Finanzzentrum: Londons Banker rutschen in die Zweitklassigkeit
Am größten Finanzplatz Europas geht es zur Sache.
Foto: dpaDie Briten sind stolz darauf, dass London mit New York zu den wichtigsten Finanzzentren der Welt zählt und verteidigen dieses Privileg mit harten Bandagen. Soeben haben sie einen wichtigen Etappensieg erzielt: der Europäische Gerichtshof gab einer Klage Großbritanniens statt und entschied, dass Clearing-Häuser zur Abwicklung von Euro-Wertpapiergeschäften physisch nicht der Eurozone ansässig sein müssen, so wie es die Europäische Zentralbank (EZB) gefordert hatte.
"Dies ist ein großer Sieg für Großbritannien", jubelte Finanzminister George Osborne. "Wir haben immer betont, dass für alle EU-Mitglieder im Hinblick auf die Niederlassungsfreiheit gleiche Rechte gelten müssen, ob sie nun in der Euro-Zone sind oder nicht". Osborne hatte die Klage gegen die EZB 2011 angestrengt, weil er fürchtete, ein Abzug der Clearing-Häuser aus London werde dem Finanzplatz schaden.
In anderer Hinsicht aber bot der vergangene Mittwoch wenig Anlass zum Feiern. So wurde klar, dass die britischen Banken künftig nicht länger in der Top-Liga des internationalen Investmentbanking mitspielen werden. Die Rückzugsgefechte hatten sich schon im Verlauf der Bilanzsaison angekündigt, nun sind sie in vollem Gang. So werden bei der Royal Bank of Scotland, einem der großen Verlierer der Finanzkrise, die immer noch zu 80 Prozent im Staatsbesitz ist, rund 14.000 der 18.000 Jobs im Investmentbanking gestrichen - das entspricht der Größe einer Kleinstadt.
Der Stellenabbau betrifft allerdings nicht nur London: in Deutschland wird die RBS ihre Belegschaft wohl um 50 Prozent verringern. RBS-Chef Ross McEwan begründete den Kahlschlag damit, künftig wolle man sich vor allem auf das Firmen- und Privatkundengeschäft in Großbritannien fokussieren.
Dramatische Kehrtwende
Verwunderlich ist das eigentlich nicht, hatte die Bank doch nach ihrer Rettung durch den britischen Steuerzahler im Jahr 2008 viel Kritik geerntet, weil sie ihren Investmentbankern auch danach noch ordentliche Boni ausschüttete - angeblich um im Wettbewerb um Talente bestehen zu können. Tatsache ist jedoch, dass die Investmentbank der RBS nach der noch von McEwans Vorgänger Stephen Hester eingeleiteten ersten Schrumpfkur so geschwächt war, dass sie nicht mehr wettbewerbsfähig war. Und dann stellte sich auch noch heraus, dass die RBS sowohl am Libor-Skandal um manipulierte Referenzzinsen als auch an den umstrittenen Devisenfixings beteiligt war - es regnete saftige Strafen von den einheimischen und internationalen Aufsichtsbehörden. Kein Wunder, dass McEwan jetzt die Reißleine zieht.
Fujitsu
Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu will einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland 400 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Eine endgültige Entscheidung solle nach Verhandlungen mit den Beschäftigten fallen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Insgesamt beschäftigt der Konzern hierzulande 12.000 Menschen. Die Stellenstreichungen beträfen hauptsächlich Entwicklung und Informationstechnik.
Bereits am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, in Großbritannien 1800 Jobs zu streichen. Das entspricht 18 Prozent der Belegschaft dort. Insidern zufolge könnte sich Fujitsu künftig auf IT-Dienstleistungen konzentrieren. Mit dem weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo verhandelt das Unternehmen offenbar über einen Verkauf des PC-Geschäfts von Fujitsu.
Lufthansa Technik
Nach monatelangen Verhandlungen haben sich die Lufthansa Technik, die Gewerkschaft Verdi und der Betriebsrat des Unternehmens auf eine Zukunft für die Triebwerksüberholung am Standort Hamburg verständigt. Danach fallen in den nächsten Jahren 700 von 2000 Arbeitsplätzen in Deutschland in diesem Bereich weg. Auf betriebsbedingte Kündigungen will die Lufthansa Technik verzichten und mit Frühverrentungen, Abfindungen und anderen sozialverträglichen Maßnahmen den Arbeitsplatzabbau über fünf bis sieben Jahre strecken.
