Geschäftszahlen Doppelstrategie der Commerzbank zeigt Wirkung

Der Niedrigzins zwingt Deutschlands zweitgrößte Bank zu einem radikalen Sparkurs. Er treibt ihr aber auch scharenweise neue Kunden in die Hände.

Der Sparkurs bei der Commerzbank zeigt erste Erfolge. Das Sparen geht aber weiter Quelle: REUTERS

Bei der Commerzbank machen sich der Umbau des Geschäfts und der harte Sparkurs bemerkbar. Im ersten Halbjahr konnte das Unternehmen 130.000 neue Kunden gewinnen, bis 2016 sollen es eine Million mehr sein. Dabei hilft die dank rekordniedriger Zinsen steigende Nachfrage nach privaten Immobilienkrediten. Der rege Zulauf ist aber auch einer teuren Marketingkampagne zu verdanken sowie einem glücklichen Händchen von Martin Blessings PR-Strategen bei der Auswahl der überraschend erfolgreichen Fußballnationalmannschaft als Werbeträger.

Gleichzeitig muss die Commerzbank auf der Kostenseite gegen den von der Europäischen Zentralbank verordneten Niedrigzins ankämpfen – wie andere Banken auch. Das Ergebnis stieg im ersten Halbjahr zwar auf 300 Millionen Euro, nach einem Minus von 58 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Damals hatten Restrukturierungskosten etwa in Form von Abfindungen für massenhaft entlassene Mitarbeiter schwer zu Buche geschlagen.

Bank of America muss 17 Milliarden Dollar Strafe zahlen
Bank of AmericaWankende Großbanken brachten das Weltfinanzsystem 2008 an den Rand des Zusammenbruchs. Dubiose Hypotheken-Deals hatten den Weg dafür bereitet. Doch die Vergangenheit holt die Geldhäuser ein - der Bank of America (BoA) droht nun gar die höchste Strafe aller Zeiten. Dem „Wall Street Journal“ zufolge steht das Finanzinstitut kurz vor einem Vergleich mit dem US-Justizministerium über knapp 17 Milliarden US-Dollar (rund zwölf Milliarden Euro), davon neun Milliarden Dollar in bar. Das wäre der höchste jemals bezahlte Betrag in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung zwischen der US-Regierung und einem Unternehmen. Bereits im März musste BoA 9,5 Milliarden Dollar nach einer Klage der Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency zahlen. Die US-Behörden sind bei der Bestrafung von Großbanken nicht eben zimperlich - zumindest, wenn es um Geldstrafen geht. Welche Banken ebenfalls Rekordgeldbußen zahlen mussten, erfahren sie auf den folgenden Seiten. Quelle: REUTERS
Goldman SachsDie US-Großbank hat die Finanzkrise trotz viel Kritik an ihren Geschäftsmethoden vergleichsweise gut überstanden. Ende August 2014 handelte das Geldhaus mit den US-Aufsichtsbehörden und den Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac, die im Zuge der Immobilien- und Finanzkrise von der US-Regierung mit insgesamt 187 Milliarden Dollar gerettet werden mussten, einen Vergleich aus. 2005 und 2007 hatte Goldman Sachs den beiden Gesellschaften zusammengeschnürte minderwertige Immobilienkredite verkauft. Laut Einigung muss Goldman diese Papiere für 3,15 Milliarden Dollar zurückkaufen. Damit zahlt die Bank 1,2 Milliarden Dollar mehr, als die Kreditportfolios derzeit wert sind. Quelle: REUTERS
CitigroupDie Citigroup leistet für fragwürdige Hypothekengeschäfte eine sieben Milliarden Dollar schwere Abbitte. Nach Ansicht der US-Justiz hatte die Bank den Käufern verschwiegen, wie schlecht es um die in verbrieften Wertpapieren enthaltenen Hauskredite gestanden habe. Wie die US-Großbank mitteilte, zahlt sie 4,5 Milliarden Dollar an US-Behörden und gewährt zudem Finanzierungshilfen und -erleichterungen für Hausbauer im Wert von 2,5 Milliarden Dollar. Der Vergleich verhagelt der Citigroup das zweite Quartal. In dem Zeitraum verbucht die Bank eine Vorsteuerbelastung von 3,8 Milliarden Dollar. Mit dem Vergleich hätten sich alle anhängigen zivilrechtlichen Hypothekenermittlungen erledigt, erklärte Bankchef Michael Corbat. Der Vergleich erlaube der Bank, sich „auf die Zukunft zu fokussieren, nicht auf die Vergangenheit“. Quelle: dpa
CommerzbankWie die "New York Times" berichtet, droht der Commerzbank wegen mutmaßlicher Verstöße gegen US-Sanktionen eine Geldstrafe von mindestens 500 Millionen Dollar (370 Millionen Euro). Die Commerzbank hatte bereits eingeräumt, dass sie wegen ihrer Geschäfte mit Ländern wie dem Iran im Visier der US-Behörden steht. Wann die Verhandlungen mit den US-Behörden abgeschlossen sein werden, ist noch unklar. Quelle: dpa
Die französische Großbank BNP Paribas steht wegen Sanktionsbruch und Geldwäschevorwürfen im Fokus der US- Justizbehörden. Laut einem Bericht des Wall Street Journal drohen der Bank Bußgelder bis zu einer Höhe von zehn Milliarden Dollar. Die Bank soll Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, Sudan, Kuba und andere Länder umgangen haben. Es wäre die zweithöchste Strafe, die je gegen eine Großbank verhängt wurde, die Höchststrafe wegen Geldwäsche lag bislang bei 1,9 Milliarden Dollar. Nachfolgend eine Reihe von Banken, die für verschiedene Vergehen schon Milliarden an Geldbußen zahlen mussten. Quelle: REUTERS
Gegen die britische Großbank Barclays verhängte die britische Finanzaufsicht die erste Geldstrafe wegen Manipulation des Goldpreises. Barclay zahlt 26 Millionen Pfund, überführte Barclays-Händler muss 96.000 Pfund Strafe zahlen und erhielt Berufsverbot. Wegen der Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor musste Barclays bereits im Sommer 2012 stolze 290 Millionen Pfund zahlen, umgerechnet 350 Millionen Euro. Der damalige Barclays-Chef Bob Diamond nahm kurz danach seinen Hut. Quelle: REUTERS
Die größte Schweizer Bank UBS zahlt rund 1,4 Milliarden Franken (1,16 Milliarden Euro) und damit die zweithöchste Geldstrafe, zu der eine Schweizer Bank jemals verdonnert wurde. Die UBS hatte zudem im Jahr 2009 wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung von US-Bürgern der Zahlung von 780 Millionen Dollar zugestimmt, dabei aber keine Schuld zugegeben. In Deutschland soll die UBS wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung 200 Millionen Euro Strafe zahlen. Ende 2012 musste die UBS wegen des sogenannten Zockerskandals eine Strafe von 36,7 Millionen Euro zahlen und erhebliche Kontrollauflagen erfüllen. Die Bank wird damit für "System-und Kontrollfehler" bestraft. Zugleich wurden der UBS durch die Schweizer Finanzmarktbehörde FINMA scharfe Kontrollen im Investmentbanking auferlegt. Ohne diese Mängel wären die betrügerischen Transaktionen des Händlers Kweku Adoboli früher entdeckt worden. Quelle: REUTERS

