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Fintechs Deutsche Banken auf dünnem Eis

Start-ups und Fintechs bringen die etablierten Banken dazu, Geschäftsmodelle zu hinterfragen und zu ändern. Zwar werden Banken auch in zehn Jahren noch Mittelständlern Geld leihen, allerdings ganz anders als heute.

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Regional- und Großbanken bekommen Konkurrenz von FinTechs. Quelle: dpa

Der Finanzmarkt ist in Bewegung: Getrieben durch die europäische Null-Zins-Politik und verstärkte Regulierungen nach der Finanzkrise 2008, sind die deutschen Dinosaurier der Finanzwelt zum Umdenken gezwungen.

Zudem bekommen Regional- und Großbanken zwischen Hamburg und München Druck von unten. FinTechs drängen auf den Markt. Sie haben vor allem Privatkunden im Visier und bieten gut verständliche Apps, um Bankgeschäfte bequem und günstig abzuwickeln. Weltsparen etwa vermittelt Festgeldanlagen im europäischen Ausland.

Die Hamburger Kreditech verleiht Geld vom 50-Euro-Kredit für drei Tage bis zum 50.000-Euro-Darlehen für drei Jahre. App statt Bank auch bei Auslandtransfers: Das Londoner Start-up Transferwise sieht sich als Alternative zu deutschen Banken, weil sie einen besseren Service bieten und weniger Gebühren verlangen. Plattformen wie Auxmoney, Bondora oder Lendico bringen Kreditnehmer mit Privatleuten zusammen, die Geld verleihen wollen. 

Dirk Oliver Haller ist Vorstand der Deutschen Finetrading AG, zu der das Fintech

Einer neuen Studie zufolge könnte das Geschäftsvolumen in Europa auf bald mehr als sieben Milliarden Euro anwachsen. Für die USA prognostizieren die Berater von PwC bis in einer Dekade sogar einen 150 Milliarden Dollar schweren Markt.

Entwickelt sich dieses „Crowdlending“ hierzulande ebenso rasant, werden Volksbanken und Sparkassen bald weniger Kredite abzeichnen. Denn all diese jungen Plattformen und Geldhäuser wollen den deutschen Mittelstand als Kunden. Der wiederum hat die Auswahl an Anbietern die vermeintlich schneller, pfiffiger und internationaler agieren.

FinTech-Umfrage

Und es wird noch härter: Die deutschen Banken haben im internationalen Wettbewerb den Anschluss verloren. Unter den zehn wertvollsten Banken der Welt befinden sich fast ausschließlich amerikanische und chinesische Gesellschaften. Auf Platz 20 rangiert das wertvollste Institut der Euro-Zone. Die wertvollste deutsche Bank findet sich nach Platz 100. Das ist nicht gleichgültig, wenn die Industrie bei großen Finanzierungen und Transaktionen auf ausländische Banken angewiesen ist. Umso mehr, weil Kreditentscheidungen in kritischen Fällen noch nie frei von politischen Einflüssen gewesen sind.

Ohne Banken geht es nicht

Dennoch gibt es Grund zu vorsichtigen Optimismus: Die Bankern haben die Situation erkannt. Etliche hinterfragen ihre bisherigen Modelle. Suchen Kontakt zu alternativen Anbietern, um ihr Portfolio abzurunden. Oder programmieren Apps und schulen den Vertrieb, um in Sachen sozialen Medien aufzuholen.

Fintech-Revolutionäre

Laut etlicher Umfragen und Studien sind die Pfunde, mit dem Sie wuchern sollten, Sicherheit und Vertrauen. Natürlich nutzen gerade junge Leute ausgiebig Online-Kanäle. Aber die klassische Bankverbindung und die Sicherheit, die damit verbunden ist, haben immer noch oberste Priorität. 

Dennoch müssen sich Banken schneller den Bedürfnissen der Kunden annehmen. Darlehen von Instituten machen nur noch 23 Prozent des Fremdkapitals von Unternehmen aus – vor zehn Jahren waren es noch 30 Prozent. Dünner sollte das Eis nicht werden.

 

 

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