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Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank Die Selbstaufgabe der Commerzbank

Commerzbank Fusion Deutsche Bank Quelle: AP

Nach langem Vorlauf steigen Deutsche Bank und Commerzbank offiziell in Fusionsgespräche ein. Für das kleinere Institut dürfte das der Anfang vom Ende der Unabhängigkeit sein.

Erste Gerüchte hatte es bereits im vergangenen Sommer gegeben. Seit diesem Sonntag ist die Zeit der Spekulationen vorbei: Deutsche Bank und Commerzbank reden ganz offiziell über eine gemeinsame Zukunft. Am Ende der Gespräche könnte von zwei verbliebenen Frankfurter Großbanken in privater Hand nur eine übrig bleiben.

Dabei spricht eigentlich viel dagegen: Selten hat es solange gedauert, bis erste Gedankenspiele zu konkreten Gesprächen führten. Und selten wurden in dieser Zeit von verschiedensten Seiten so viele überzeugende Argumente dafür gesammelt, warum der Zusammenschluss zumindest aktuell besser unterbliebe.

Tatsächlich gibt es kaum einen unmittelbar beteiligten oder beobachtenden Marktteilnehmer, der die Fusion für eine uneingeschränkt gute Idee hält. Bankenaufseher, Großaktionäre oder Manager der beiden Banken und selbst der Konkurrenz halten ganz überwiegend wenig bis gar nichts von der Fusion. Die Arbeitnehmer sind aus nachvollziehbaren Gründen sowieso dagegen. Schließlich dürfte der Zusammenschluss mindestens 20.000 Stellen kosten.

Eine kleine Gruppe von Akteuren hat das Geschehen trotzdem so weit in die gewünschte Richtung gelenkt, dass die keineswegs restlos von dem Vorhaben überzeugten Vorstände der Banken nun offiziell Gespräche führen. Die offensichtlich ausgeprägte Entschlossenheit spricht eindeutig gegen eine Umkehr. Dabei geht es den Treibern mindestens so sehr um sich selbst wie um die Sache an sich.

Allen voran Finanzminister Olaf Scholz und sein von Goldman Sachs abgeworbener Staatssekretär Jörg Kukies haben den Zusammenschluss in den vergangenen Monaten tatkräftig befördert. Dabei mag es ihnen auch um die Stabilität des deutschen Kreditwesens und die Geldversorgung der Unternehmen gehen. Scholz ist es aber ebenso wichtig, sich als Macher und möglicher Kanzlerkandidat zu präsentieren.

Für Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner ist der Deal eine willkommen Gelegenheit, den scheinbar unaufhaltsamen Niedergang der Deutschen Bank während seiner Amtszeit durch ein neues Großereignis weniger nachvollziehbar zu machen.

Und der US-Finanzinvestor Cerberus, der an beiden Banken beteiligt ist, kann sein bisheriges Fehlinvestment eventuell doch noch profitabel gestalten. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. So könnten sich die Banken bei den Verhandlungen zu günstigen Preisen von dann überflüssigen Beteiligungen trennen – auf deren Verwertung ist Cerberus spezialisiert.

Ein ergebnisloser Abbruch der Gespräche ist aber auch deshalb schwer vorstellbar, weil er die ohnehin komplexe Sanierungsarbeit in beiden Banken weiter erschweren würde. Investoren würden noch stärker als bisher daran zweifeln, dass die Institute allein überlebensfähig sind. Das gilt besonders für die Commerzbank. Für sie kommt die Aufnahme der Gespräche einer Selbstaufgabe gleich. Auch wenn ihre Bewertung gegenüber der Deutschen Bank im historischen Vergleich hoch sein mag, ist klar, dass von ihr als kleinerem Partner bei der Fusion wenig übrig bliebe.

Dauerhafte Eigenständigkeit gilt zumindest in Berlin als sehr unwahrscheinliche Option. Die Alternative zum Zusammenschluss mit dem Frankfurter Wettbewerber wäre zumindest auf Dauer die Übernahme durch eine ausländische Bank.

Trotzdem erklären beide Banken, dass die Gespräche ergebnisoffen und rein ökonomischen Überlegungen folgend geführt werden. Alles andere wären auch allzu offensichtlich schlechte Vorzeichen. Das legen zumindest die Fusionen nahe, die bisher schon auf Drängen oder mit Förderung der Regierung in Berlin zustande kamen. Die Commerzbank hatte die Dresdner Bank 2008 auch deshalb übernommen, damit sie nicht in chinesische Hände geriet. Die Deutsche Bank schluckte die Privatbank Sal. Oppenheim und die Postbank mit dem Segen Berlins.

Wirklich erfolgreich waren sie alle nicht. Dass es kaum schlechter werden kann, ist jedoch ein schwaches Argument.

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