Gerüchte um Übernahme Die Unabhängigkeit der Commerzbank ist bedroht

UBS, BNP Paribas oder Santander: Übernahmegerüchte lassen die Commerzbank-Aktie steigen. Wird Deutschlands zweitgrößte Bank bei einem Konkurrenten integriert oder kann sie ihre Selbständigkeit verteidigen?

Wie gut ist die Nummer zwei der deutschen Bankenwelt?
Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa
 Ein Containerschiff wird im Hamburger Hafen be- und entladen Quelle: dpa
Eine Auszubildende schraubt an einem Motor Quelle: dpa
Das Logo der Dresdner Bank vor dem Gebäude der Commerzbank Quelle: dpa
Anshu Jain, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Quelle: dpa
Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG zu Beginn der Hauptversammlung des Unternehmens Quelle: dpa
Der Kurswert der Commerzbank-Aktie am 9. Januar 2009 Quelle: AP

Die Gerüchte über einen baldigen Ausstieg des deutschen Staates aus der Commerzbank reißen nicht ab. Die von einem möglichen Verkauf des verbliebenen staatlichen Anteils von 17 Prozent an einen strategischen Investor ausgelöste Phantasie sorgt für Kurssprünge der Commerzbank-Aktie. Das Papier stieg um über zwei Prozent auf mehr als acht Euro. Laut eines Medienberichts soll das Bundesfinanzministerium Gespräche mit strategischen Investoren über einen Einstieg bei Deutschlands zweitgrößter Bank führen.

Zu den möglichen Interessenten könnte die Schweizer Bank UBS gehören, bei der der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber den Verwaltungsrat führt. Auch die französische Großbank BNP Paribas wird als potenzieller Investor genannt, ebenso die spanische Bank Santander. Beide sind bereits auf dem deutschen Markt aktiv.

Auch die WirtschaftsWoche hatte im Juli berichtet, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble einen baldigen Ausstieg aus der Commerzbank anpeile und BNP Paribas, Santander sowie die UBS als mögliche Interessenten für das staatliche Aktienpaket genannt. Das Bundesfinanzministerium hatte daraufhin allerdings gesagt, dass keine Gespräche mit möglichen Investoren stattgefunden hätten.

Der Verkauf des staatlichen Anteils wird jedoch kaum möglich sein, wenn die Bank ihre bisherige Struktur behält. Zu Recht weisen Analysten darauf hin, dass die Konkurrenten genug eigene Probleme zu bewältigen haben und daher kaum bereit sein dürften, die Altlasten der Commerzbank mit zu übernehmen. Die Regierung könnte sich daher versucht sehen, dem angeschlagenen Kreditinstitut bei der Abwicklung seiner eingestellten Staats- und Schiffsfinanzierung mit staatlichen Hilfen unter die Arme zu greifen. Dann ließe sich der Aktienanteil des Bankenrettungsfonds Soffin möglicherweise einfacher und ohne größere Verluste privatisieren.

Mit dem amtierenden Bankchef Blessing wäre ein solcher Schritt wohl kaum zu machen, denn er soll gesagt haben, keine Staatshilfe mehr annehmen zu wollen. Wenn Wolfgang Schäubles Bundesfinanzministerium nach den Wahlen tatsächlich flott aus der Commerzbank aussteigen will, wird Blessing wohl keine Zeit mehr haben, das Unternehmen auf einen neuen Kurs zu bringen. Das laufende Geschäftsjahr hat er zu einem Übergangsjahr erklärt, und es ist zu bezweifeln, dass sich die Zahlen 2014 so deutlich verbessern, dass der Börsenkurs nachhaltig steigt. Die jüngsten Gerüchte sprechen nicht dafür, dass die Regierung noch so lange Geduld hat. Die Selbständigkeit der Commerzbank steht angesichts dieser Optionen auf der Kippe.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Tatsächlich könnte der Verkauf des Anteilspakets an einen strategischen Konkurrenten aus Sicht der Steuerzahler günstiger enden als ein Verkauf am Kapitalmarkt. Würde der Staat seine rund 195 Millionen Commerzbank-Aktien zum Preis von acht Euro an der Börse verkaufen, würde er nur rund 1,5 Milliarden Euro erlösen und damit einen milliardenschweren Verlust verbuchen. Der Bankenrettungsfonds hat in mehreren Schritten rund fünf Milliarden Euro in seinen Aktienanteil an der Commerzbank investiert. Der durch die jüngsten Übernahmegerüchte ausgelöste Kurssprung ist für den Bund also nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%