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Die gesetzliche Krankenkasse DAK-Gesundheit will 1600 ihrer knapp 11.000 Vollzeitstellen abbauen. Das teilte der Sprecher der Ersatzkasse, Jörg Bodanowitz, mit. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi gab der Kassenvorstand entsprechende Pläne zu Beginn der Tarifverhandlungen bekannt. Die Umstrukturierung einer der größten Krankenkassen in Deutschland sei notwendig, nachdem das Bundesversicherungsamt die DAK zu dem im Vergleich zweithöchsten Zusatzbeitrag gezwungen habe, hieß es bei Verdi. Dadurch habe die Kasse seit Jahresbeginn über 180.000 Mitglieder verloren.
Verdi teilte mit, dass die Gewerkschaft die Tarifverhandlungen nutzen wolle, um möglichst viele Stellen im Unternehmen zu erhalten und, wo das nicht möglich ist, für einen „sozialverträglichen Ab- und Umbau zu sorgen“.
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Der Energieversorger baut weiter Stellen ab: Die Energie Baden-Württemberg werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde. Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung steht demnach Stellenabbau bevor, der noch nicht beziffert wurde. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen.
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Der weltgrößte Chiphersteller hat einen massiven Jobabbau angekündigt. Bis Mitte 2017 will Intel weltweit 12.000 Stellen streichen, wie es am 19. April nach US-Börsenschluss mitteilte. Das entspreche etwa elf Prozent der gesamten Mitarbeiterzahl. Der Konzern begründet den Personal-Kahlschlag mit dem Wandel vom klassischen PC-Ausrüster zum modernen Dienstleister im mobilen und Cloud-Geschäft, bei dem Daten ins Internet ausgelagert werden.
Foto: REUTERSNokia
Der finnische Telekomausrüster Nokia streicht nach der Fusion mit dem Rivalen Alcatel-Lucent in Deutschland massiv Jobs. Die Zahl der Stellen in Deutschland solle bis 2018 um 1400 sinken, sagte eine Nokia-Sprecherin am 6. April. Derzeit beschäftigt die deutsche Tochter 4800 Menschen. Größte Standorte seien München, Stuttgart und Ulm. Ob es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen werde, sei derzeit nicht klar. Der ehemals weltgrößte Handy-Hersteller hatte den Konkurrenten Alcatel-Lucent für 16 Milliarden Euro geschluckt. Abgeschlossen ist der Deal seit Anfang des Jahres.
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Der IT-Konzern IBM plant in Deutschland offenbar einen massiven Stellenabbau. Laut der Gewerkschaft Verdi hat der Konzern am 30. März über die geplante Kürzung von fast 1000 Stellen bis März 2017 informiert. Das teilte Verdi in einem Newsletter mit. Betroffen sind vor allem Service-Bereiche. Der Konzern habe die Arbeitnehmervertreter zu Verhandlungen für Sozialplan und Interessensausgleich aufgefordert. In Hannover solle ein Bereich mit etwa 200 Mitarbeitern stillgelegt werden, sagte ein Verdi-Vertreter. Der Standort Hannover bleibt aber grundsätzlich erhalten.
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Der US-Flugzeugbauer will in den nächsten Monaten rund 4000 Arbeitsplätze abbauen. Betroffen sei die Sparte Verkehrsflugzeuge, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Um Kosten zu sparen, würden auch Hunderte Stellen bei Führungskräften und Managern gestrichen. Insgesamt fallen damit bis Mitte des Jahres 2,5 Prozent der zuletzt rund 160.000 Jobs bei Boeing weg.
Im Februar hatte der Chef von Boeings ziviler Flugzeugsparte, Ray Conner, bereits angekündigt, dass ein Personalabbau notwendig sei, um "Wachstum zu finanzieren und ein gesundes Geschäft zu führen".
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RWE-Personalvorstand Uwe Tigges stellt die rund 60.000 Beschäftigten des Essener Energiekonzerns auf weiteren Stellenabbau ein. "Unsere bisherigen mittelfristigen Planungen sehen bis Ende 2018 einen Abbau um etwa 2000 Arbeitsplätze vor, unter anderem auch durch natürliche Fluktuation", sagte Tigges der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ, Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Innerhalb der vergangenen drei Jahre hat RWE bereits rund 10.000 Arbeitsplätze verloren. "Bisher ist es uns gelungen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Und wir tun alles dafür, dass es auch weiterhin so bleibt", sagte Tigges.
