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Gesprengte Geldautomaten Die Ohnmacht der deutschen Banken

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Automatenhersteller: Deshalb sind Farbpatronen kein Allheilmittel

In einigen Fällen bleibt das komplette Bargeld oder zumindest ein Teil davon am Tatort zurück, weil die Sprengung nicht stark genug war oder die Täter fliehen mussten. Was passiert dann mit den Geldkassetten?

Wenn Banknoten bei den Sprengungen aufgrund der Hitze verkohlt wurden oder mit Tinte eingesprüht wurden, schicken die betroffenen Banken ihre Geldkassetten an die Bundesbank. Im Nationalen Analysezentrum für beschädigtes Bargeld wird die Summe im Labor erfasst und den Banken zurück erstattet. „In diesem Jahr gab es schon eine zweistellige Zahl an Fällen, bei denen bei uns Geldkassetten nach Sprengungen eingereicht wurden“, teilt das Institut auf Anfrage mit.

Wer baut die Geldautomaten für deutsche Banken?

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmen RBR gab es 2014 rund 59.000 Geldautomaten in Deutschland. Marktführer in Deutschland ist der MDAX-Konzern Wincor Nixdorf aus Paderborn. Zwei Drittel der Automaten in Deutschland stammen von dem Unternehmen, pro Stück kosten sie zwischen 15.000 und 20.000 Euro. Das US-Unternehmen NCR Corporation stellt 26 Prozent aller deutschen Geldautomaten.

Sind die Automaten gegen Gasangriffe geschützt?

Nein, sagt der Sicherheitsexperte eines Sparkassenverbands. „Automaten sind nur für Angriffe von außen geschützt.“ Nur neuere Automaten seien mechanisch verstärkt, um Sprengungen von innen zu verhindern. Ein Sprecher von Wincor Nixdorf sagte auf Anfrage, dass der deutsche Automatenhersteller schon seit fünf Jahren sprengsichere Tresore für Geldautomaten anbiete. Diese Zusatzfunktion mache einen neuen Automat etwa 10 Prozent teurer, das entspricht rund 2000 Euro. Der wesentliche Vorteil bestehe darin, dass mit dem sprengsicheren Tresor sowohl das Bargeld, als auch das Gebäude vor Kollateralschäden geschützt sei. Allerdings kann das System nicht in bestehenden, sondern nur in neuen Automaten verbaut verwenden.

Gibt es denn kein Unternehmen, das jetzt eine Technik speziell gegen Gasangriffe anbietet?

Doch, und zwar ein kleines Familienunternehmen, das seit mehr als 140 Jahren Tresore baut: Stacke in Aachen. Das 50-Mann-Unternehmen hat in diesem Jahr gemeinsam mit der Firma Secu aus Meinerzhagen im Sauerland das sogenannte EAM-Kit entwickelt. Die Abkürzung steht für „Energieabsorbierende Module“. Das sind spezielle, wanddicke Matten, die in den kühlschrankgroßen Tresor von Geldautomaten eingebaut werden (s.Foto). Glaubt man einem Mitarbeiter aus dem Vertrieb, gehen die Aufträge für die Nachrüstung von Tresoren gerade reihenweise ein: „Fast alle Banken in Deutschland haben sich schon bei uns gemeldet. Das Produkt ist im Moment ein Selbstläufer.“ Mindestens 150 Aufträge hätten Banken schon für die Nachrüstung von Geldautomaten erteilt, sagte Michael Duisberg, Produktmanager der Sicherheitsfirma Secu.

Tresor Quelle: Secu

Das Produkt ist ein gemeinsames Projekt von dem Automatenhersteller Wincor Nixdorf, dem Tresorbauer Stacke, dem Sicherheitsspezialisten Secu und der Provinzial Versicherung. Banken, die mit dem EAM-Kit ihre Sicherheit aufrüsten wollen, zahlen pro Geldautomat rund 3000 Euro. Ein Sicherheitsexperte des Sparkassenverbandes sagt, dass das Produkt von Stacke und Co. der bisher pragmatischste Schutz gegen Sprengungen sei.

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