WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Geld-Start-Ups Katerstimmung bei den FinTechs

Seite 2/2

Gesetze verhindern Kreditvergabe an Mittelständler

Auxmoney will den Vorwurf nicht gelten lassen und behauptet, gründlicher zu prüfen als Banken, weil es nicht nur Schufa-Daten analysiert, sondern auch das Onlineverhalten der Schuldner. Zudem verweist Auxmoney darauf, dass man bei der Bonitätsprüfung aufgrund verbesserter Algorithmen inzwischen nur noch „mehr als die Hälfte“ der Kreditsuchenden ablehnen müsse. Vor einigen Monaten seien es noch 80 Prozent gewesen.

Hier boomt die Kreditvergabe durch den Schwarm
Dresden Quelle: dpa
Berlin Quelle: dpa
Köln Quelle: dpa
Essen Quelle: dpa
Nürnberg Quelle: dpa Picture-Alliance
Leipzig Quelle: dpa
Hamburg

Andere Schwarmfinanzierer leiden unter dem Gesetz zum Schutz von Kleinanlegern, das die Vergabe von Krediten an finanzstarke Mittelständler verhindert. Betroffen davon sind etwa die FinTechs Zencap und Lendico, die aus der Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet hervorgegangen sind. Zencap etwa, gerade vom Konkurrenten Funding Circle aus London übernommen, will Privatanleger nicht mehr an Krediten für Unternehmen beteiligen, wenn die Kreditsumme über 100 000 Euro liegt. Ab dieser Grenze schreibt das Gesetz ein Vermögensinformationsblatt vor, das Anleger über Risiken informiert. Zencap ist das zu aufwendig.

Erschwerend kommen nationale Besonderheiten hinzu. „Wir wussten, dass die Finanzmarktregeln kompliziert sind“, sagt Zencap-Gründer Christian Grobe. „Dass sie allerdings innerhalb der Europäischen Union so unterschiedlich sind, haben wir nicht gedacht.“

Auch junge FinTechs haben schon Nachahmer

Andere FinTechs darben wegen der vielen Klone, die auch ein Stück vom noch kleinen Geschäftskuchen wollen. Ausgeprägt ist das Phänomen bei den Festgeldportalen. Tamaz Georgadze etwa gründete Ende 2013 ein Unternehmen, das niedrigzinsgeplagten Sparern via Internet höher verzinste Festgelder bei ausländischen Banken vermittelte. WeltSparen mit Sitz im Berliner Winsviertel ist noch keine zwei Jahre aktiv, doch schon gibt es Nachahmer.

Einer sitzt gleich um die Ecke, am Alexanderplatz: Savedo, seit Dezember 2014 im Geschäft, gegründet von Christian Tiessen, wie WeltSparen-Gründer Georgadze ein Exunternehmensberater. Inzwischen haben beide einen dritten Rivalen: Zinspilot in Hamburg. Alle drei Portale buhlen jetzt um Kunden, die auf der Suche nach Festgeldanlagen sind – und liefern sich bei Google Werbeschlachten.

Deutsche sind Onlinemuffel

Den ersten Bedrängten bleibt da nur, sich mit ihren einstigen Gegnern zu arrangieren. „Die FinTech-Branche kämpft gegen Leviathane“, sagt Savedo-Gründer Tiessen über das mächtige Establishment im Geldgeschäft. Die Platzhirsche profitieren vor allem davon, dass die Masse der Kunden in Deutschland nicht so schnell auf die Digitalisierung anspringt. „Es ist nicht immer einfach, die seit Jahrzehnten an ihre Hausbank gewöhnten Sparer aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Viele Deutsche sind Onlinemuffel, es gibt sicher adaptionsfreundlichere Märkte als Deutschland“, meint Tiessen – etwa in Polen oder den Niederlanden.

Eine frisch veröffentlichte Umfrage durch die internationale Unternehmensberatung Prophet bestätigt diese Einschätzung. Danach sind 90 Prozent der 1000 befragten Bundesbürger skeptisch gegenüber alternativen Finanzdienstleistern aus der FinTech-Branche und wollen daher lieber bei ihrer Hausbank bleiben. „Die Kunden möchten ihr Kapital ungern unbekannten Start-ups anvertrauen, von denen sie selten wissen, wer dahintersteckt und ob es sie morgen noch gibt“, sagt Prophet-Partner Felix Stöckle.

Bei Auxmoney in Düsseldorf ist vor allem die Unzufriedenheit der Anleger das Problem. Grund sind neben den Kreditausfällen auch Profibetrüger, die von 2012 bis 2013 in rund 30 Fällen Anlegergelder ergaunert und einen Schaden von 475 000 Euro angerichtet haben.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Auxmoney-Manager Kriependorf betont, dass auch andere Banken betroffen und sämtliche Ausfälle in der Durchschnittsrendite berücksichtigt seien. Er rät Anlegern, ihr Geld zu streuen. „Ab 150 Projekten ist eine Negativrendite nach unseren Berechnungen ausgeschlossen.“

Auxmoney-Kunde Peters kann darüber nur lachen. Er legt sein Geld nun wieder an der Börse an. „Das Versprechen mit der hohen Rendite klang toll“, sagt der 47-Jährige. „Aber mittlerweile sehe ich ja nicht einmal mehr bei allen Projekten, wofür die Kreditnehmer das Geld brauchen.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%