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Der Getränkehersteller Coca-Cola schließt im Sommer mehrere Standorte in Deutschland. Davon seien bundesweit rund 550 Mitarbeiter betroffen, etwa 320 allein in Bremen, sagte ein Sprecher von Coca-Cola Deutschland am 1. März. Das Unternehmen begründete den Schritt mit einer „Straffung des Produktionsnetzwerkes“, mit der man auf geänderte Bedingungen am Markt für Erfrischungsgetränke reagiere. Auch knapp ein halbes Dutzend kleinerer Standorte unter anderem in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern werde nicht weiter betrieben. Zugleich seien zentrale „Versorgungspunkte“ geplant, etwa im Großraum Bremen und bei Magdeburg.
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Durch den geplanten Zusammenschluss der genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ werden Hunderte Arbeitsplätze wegfallen. "Im Zuge der Bündelung und Vereinheitlichung von Strukturen, Prozessen und Infrastruktur gehen wir aktuell davon aus, dass voraussichtlich 700 Stellen für Vollzeitkräfte bis 2019 entfallen werden", heißt es in einem Schreiben an die Mitarbeiter beider Institute, das der Nachrichtenagentur Reuters am 16. Februar vorlag.
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Die Deutschland-Tochter der schwedischen Bank SEB will zehn Prozent ihrer 700 Stellen streichen. „Wir haben entschieden, unsere Standorte in Hamburg und Düsseldorf zu schließen und unsere Kompetenzen in der Zentrale in Frankfurt zu bündeln“, sagte ein Sprecher des Instituts Anfang Februar. Umgesetzt sein sollen die Maßnahmen bis zur Mitte dieses Jahres. Betriebsbedingte Kündigungen will die SEB dabei vermeiden.
Neben Frankfurt soll ein kleiner Standort in München erhalten bleiben, von wo aus die SEB Mittelstandskunden in Bayern und Baden-Württemberg bedient. Die SEB macht in Deutschland nur noch Geschäfte mit Firmenkunden und institutionellen Kunden. Das Privatkundengeschäft der deutschen Tochter hatten die Schweden 2011 an die spanische Banco Santander verkauft.
Foto: dpaGeneral Electric
Der US-Konzern General Electric (GE) will nach der Übernahme der Energiesparte des französischen Konzerns Alstom in Europa 6500 Stellen streichen. Das bestätigte ein GE-Sprecher am 13. Januar der Deutschen Presse-Agentur in Paris. In Deutschland sind nach Angaben des Unternehmens bis zu 1700 Arbeitsplätze in Mannheim, Stuttgart, Bexbach und Wiesbaden betroffen. Für Frankreich nannte GE die Zahl von 765 Jobs. Das Unternehmen hat in Europa derzeit rund 35.000 Mitarbeiter.
Foto: dpaCarlsberg
Carlsberg hat sich nach einer milliardenschweren Abschreibung ein umfangreiches Sparprogramm verordnet. Rund vier Prozent der Belegschaft sollen abgebaut werden, wie am 8. Januar 2016 bekannt wurde. Vor allem wegen des schleppenden Geschäfts in Russland schrieb der Konzern im dritten Quartal 7,7 Milliarden Dänische Kronen (1 Milliarden Euro) ab und rutschte damit tief in die roten Zahlen. Um profitabler zu werden, sollen nun 2000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Damit sollen unter anderem ab 2018 jährlich bis zu zwei Milliarden Kronen eingespart werden. Im Gegenzug fallen für die Maßnahmen Kosten in Höhe von insgesamt 10 Milliarden Kronen in den Jahren 2015 bis 2017 an, davon 8,5 Milliarden alleine im laufenden Jahr.
Royal Dutch Shell
Wegen des Ölpreisverfalls will Shell seinen Sparkurs nach der Milliarden-Übernahme des britischen Rivalen BG verschärfen. Die Investitionspläne des fusionierten Konzerns würden im nächsten Jahr um zwei Milliarden auf 33 Milliarden Dollar gekürzt, teilte der britisch-niederländische Ölmulti am 22. Dezember 2015 mit. Das seien 30 Prozent weniger als 2014. Damit wolle sich der Konzern stärker gegen den Abschwung der Branche stemmen, nachdem der Ölpreis zuletzt auf den tiefsten Stand seit mehr als elf Jahren gefallen war.
