaatsanwalt Klage gegen JPMorgan Chase. Auch dabei ging es um hypothekenbesicherte Wertpapiere, deren Wert sich während der Finanzkrise nahezu in Luft auflöste. Anleger sollen durch die von Bear Stearns vermittelten Wertpapiere 22,5 Milliarden Dollar verloren haben. Am 19. November 2012 teilte JPMorgan mit, sich mit der US-Börsenaufsicht SEC auf einen Vergleich geeinigt zu haben: Gegen eine Strafzahlung von 297 Millionen Dollar (232 Millionen Euro) zieht die Behörde einen Schlussstrich unter das Verfahren. Quelle: REUTERS
Sal. Oppenheim: Milliardenrisiko für Deutsche BankVor dem Kölner Landgericht begann am 18. Dezember 2012 ein spektakulärer Schadenersatzprozess: Die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz fordert vom Bankhaus Sal. Oppenheim und dem Immobilienunternehmer Josef Esch Schadenersatz für ihr bei der Pleite des Handelskonzerns Arcandor, der einstigen Karstadt-Quelle AG, verlorenes Vermögen. Insgesamt beträgt der Streitwert 1,9 Milliarden Euro. Die Quelle-Erbin war einst eine der vermögendsten Frauen Deutschlands. Schickedanz wirft der Bank und ihrem ehemaligen Vermögensbetreuer Josef Esch und der einst schillernden Privatbank vor, sie falsch beraten und damit Vermögensbetreuungspflichten verletzt zu haben. Gleichzeitig sieht sich die Ex-Milliardärin aber mit Widerklagen der Bank und von Kreditbürgen in Höhe von rund 580 Millionen Euro konfrontiert. Das durch die Fehlspekulationen in Schieflage geratene Bankhaus gehört seit 2010 der Deutschen Bank. Im Februar oder März 2013 muss sich die einstige Führungsriege von Sal. Oppenheim zudem wegen besonders schwerer Untreue vor dem Kölner Landgericht verantworten. Angeklagt sind Christopher Freiherr von Oppenheim, Matthias Graf von Krockow und die Ex-Bank-Manager Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt sowie Josef Esch, der eng mit der Führung von Sal. Oppenheim zusammengearbeitet hatte. Ihnen wird vorgeworfen, der Bank mit Immobiliengeschäften einen zweistelligen Millionenschaden zugefügt zu haben. Die Beschuldigten bestreiten dies. Quelle: pressebild

Mit Eric Sarasin, dem zweiten Mann in der Geschäftsleitung der gleichnamigen Bank, hatte der norddeutsche Unternehmer und Investor zuvor eine enge Freundschaft gepflegt. Auch da ging es schon ums Geld, allerdings soll es da noch von Drittem in die Taschen der beiden geflossen sein, unidirektional.
Konkret: Als Maschmeyer noch seinen umstrittenen Finanzvertrieb AWD besaß, den er kurz vor der Finanzkrise an den Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life verkaufte, soll er sehr eng mit der Basler Bank zusammengearbeitet haben. Seinen eigenen Angaben zufolge hatten seine AWD-Kunden zeitweise mehr als eine Milliarde Euro in Fonds der Sarasin angelegt und in Depots sowie auf Konten von Sarasin liegen. Sarasin vediente also gut an den AWD-Geldern, die dank Maschmeyer reinkamen.
Man lernte sich persönlich kennen, eine enge Freundschaft entstand, „Maschmeyer traf die Sarasin-Spitzenleute in St. Tropez und im Berner Oberland. Mit Eric Sarasin besuchte man die Endspiele der UEFA-Champions-League. Man hatte Spaß, es war schön und unbeschwert“, schreibt das Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ in seiner aktuellen Ausgabe.

Bis dann plötzlich sehr viel Geld von den Taschen des einen Freundes in die des anderen floss. Und -- trotz wütender Forderungen und Proteste des Geldgebers -- nicht wieder zurück.
So wurde aus der Freundschaft ein erbitterter Streit. Inzwischen sind die beiden sogar wieder beim Sie. Man kennt solche Fälle aus dem eigenen Bekanntenkreis, von Ehen, Lotto-Tippgemeinschaften oder Vereinsmitgliedern, Nur, dass es im Falle der beiden Geldmanager um einen Streitwert von 14 Millionen Euro geht.
Und das kam so:
Vor 14 Tagen berichtete der „Stern“, wie Maschmeyer und einige norddeutsche Freunde, darunter der heutige Übungsleiter des HSV, Mirko Slomka, und der Aufsichtsratschef von Schalke 04, Clemens Tönnies, mit von der Schweizer Privatbank vermittelten Luxemburger Fonds Millionen in Steueroasen angelegt hatten ¬-- und nun damit teilweise baden gingen, weil der Gesetzgeber eine wichtige Gesetzeslücke schloss, die die Fondskonstrukte ausgenutzt hatten.
Die von der Schweizer Sarasin vermittelten Fonds der Luxemburger Sheridan sollen so genannte "Cum-Ex-Geschäfte" gemacht haben, zu Lasten des Fiskus. Dabei werden Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividendenanspruch rund um die Dividendenausschüttung hin- und her gehandelt. Damit kann vertuscht werden, an wen die Dividende nach Abzug von Steuern tatsächlich geflossen ist. Die Kunden erhalten aber gleichzeitig Bescheinigungen, mit denen sie bei ihren Finanzämtern Ansprüche auf Steuerrückerstattung geltend machen können, obwohl sie gar keine ausländischen Dividenden erhalten haben, wohlgemerkt, also auch keine Abgeltungs- und Quellensteuern bezahlt haben. Mit „Ausnutzung steuerlicher Ineffizienzen“ wurde der Taschenspielertrick im Fondssprospekt beschönigend umschrieben, eine „Wertschöpfung aus dem Nichts“, nennt das Konzept ein Staatsanwalt.

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