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Geldanlage Privatbank Metzler: Deutsche überschätzen Aktien-Risiken

Exklusiv

Die Gesellschafter der Privatbank Metzler glauben an den Euro und unterbewertete Aktien und begrüßen die neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken.

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Von Metzler, Müller Quelle: LAIF/Tim Wegner

WirtschaftsWoche: Herr von Metzler, Herr Müller, die Euro-Krise ist nicht ausgestanden, Anleger fürchten um ihr Vermögen. Was rät eine Bank Kunden in dieser Situation?

Metzler: Wir können nicht immer wissen, wann und wo Krisen auftreten, aber wir wissen, dass es sie gibt. Anleger müssen handlungsfähig bleiben. Liquidität ist ein hohes Gut und keine Selbstverständlichkeit. Risikolose Anlagen sind eine Illusion. Europäische Staatsanleihen galten bis vor Kurzem als absolut sicher. Dabei konnten Anleger immer wieder mit Staatspapieren ihr Vermögen verlieren.

Müller: Um Vermögen über Generationen zu erhalten, müssen Anleger vor allem auf Inflation und Deflation achten. Derzeit sind beide Gefahren real. Kreditverknappung kann zur Deflation führen, die stetig erhöhte Geldmenge zur Inflation. Um auf Letztere vorbereitet zu sein, sollten sie stärker in Sachvermögen wie Aktien investieren, die aktuell aus unserer Sicht unterbewertet sind. In einem deflationären Umfeld brauchen sie aber auch Anleihen, auch wenn hier die Realrendite für beste Qualität wie deutsche Staatspapiere negativ ist.

Raten Sie zu Verlusten?

Metzler: Nein, aber sie sollten für etwas mehr Rendite keine Bonitätsrisiken in Kauf nehmen. Die Preise für Risiken spiegeln das tatsächliche Risiko nicht wider.

Sehen Sie Preisblasen?

Müller: Die erkennt man im Zweifel hinterher. Die Bewertungen einiger Staatsanleihen sind hoch und spiegeln die Flucht in vermeintlich sichere Häfen wider. In einigen Lagen sind die Immobilienpreise ambitioniert, auch wenn wir keine allgemeine Preisblase sehen.

Metzler: Deutsche unterschätzen die Risiken von Immobilien und überschätzen die von Aktien.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat 1000 Milliarden in die Märkte geflutet, doch die Krise flammt wieder auf. Sind die Probleme lösbar?

Müller: Die überbordende Verschuldung, die wir über Jahre aufgebaut haben, können wir nur über Jahre abtragen. Ich bin optimistisch, dass die Probleme erkannt sind und angegangen werden.

Metzler: Das schnelle und entschlossene Handeln der EZB war hervorragend und notwendig, um eine weltweite Krise zu vermeiden. Dadurch haben wir Zeit für strukturelle Reformen gewonnen.