Shell hatte bereits angekündigt, den Stellenabbau nach der Fusion mit BG zu forcieren und weitere 2800 Jobs zu streichen - das sind drei Prozent der rund 100.000 Arbeitsplätze des neuen Unternehmens. Am 15. Februar will Shell die Übernahme vollziehen, mit der das Unternehmen zum weltweit führenden Anbieter von Flüssiggas aufsteigen will. Es ist die erste Großfusion in der Branche seit der Jahrtausendwende, als sich die Energie-Konzerne wegen sinkender Preise in ähnlichen Schwierigkeiten befanden. Die Wettbewerbsbehörden haben bereits zugestimmt.
Foto: REUTERSToshiba
Der von einem Bilanzskandal erschütterte Elektronikkonzern streicht angesichts eines anstehenden Rekordverlusts weitere knapp 7000 Arbeitsplätze. Allein im Fernsehgeschäft fielen mit 3700 Stellen rund 80 Prozent der bisherigen Jobs weg, kündigte der japanische Konzern am 21. Dezember an. In der PC-Sparte werden 1300 Stellen gekürzt. Der Konzern will sich künftig stärker auf Chip-Produktion und Kernenergie ausrichten. Zusammen mit bereits angekündigten Maßnahmen kappt Toshiba nun insgesamt rund 10.000 seiner noch knapp 200.000 Arbeitsplätze. Auch wegen der Kosten für den Umbau wird im laufenden Geschäftsjahr (per Ende März) ein Verlust von umgerechnet knapp 4,2 Milliarden Euro erwartet.
Rabobank
Die niederländische Rabobank streicht fast jeden fünften ihrer Arbeitsplätze. Bis Ende 2016 sollen bereits 3000 Stellen wegfallen, teilte das Institut am 10. Dezember mit. Bis August hatte die Rabobank weltweit 47.000 Mitarbeiter, 35.000 davon in den Niederlanden. Wegen einer Verschärfung der Eigenkapitalregeln soll zudem die Bilanz bis 2020 um bis zu 150 Milliarden Euro eingedampft werden.
Das genossenschaftliche Institut kommt zurzeit auf eine Bilanzsumme von 680 Milliarden Euro. Die Ausgestaltung von Basel IV ist noch offen. Es wird aber erwartet, dass die Regulierer darin etwa Hypothekenkredite deutlich stärker mit Eigenkapital unterlegt haben wollen, die bisher als risikoarm gelten. Größte Konkurrenten der Rabobank sind ING und die kürzlich an die Börse zurückgekehrte ABN Amro. Sie war in der Finanzkrise verstaatlicht worden.
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Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Drägerwerk will im Zuge seines verschärften Sparkurses Arbeitsstellen streichen. Bis Ende 2016 sollen in Lübeck etwa 200 Stellen abgebaut werden, teilte die Gesellschaft am Montag in Lübeck mit. Ausgenommen sind die direkte Produktion und die Logistik. Ende September beschäftigte das Unternehmen rund 5000 Mitarbeiter am Standort Lübeck. Der Stellenabbau soll mit den Arbeitnehmergremien und der IG Metall abgestimmt werden und möglichst sozialverträglich erfolgen. Die IG Metall und der Dräger-Betriebsrat übten scharfe Kritik am geplanten Stellenabbau. Das Unternehmen hatte im Oktober seine Gewinnprognose bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr kappen müssen. Vor allem schleppende Geschäfte in China und Brasilien machen dem Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller zu schaffen. Aber auch in den USA läuft es nicht wie geplant.
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Gleichzeitig kündigt sich nun aber auch bei der Barclays Bank eine dramatische Kehrtwende an - einer Bank immerhin, die die Finanzkrise ohne Staatshilfe überstanden und sich 2008 in den USA die Filetstücke des kollabierten Rivalen Lehman Brothers gesichert hatte. Unter ihrem früheren Chef Bob Diamond - der schließlich im Sommer 2012 über seine Arroganz und die Verwicklung der Bank in den Libor-Skandal stolperte - hatte die Barclays Bank gehofft, in den Bereich der Top-Spieler im Investmentbanking vorzustoßen und zum ernsthaften Konkurrenten von Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley aufzusteigen. Mit der Deutschen Bank gehörte die Barclays Bank damals zu den wenigen ernstzunehmenden europäischen Häusern in diesem Bereich.