Blickt man allerdings auf die operativen Bereiche der Bank, also vor allem das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden, ging das Ergebnis im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 um mehr als sieben Prozent zurück. Denn die niedrigen Zinsen vermiesen der Bank bei der Wiederanlage ihrer Kundengelder die Erträge. Das Zinsniveau war im Vorjahr zwar auch schon niedrig, hat sich aber mittlerweile noch weiter nach unten bewegt.

Das Sparen geht weiter

Als Gegenmaßnahme hat die Commerzbank bereits einen großangelegten Stellenabbau in die Wege geleitet, der vor allem im personalintensiven Filialgeschäft Kosten sparen soll. Wie Finanzchef Stephan Engels heute angekündigt hat, wird das Sparen weiter gehen. Allerdings nicht in Form von Großprojekten wie in der Vergangenheit, sondern als kontinuierlicher Prozess. So gibt es bereits Gerüchte, wonach die Bank hunderte Stellen etwa aus der Finanzbuchhaltung in billigere Servicegesellschaften auslagern will. Engels weist allerdings darauf hin, dass die Bank diese Gerüchte nicht bestätigt hat.

Der Finanzchef geht davon aus, dass das Zinsniveau noch für einen längeren Zeitraum niedrig bleiben wird. Das setzt die Bank zwar unter Kostendruck, treibt ihr aber auch zahlreiche neue Kunden in die Filialen, die günstige Baufinanzierungen abschließen wollen. Das Neugeschäft bei privaten Immobilienkrediten stieg im zweiten Quartal auf 2,7 Milliarden Euro und übertraf damit das bereits starke Vorquartal sogar noch um 18 Prozent.

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An ihrer Filialstruktur will die Commerzbank nach Darstellung von Finanzchef Engels trotz des hohen Kostendrucks festhalten. Tiefe Einschnitte in das Netz und Filialschließungen, wie zuletzt bei der HypoVereinsbank angekündigt, soll es nicht geben.

Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung der Finanzbranche fährt die Bank eine Doppelstrategie. Sie steckt einerseits Geld in neue Software für das mobile Banking per Smartphone oder Tabletrechner und möbelt ihr Kundenportal im Internet auf. Zudem ermöglicht sie ihren Kunden, immer mehr Finanzprodukte auch online abzuschließen. Gleichzeitig soll das Filialnetz bestehen bleiben, damit die persönliche Beratung etwa bei den derzeit stark gesuchten Immobilienkrediten weiter flächendeckend möglich bleibt.

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