Gewinneinbruch um 94 Prozent Deutsche Bank verlängert Vertrag von Co-Chef Fitschen bis 2017

Schwache Geschäfte im Investmentbanking und weitere milliardenschwere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten haben der Deutschen Bank einen Gewinneinbruch eingebrockt.

Die größten Risiken und Probleme der Deutschen Bank
Libor-Skandal Über Jahre versuchten internationale Großbanken den Referenzzins zu manipulieren, um höhere Gewinne zu erzielen. Daran waren auch Beschäftigte des Dax-Konzerns beteiligt. Mehrere Investmentbanker der Deutschen Bank mussten gehen. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war auch Jain, der seit Jahren das Investmentbanking verantwortet. Die drei Konkurrenten Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS mussten bereits hohe Strafen zahlen. Das droht auch der Deutschen Bank. Quelle: dpa
Kirch-ProzessIm Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch wurde die Bank vom Münchner Oberlandesgericht grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Die Höhe steht noch nicht fest. Die Bank wehrt sich vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen den Schuldspruch, bildete in diesem Fall aber auch erstmals Rückstellungen. Die Kirch-Seite macht die Bank für die Pleite der Medienunternehmens 2002 verantwortlich und fordert gut zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Einen Vergleich lehnte die Deutsche Bank bislang ab. Im April sah sich das Institut zu einer außerordentlichen Hauptversammlung gezwungen, weil Kläger aus dem Kirch-Lager erfolgreich Beschlüsse des letzten regulären Aktionärstreffens im Mai 2012 angefochten hatten. Quelle: dapd
USADas Land ist einer wichtigsten Märkte für die Deutsche Bank. Die Politik dort will nun die Kapitalregeln für Auslandsbanken verschärfen. Das würde die Deutsche Bank besonders zu spüren bekommen. Zudem kämpft das Institut wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/08 mit zahlreichen Klagen. Oft geht es um Hypothekengeschäfte. Quelle: AP
AbbausparteDer Bereich wird auch als „Bad Bank“ der Deutschen Bank bezeichnet. In der Sparte hat sie alle Geschäfte und Anlagen geparkt, von denen sie sich trennen möchte. Dazu gehören auch einige verlustreiche Ladenhüter wie das einst von der Bank finanzierte Kasino Cosmopolitan in Las Vegas und der US-Hafenbetreiber Maher, die schon seit Jahren auf einen Verkauf warten. Der eigentlich schon vereinbarte Verkauf der Frankfurter BHF-Bank an die Finanzgruppe RHJ stockt seit Monaten, weil die Finanzaufsicht kein grünes Licht gab. Quelle: Presse
VermögensverwaltungGern hätte das Institut im vergangenen Jahr einen Großteil dieses Geschäfts verkauft. Die Verhandlungen verliefen aber im Sande, da die Gebote zu niedrig waren. Nun will die Bank die Sparte selbst weiterentwickeln. Doch die Konkurrenz wird größer. Immer mehr Institute buhlen um reiche Kunden in aller Welt, da dieses Geschäft als vergleichsweise stabil gilt. Die Deutsche Bank findet sich international in der Vermögensverwaltung bislang nur auf einem der hinteren Plätze. Quelle: REUTERS

Der Vorsteuergewinn sank im dritten Quartal auf 18 Millionen Euro von 1,1 Milliarden vor einem Jahr, wie der Branchenprimus am Dienstag mitteilte. Vor einem Jahr waren es noch 747 Millionen Euro. Damit fiel der Rückgang für den Zeitraum Juli bis Ende September deutlich stärker aus als von Analysten erwartet. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 51 Millionen. Für Rechtsstreitigkeiten legte die Deutsche Bank abermals 1,2 Milliarden Euro zur Seite. Damit beläuft sich die Vorsorge jetzt insgesamt auf über vier Milliarden Euro. Auch die branchenweite Flaute im Anleihehandel setzte dem Institut zu.

Die Kernpunkte der neuen Deutsche-Bank-Strategie

Analysten rechneten unter dem Strich mit einem Gewinnrückgang von gut 45 Prozent auf 410 Millionen Euro. Vor Steuern sollten 800 Millionen Euro stehen, 29 Prozent weniger als vor einem Jahr. Schwache Geschäfte mit Anleihen und neue Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten dürften die Ergebnisse im dritten Vierteljahr belastet haben. Einen kräftigen Dämpfer dürfte es im schwankungsanfälligen Investmentbanking gegeben haben. Co-Chef Anshu Jain hatte die Anleger bereits auf schwache Zahlen eingestimmt. Der deutsche Branchenprimus hat zahlreiche Rechtsstreitigkeiten vom Kirch-Prozess über den Libor-Skandal bis zu Hypothekengeschäften aus der Zeit vor der Finanzkrise. Teure juristische Altlasten hatten der Deutschen Bank schon im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch eingebrockt.

Jürgen Fitschen bleibt bis Anfang 2017 Co-Chef der Deutschen Bank. Der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns verlängerte den Vertrag des 65-Jährigen am Dienstag vorzeitig bis zum 31. März 2017. Das teilte die Bank in Frankfurt mit. Damit setzt Deutschlands größtes Geldhaus langfristig auf das seit Juni 2012 amtierende Führungsduo Anshu Jain/Jürgen Fitschen. Fitschen hatte zunächst einen Vertrag bis zur Hauptversammlung im Mai 2015. Darum war spekuliert worden, dass der Investmentbanker Jain die Bank danach alleine führen soll. Die Vertragsverlängerung für Fitschen hatte der Präsidialausschuss des Aufsichtsrates im September vorgeschlagen.

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