Die spanische Großbank Santander eröffnet das Ranking der wertvollsten Bankenmarken der Welt. Die Auswertung für das vergangene Jahr lieferte das Magazin „The Banker“. Bei der Bewertung der Marke spiele besonders der Geschäftsausblick (Gewinnprognose) und die Wahrnehmung von Risiken eine entscheidende Rolle. Viele Institute arbeiten an ihrem Markenwert, der sich nicht nur in Kundenvertrauen widerspiegelt, sondern auch in Eigenständigkeit und Innovation. Sprich: Eine starke Marke fällt im Wettbewerb auf. Die Spanier kommen auf einen Markenwert von 18,7 Milliarden US-Dollar, sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Das Markenrating ist AAA-.
Foto: ReutersDie Bank of China zählt zu den vier riesigen Staatsbanken der Volksrepublik. Ihr Umsatz liegt bei über 300 Milliarden Yuan im Jahr. Das entspricht grob 40 Milliarden Euro. Im Boomland China haben die regulierten Institute reichlich zu tun. Die Bank of China wird zudem vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant überwacht und muss strenge Auflagen erfüllen. Der Markenwert beträgt rund 20,4 Milliarden Dollar, 22 Prozent mehr als zuletzt.
Foto: WirtschaftsWocheDie teilverstaatlichte chinesische Bank ist eine der größten ihrer Art. Die ABC hat schätzungsweise 320 Millionen Privatkunden und etwa 2,7 Millionen Geschäftskunden. Fast eine halbe Million Menschen arbeitet in knapp 24.000 Filialen. 2010 sammelte die Bank mit ihrem Börsengang 22,1 Milliarden Dollar ein. Ihr Markenwert beträgt 22,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 28 Prozent.
Foto: REUTERSFirst, we take Manhattan: JP Morgan Chase sitzt in New York und ist nach Marktkapitalisierung die größte Bank der USA und nach Eigenkapital das zweitgrößte Finanzinstitut der Welt. Den Markenwert können da auch die hohen Handelsverluste – also Fehlspekulationen – aus dem Jahr 2012 nicht nachhaltig schmälern. Die Marke Chase ist rund 24,8 Milliarden Dollar schwer. Der Zuwachs beträgt sieben Prozent.
Foto: DAPD25,7 Milliarden Dollar beträgt der Markenwert der Bank of America – noch, muss man sagen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von vier Prozent. Das Fachmagazin „The Banker“, was die BoA 2008 noch als wertvollste Bankmarke führte, bescheinigt dem Finanzriesen, nach Eigenkapital das größte Institut seiner Art zu sein. Auch die Bank of America darf sich über das Prädikat „systemrelevant“ freuen – das stärkt natürlich das Markenvertrauen.
Foto: WirtschaftsWocheWie die BoA gehört auch die Citigroup zu den „Big Four“ der US-Banken. Zuletzt lag die Bilanzsumme des Riesen bei 1,88 Billionen Dollar, der Umsatz 76,4 Milliarden. Sie ahnen es – systemrelevant, streng kontrolliert. Der Markenwert beträgt 26,2 Milliarden Dollar, was einem Plus von sieben Prozent entspricht.
Foto: DAPDChina wächst buchstäblich in den Himmel. In den zahlreichen Millionenmetropolen kommen mit dem Industrie-Boom auch die Wolkenkratzer. Der Bauwirtschaft kommt das gelegen – und damit der China Construction Bank, die rund 27 Prozent aller Baukredite im Reich der Mitte vergibt. Der Markenwert liegt bei 26,4 Milliarden Dollar. Das sind stolze 39 Prozent mehr als im Vorjahr.
Foto: REUTERSNicht letzter Mohikaner, aber letzter Europäer: Bei den Schwergewichten dieser Welt kann im Bankensektor nur die britische HSBC mit der Konkurrenz außerhalb Europas mithalten. Nach Gesamtvermögen sind die Londoner im globalen Vergleich die Nummer zwei. Der Markenwert hat sich um zwei Prozent auf 27,3 Milliarden Euro gesteigert.
Foto: WirtschaftsWocheDer zweite Platz im Markenranking geht an die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC). So viel sei verraten: Es ist die letzte vertretene chinesische Großbank. Der Börsenwert beträgt 225 Milliarden Dollar, damit ist die ICBC die Nummer zwei der Welt – Grundlage für Vertrauen und solides Arbeiten. 27,5 Milliarden Dollar ist die Marke wert, 20 Prozent mehr als im Vorjahr.
