Frust in Frankfurt Commerzbank muss schmerzhafte Entscheidungen durchdrücken

Commerzbank-Chefaufseher Müller stärkt seinem CEO Martin Blessing den Rücken. Beide wollen auf der heutigen Hauptversammlung Entscheidungen durchsetzen, die den Trotz der Aktionäre provozieren.

Commerzbank Quelle: dpa

In der Frankfurter Messehalle tritt die Commerzbank-Führung vor eine Schar frustrierter Aktionäre. Die sind Kummer gewohnt, werden ihrem Unmut aber trotzdem Luft machen. Das passiert regelmäßig bei Hauptversammlungen von Deutschlands zweitgrößter Bank. Auch heute stehen Entscheidungen auf der Tagesordnung, die den Trotz der Aktionäre provozieren. 

Bankchef Blessing will das Kapital der Commerzbank um 2,5 Milliarden Euro erhöhen, was den Anteil der Altaktionäre extrem verwässern wird. Angesichts des Tiefststands der Aktie werfen Analysten der Bankführung schlechtes Timing vor. „Viele Aktionäre verstehen nicht, warum Sie mit der Kapitalerhöhung gerade jetzt kommen“, sagt der Frankfurter Anlegerschutzanwalt Klaus Nieding in einem von der Commerzbank veröffentlichtem Gespräch mit Vorstandschef Martin Blessing. 

Die wichtigsten Sparten der Commerzbank

Der wirbt für diesen Schritt mit dem Argument, aus dem staatlichen Hilfsprogramm aussteigen zu können, das die Commerzbank seit der Finanzkrise 2008 in Anspruch nimmt. „Wir wollen das vom Steuerzahler bereitgestellte Eigenkapital durch privates ersetzen“, sagt Blessing. Zudem soll die Kapitalerhöhung das Haftungspolster der Bank stärken, die unter einem ertragsschwachen Filialgeschäft leidet und notleidende Schiffs-, Staats- und Immobilienfinanzierungen loswerden muss. 

Die frustrierten privaten Anleger und Investoren werden die für sie schmerzhafte Kapitalerhöhung wohl nicht verhindern können. Die Großaktionäre – also der staatliche Bankenrettungsfonds sowie der Versicherungsriese Allianz – dürften den Plan durchwinken, weil sie dadurch ihre stillen Einlagen vollständig zurückgezahlt bekommen. Der endgültige Ausstieg aus der Staatshilfe ist damit allerdings noch nicht geschafft, denn der Aktienanteil des Rettungsfonds wird zwar unter 25 Prozent schrumpfen aber immer noch rund ein Fünftel des Kapitals betragen. Ein Verkauf des öffentlichen Anteilspakets wäre angesichts des implodierten Aktienkurses aktuell nur unter großen Verlusten möglich.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, der nach Jahrzehnten im Dienst der Commerzbank für eine weitere Amtszeit gewählt werden soll, stärkt seinem CEO Blessing den Rücken. „Die Commerzbank hat ihr operatives Ergebnis im Geschäftsjahr 2012 deutlich gesteigert und Risiken weiter reduziert“, sagt Müller. 

Trotz des Lobes ist fraglich, wie lange der Chefkontrolleur noch zu Blessing hält. Der kann zwar mit der Rückzahlung der restlichen stillen Einlagen des Steuerzahlers ein wichtiges Ziel erreichen, für das er jetzt die Weichen stellt. Doch die Entwicklung des Geschäfts der Commerzbank lässt zu wünschen übrig. 

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

So leidet das Geldinstitut derzeit vor allem unter dem niedrigen Zinsniveau, was die Erträge an der Filialfront schrumpfen lässt. Kontern will die Bank mit Rationalisierungen und Stellenstreichungen. Schafft das Commerzbank-Management es nicht, das Ruder herum zu reißen, dürfte sich der Aufsichtsrat bald nach einem neuen Vorstandschef umsehen. Es wäre eine höchst ironische Entwicklung, wenn Müller seinen Vorstandschef Blessing bei der Commerzbank überleben sollte. Denn der Aufsichtsratschef hat zu seiner Zeit an der Vorstandsspitze des Instituts mit dem Kauf der Eurohypo und der Übernahme der Dresdner Bank Entscheidungen gefällt, die für die heutige Schieflage der Commerzbank verantwortlich sind.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%