Geld-Start-Ups Katerstimmung bei den FinTechs

Lange kannte die Begeisterung über Start-ups im Geldgewerbe keine Grenzen, die FinTechs mischten die verkrustete Bankenbranche auf. Doch die einstigen Rebellen sind müde geworden – weil ihr Modell nicht ausgereift ist.

Lange waren FinTechs sehr erfolgreich, jetzt machen Betrüger, Nachahmer und die Rechtslage Probleme Quelle: dpa

Kein Geld im Beutel und trotzdem große Sprünge machen? Die Düsseldorfer Internetplattform Auxmoney verspricht ihren Kunden genau das. „Wenn jemand von einer Harley Davidson träumt und einen Kredit braucht, kann es sein, dass ihm die Bank nur einen Roller finanziert“, sagt Geschäftsführer und Mitgründer Philipp Kriependorf. „Bei uns kann er sich seinen Traum erfüllen, weil sein Projekt über den Marktplatz finanziert wird.“ Und auch allen, die Geld übrig haben, stellt der 41-jährige Internetunternehmer Großartiges in Aussicht: durchschnittlich 6,7 Prozent Rendite – ein Traum in Zeiten des Niedrigzinses.

Doch nicht immer geht die Rechnung wie versprochen auf. Marc Peters etwa, Angestellter einer Fluggesellschaft aus der Umgebung von Frankfurt, legte bei Auxmoney über 37.000 Euro an, die die Internetplattform an 350 Kreditnehmer verlieh. Statt fetter Zinsen zeichnet sich bei ihm aber eine negative Rendite ab. 600 Euro sind sicher weg, rund 3000 Euro stehen auf der Kippe.

Auxmoney warnt Nutzer vor dem Risiko des Totalverlusts, wenn Kredite ausfallen. Das Portal bringt nur Anleger und Kreditsuchende zusammen, ohne selbst einen Cent zum Kredit beizutragen. Weil Verbraucher zurzeit aber bei Banken und Händlern fast immer großzügige Finanzierungen erhalten, landen bei Auxmoney viele Kunden, die anderswo abgeblitzt sind. Das stellt das Geschäftsmodell langfristig infrage. Fragen zu Ausfallraten von Krediten beantwortete Auxmoney nicht, verweist aber auf die Durchschnittsrendite von 6,7 Prozent und betont, alle Mittel auszuschöpfen, um Kapitalverlust zu minimieren.

Kunden sind oft zuvor bei der Bank abgeblitzt

Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 drängen immer mehr Internetfirmen auf den Markt, die klassischen Banken mit neuen Geschäftsmodellen Konkurrenz machen. Investoren, Nutzer und auch Medien feierten die sogenannten FinTechs als Befreier, mutige Start-ups, die die verkrusteten und teuren Banken aufmischen und ungenutzte Geschäftsmöglichkeiten erschließen.

Sieben Jahre später greift unter den Rebellen jedoch Katerstimmung um sich. Kreditvermittler wie Auxmoney kämpfen mit vielen Inkassofällen, weil sie auch finanzschwache Schuldner anlocken. Zudem erschweren strengere Regeln zum Schutz von Kleinanlegern die Umwandlung von Anlegergeldern in Großkredite. Und überall, wo der Einstieg einfach ist, kupfern Newcomer neue Ideen schamlos ab und stürzen Wettbewerber in ruinöse Konkurrenzkämpfe. Erste Start-ups machen dicht, andere revidieren ihr Geschäftsmodell oder dienen sich den einst verachteten Banken als Kooperationspartner an. Die japanische Internetbank Rakuten hat passend dazu einen Fond von immerhin 100 Millionen Dollar aufgebaut, mit dem Sie in FinTech-Geschäftsmodelle auf der ganzen Welt, unter anderem in Berlin, investieren will.

Die zehn wichtigsten jungen Finanzdienste aus dem Internet

Der Bundesverband deutscher Banken schätzt die Zahl der FinTechs hierzulande auf 200. Diese verteilen sich zu etwa gleichen Teilen auf die Geschäftsfelder Bezahlen, Kredit, Geldanlage und Wertpapierhandel. Damit treten in jedem Segment allein in Deutschland 50 Start-ups gegeneinander an.

Besonders drastisch bekommen die Folgen der massenhaften Konkurrenz jene Portale zu spüren, die der Crowd, also einem Schwarm von Anlegern, anbieten, Geld direkt an Unternehmen oder Privatleute zu geben. Schwarmfinanzierungs-Pionier Smava etwa, der 2007 die Idee aus den USA nach Deutschland brachte, hat sich aus dem Geschäft zurückgezogen und vermittelt nun hauptsächlich Bankkredite an Privatkunden. Das Start-up hatte Anlegern, anders als Auxmoney, den Schaden ersetzt, wenn Kreditnehmer das Geld nicht zurückbezahlten. Laut Brancheninsidern hat die laxe Auswahl der Schuldner Smava letztlich zermürbt. „Das ist falsch“, sagt Gründer Alexander Artopé. Smava erstatte keinen Schaden, wenn Kreditnehmer nicht zurückzahlten, es gebe allerdings eine gemeinschaftliche Absicherung für jedes Investment. „Smava ist nicht zermürbt“, so Artopé weiter, die Risikoquoten hätten sich nicht verschlechtert. Seit 2011 habe das Unternehmen sein Geschäft jährlich verdoppelt. Zwar spielten Privatkredite keine zentrale Rolle mehr, was aber aber an der breiteren Auswahl an Kreditprodukten liege.

Die Probleme der FinTech-Branche

„Bei vielen FinTechs ist die Bonitätsprüfung nicht ausgereift, die jungen Unternehmer nehmen das oft auf die leichte Schulter“, sagt Ralf Frank, Generalsekretär beim Kapitalmarktverband DVFA in Frankfurt. Gerade für Auxmoney sind Prüfungen über die Zahlungsfähigkeit der Kreditkunden wichtig. „Auxmoney operiert in einem Randbereich des Kreditmarkts, wo es Kunden mit geringer Bonität anspricht“, meint Christian Nagel vom Investor Earlybird, der in Smava investiert hat.

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