Foto: REUTERSWas im Wilden Westen als Postkutschenservice begann, ist heute nach Marktkapitalisierung die größte Bank der Welt. Und nicht nur das: Wells Fargo ist der Erhebung durch „The Banker“ die wertvollste Bankenmarke überhaupt. Das gelingt dem US-Riesen das zweite Mal in Folge. 34,9 Milliarden Dollar sind mit Abstand der höchste Wert im Ranking. Und bedeutet ein Plus von 15 Prozent.
Foto: WirtschaftsWocheDoch auch dieser Traum ist nun endgültig geplatzt. Bei der Vorlage der Bilanz am Dienstag sprach Diamonds Nachfolger Antony Jenkins Klartext: "Mir geht langsam die Geduld aus", erklärte er, nachdem er allein für drohende Strafen wegen Manipulationen im Währungsmarkt eine Aufstockung der Rückstellungen auf insgesamt 1,2 Milliarden Pfund (1,7 Milliarden Euro) bekanntgeben musste. Durch diese und weitere Sonderbelastungen rutschte Barclays 2014 ins Minus und wies einen Nettoverlust von 174 Millionen Pfund aus.
Der Gewinn bei der Investmentbank fiel um 32 Prozent und die Eigenkapitalrendite der Sparte sank auf nur noch 2,7 Prozent - und war damit weit entfernt von den zwölf Prozent, die Jenkins vorgegeben hatte. Bereits im Mai vergangenen Jahres hatte der Barclays-Chef angekündigt, die Investmentbank-Tochter werde schrumpfen, mehrere tausend Mitarbeiter mussten bereits gehen. Insgesamt sollen 7000 Jobs gestrichen werden. Nun ist klar: Barclays hat seine globalen Ambitionen begraben und konzentriert sich neben dem Heimatmarkt Großbritannien lediglich auf die USA.
Dahinter steckt die Erkenntnis, dass die Renditen im Investmentbanking nie mehr so hoch sein dürften wie vor der Krise. Denn die Verschärfung der Regulierung, die bedeutet, dass bestimmte riskante Handelsaktivitäten mit mehr Eigenkapital unterlegt werden müssen, hat diese Geschäfte erheblich verteuert. Außerdem schaden die weltweit niedrigen Zinsen dem Anleihehandel, der einst ein wichtiger Gewinnbringer der Investmentbanken war. Das alles beeinträchtigt die Renditechancen. Dennoch setzen die US-Banken und die Deutsche Bank anders als ihre britischen Rivalen weiterhin aufs Investmentbanking und hoffen außerdem darauf, dass der Konsolidierungsprozess ihnen neue Geschäfte bescheren wird.
Pyrrhus-Sieg
Die beiden anderen britischen Großbanken, Lloyds Bank und HSBC, hatten schon immer weniger Ambitionen im Investmentbanking, weil sie sich vor allem auf das Firmen- und Privatkundengeschäft konzentrierten. Deshalb ist die Kehrtwende von Barclays und RBS bedeutsam für die Kunden und für den Finanzplatz London, dessen Aufstieg nach dem Big Bang - der großen Deregulierung des Bankenwesens im Jahr 1986 - unaufhaltsam schien.
An der Themse werden künftig, wie beim Tennisturnier von Wimbledon, vor allem die großen ausländischen Player punkten können. Das gilt in erster Linie für die Wall-Street-Häuser wie Goldman Sachs, JPMorgan, Morgan Stanley und BoA Merrill Lynch, aber auch für die Deutsche Bank. Für die Kunden der Investmentbanken bedeutet eine Reduktion des Wettbewerbs, so wie er sich jetzt abzeichnet, allerdings höhere Preise für Finanz- und Kapitalmarktdienstleistungen.
Einige ausländische Geldhäuser drohten allerdings bereits damit, sie könnten ihre Aktivitäten in Großbritannien verringern, falls die Briten sich 2017 in einem Referendum zum Ausstieg aus der EU entschließen sollten. Sicher ist es zwar nicht, dass die Volksabstimmung überhaupt stattfinden wird, denn das wird davon abhängen, ob die Konservativen bei den Wahlen im Mai gewinnen. In diesem Fall könnte sich der Triumph, den die britische Regierung gegen die EZB erzielte, jedoch als Pyrrhus-Sieg erweisen, wenn die Briten die EU in ein paar Jahren tatsächlich verlassen sollten.