Positive Signale

Deutschlands traditionsreichste Privatbanken
Mit ihrem Geld wurden Könige gewählt und Kriege finanziert. Privatbankiers haben zum Teil schon vor 500 Jahren große Vermögen verwaltet. Heute kümmern sich die exklusiven Geldhäuser hauptsächlich um die Gelder von betuchten Privatkunden. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Zahl der unabhängigen Institute in Deutschland von über 1300 auf rund ein Dutzend zurückgegangen. Und mit der Notübernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank verliert das prominenteste und finanzstärkste private Institut in Deutschland seine Unabhängigkeit. Foto: PR
Sal. OppenheimMit 40 000 Talern in bar und 50 000 Talern in Wertpapieren gründete der 17-jährige Salomon Oppenheim Jr. im Jahr 1789 ein Kommissions- und Wechselhaus in Bonn. 220 Jahre und zwei Umzüge später sitzt die Privatbank nun in Luxemburg und beschäftigt rund 4300 Mitarbeiter. Mit einer Bilanzsumme von 41,4 Milliarden Euro (Stand November 2009) zählt sie zu den größten unabhängigen Privatbanken Europas. Im Jahr 2008 schrieb die Bank zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg rote Zahlen. Foto: PR
Berenberg-BankUm ihr Vermögen müssen die persönlich haftenden Gesellschafter der Berenberg Bank nicht bangen: Eine Eigenkapitalrendite von 45,3 Prozent und ein Überschuss von 62 Millionen Euro im vergangenen Jahr (2010) dürfte sie ruhig schlafen lassen. Die Berenberg Bank nennt sich selbst die älteste Privatbank Deutschlands. Sie ging aus einem familiengeführten Hamburger Handelshaus hervor, das 1590 gegründet wurde. Sie verfügt über eine Bilanzsumme von 3,2 Milliarden Euro (2010) und verwaltet über 25 Mrd. Euro. Ende 2010 beschäftigte die "Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG" 977 Mitarbeiter an 17 Standorten. Größte Gesellschafter sind die Familie sowie die persönlich haftenden Gesellschafter. Foto: PR
Hauck & Aufhäuser PrivatbankiersKnapp acht Prozent von Hauck & Aufhäuser gehören dem Kuwaitischen Königshaus. Die Gründerfamilie Hauck hält ebenfalls ein Aktienpaket, rund 80 Prozent der Anteile sind im Besitz privater Unternehmerfamilien. Der Bilanzgewinn lag 2010 bei 9,1 Millionen Euro, die Bilanzsumme betrug 3,2 Milliarden Euro. Hauck & Aufhäuser beschäftigt derzeit rund 600 Mitarbeiter. Foto: PR
Bankhaus LampeDas Motto des Bankhaus Lampe lautet "Für Wenige Besonderes leisten". Dem bleibt die Bank auch treu: Wenige, dafür wohlhabende Kunden bilden das Klientel. Gegründet wurde das heute in Bielefeld ansässige Unternehmen 1852 in Minden. Mittlerweile hat das Bankhaus Lampe 580 Mitarbeiter an 12 Standorten, darunter Dresden, Hamburg, Berlin und München. Hatte das Institut 2007 noch 24 Millionen Euro Jahresüberschuss, schrieb es 2008 zwölf Millionen Euro Verluste. Foto: PR
Fürstlich Castell'sche Bank, Credit-Casse AGDie älteste Bank Bayerns wurde 1774 als "Gräflich Castell-Remlingen´sche Landes-Kredit-Casse" gegründet. Nach der Erhebung in den Fürstenstand und der Übernahme einer anderen Castell`schen Bank heißt das Institut heute "Fürstlich Castell´sche Bank, Credit-Casse". Der Hauptsitz ist mittlerweile in Würzburg. Die Bank befindet sich im alleinigen Besitz der Fürstenhäuser Castell-Rüdenhausen und Castell-Castell. Die Bilanzsumme liegt bei 1,1 Milliarden Euro (Stand November 2009). Beschäftigt werden 270 Mitarbeiter in 15 Filialen. Foto: PR
Merkur-BankDie Merkur-Bank engagierte sich in den 90er-Jahren in der Republik Mosambik, was ihrem damaligen Vorsitzenden Siegfried Lingel den Titel Honorarkonsul von Mosambik einbrachte. Gegründet wurde die Bank 1959 von Zanwel Horowicz zusammen mit seiner Frau und seinem Bruder. 1986 stieg dann eine Investorengruppe um Siegfried Lingel ein. Der Bilanzgewinn sank im Jahr 2008 auf 282 000 Euro im Vergleich zu 956 000 Euro in 2007. Foto: PR

Derzeit schwindet aber in vielen Ländern der Rückhalt für Regierungen, die den Sparkurs und die Reformen unterstützen.

Metzler: Es gibt auch positive Signale in Irland, in Italien, in Spanien und selbst in Griechenland. Der Druck der Verhältnisse ändert die Einstellung der Menschen, Fortschritte gibt es aber nur langsam.

Müller: Zur Konsolidierung gibt es keine Alternative. Aber über den richtigen Weg gibt es gesellschaftspolitische Diskussionen. Schließlich ist er mit Belastungen und Schmerzen verbunden. Die Schäden müssen breit verteilt und keine Gruppe ausgenommen werden.

Genau das geschieht. Banken können mithilfe der Steuerzahler agieren wie immer.

Metzler: Dass Institute mit Steuergeldern gerettet werden, hinterlässt leicht ein Gefühl von Ohnmacht und Wut. Auch kaum nachvollziehbare Bonuszahlungen haben Vertrauen zerstört. Es ist aber zu einfach, die Finanzindustrie zum Sündenbock zu machen. Unsere Branche hat aber sicher zu wenig vermittelt, was sie zur Wertschöpfung beiträgt und welchen Sinn viele Produkte haben.

Banken



Mit mehr Regulierung will die Politik das System stabiler machen. Der richtig Weg?

Metzler: Die meisten Regeln sind grundsätzlich gut. Dass Banken mehr Eigenkapital brauchen, bringt mehr Stabilität. Allerdings kann kurzfristiger Populismus viel Schaden anrichten. Ein Beispiel ist die immer noch diskutierte Finanztransaktionssteuer. Sie würde wenig bringen, weil Investoren ihre Geschäfte sofort an andere Standorte verlagern. Unter dem Wegzug leidet dann der deutsche Kapitalmarkt. Das können sich Unternehmen und Anleger kaum wünschen.

Das Vertrauen in Privatbanken hat durch die Beinahepleite von Sal. Oppenheim 2009 gelitten. Wie laufen aktuell Ihre Geschäfte?

Metzler: Wir haben keinen Verlust von Vertrauen gespürt. Im Gegenteil: Wir machen nur Geschäfte, die zu uns passen und die wir verstehen. Unser Ansatz ist für die Kunden transparent, und davon haben wir profitiert.

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