Goldman Sachs Ein Banker lässt Dampf ab

Der Gastbeitrag eines frustrierten Goldman-Sachs-Bankers in der „New York Times“ sorgte im März für weltweite Schlagzeilen. Greg Smith ging mit dem Wall-Street-Haus hart ins Gericht. Er warf seinen Kollegen vor, ihre Kunden abzuzocken. Nun kommt Smiths Buch heraus.

Das sind die besten Banken der Welt
Banken in 136 Ländern hat das US-Magazin „Global Finance“ für seine Rangliste der besten Banken 2012 unter die Lupe genommen. In die Wertung flossen dabei objektive Kriterien wie das Wachstum des verwalteten Vermögens oder die Profitabilität ebenso ein wie subjektive Einschätzungen von Bankberatern oder Analysten. Schließlich wurden in zwölf Kategorien Gewinner gekürt. Dies seien nicht immer die größten, aber sicher die besten Banken, betont das Magazin. Beste Sub-Depotbank: CitibankIn der Kategorie beste Sub-Depotbank wurde die Citibank ausgezeichnet. Die US-Großbank verfüge vermögensrechtlich über das größte Depot-Netzwerk der Welt und decke damit 61 Märkte sowie 98,5 Prozent der globalen Marktkapitalisierung ab. Als Sub-Depotbanken bezeichnet man Depotbanken, die von anderen Finanzinstituten in Ländern beauftragt werden, in denen diese selbst nicht tätig sind. Quelle: rtr
Bester Devisenhändler: Deutsche BankDie Deutsche Bank ist Dauer-Sieger in der Kategorie bester Devisenhändler. Das größte deutsche Finanzinstitut habe den größten, vielseitigsten und profitabelsten Devisenbereich aller Banken, heißt es bei „Global Finance“. Es ist nicht die einzige Kategorie, in der die Deutsche Bank gewonnen hat. Quelle: dapd
Bester Handelsfinanzierer: CitibankCitigroup-Chef Vikram Pandit kann sich auch in der Kategorie bester Handelsfinanzierer über einen Erfolg freuen. Citibank biete ihren Service in Sachen Handelsfinanzierung in 86 Ländern an und ermögliche es Unternehmen damit, in einer globalisierten Wirtschaftswelt und sich verschiebenden Handelsströmen stets über Geld zu verfügen. Quelle: dapd
Cash Management: CitibankUnd noch in einer dritten Kategorie siegt die Citibank. Auch beim Cash Management sieht „Global Finance“ die US-Großbank ganz vorne. Die entsprechende Sparte der Bank verfüge über eine beeindruckende Kundenliste, heißt es in der Begründung. Es umfasse multinationale Firmen ebenso wie Finanzinstitute, Regierungen und Notenbanken. Quelle: REUTERS
Beste Investmentbank: Goldman SachsDie bekannteste Investmentbank der Welt ist laut „Global Finance“ auch die beste. Vorstandschef Lloyd Blankfein und Goldman Sachs hätten im Jahr 2011 durch kreative Lösungen bei der Kapitalbeschaffung Marktanteile hinzugewonnen. Auf öffentlichen Aktienmärkten habe die Bank für ihre Kunden 54 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Keine andere Investmentbank komme an Goldman heran. Außerdem habe Goldman Sachs im zweiten Quartal 2012 trotz eines Rückgangs des Ergebnisses die Erwartungen der Analysten übertroffen. Quelle: dapd
Beste Depotbank: Bank of New York MellonLaut „Global Finance“ ist die BNY Mellon mit einer verwalteten Vermögenssumme von mehr als 27 Billionen Dollar die größte Depotbank der Welt. Die Bank habe die Prozessrisiken gemindert. Trotz eines Gewinneinbruchs im zweiten Quartal sei BNY Mellon die beste Depotbank der Welt. In einer Depotbank werden Sondervermögen wie Wertpapiere von Investmentfonds unabhängig verwahrt. Quelle: rtr
Beste Vermögensverwaltung: BlackrockDer US-Finanzdienstleister Blackrock gewinnt in der Kategorie beste Vermögensverwaltung. Blackrock sei mit 3,6 Billionen Dollar verwalteten Vermögens der größte Dienstleister der Welt in diesem Bereich. Das Geschäft mit der Beratung von Regierungen, Zentralbanken und Unternehmen in Sachen Risikomanagement floriere seit der Finanzkrise. Quelle: rtr

Auf dieses Buch hat die Wall Street seit Monaten gewartet: Greg Smith legt seine persönliche Abrechnung mit Goldman Sachs vor. Der Mann ist nicht irgendwer: Er hatte im März nach zwölf Jahren bei der berühmt-berüchtigten US-Investmentbank gekündigt und in einem Gastbeitrag in der „New York Times“ mächtig Dampf abgelassen. Die Kunden würden abgezockt und als „Muppets“ verspottet, schrieb Smith damals. Die Firmenkultur sei verroht, lautete sein ernüchterndes Fazit

Die Worte schlugen ein wie eine Bombe. Selten hatte ein Banker so über seinen (Ex-)Arbeitgeber hergezogen. Das Buch, das an diesem Montag erscheint, soll weitere Details preisgeben. Es heißt wörtlich übersetzt „Warum ich Goldman Sachs verlassen habe“. Die deutsche Fassung, die am 2. November herauskommt, titelt allerdings reißerischer: „Die Unersättlichen. Ein Goldman-Sachs-Banker rechnet ab.“ Der Verlag verspricht einen „einzigartigen Blick hinter die Kulissen des Wall-Street-Giganten“.

Das Buch ist noch nicht draußen, da tobt schon eine PR-Schlammschlacht in den Vereinigten Staaten. Goldman Sachs spielte der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg die Ergebnisse eines internen Untersuchungsberichts über Greg Smith zu. Darin wird sein Abgang in ein für ihn wenig schmeichelhaftes Licht gerückt: Wenige Monate zuvor habe Smith eine Gehaltsverdoppelung auf eine Million Dollar im Jahr gefordert sowie eine Beförderung. Beides sei abgelehnt worden.

Er hatte gehofft, sein Gastbeitrag wäre ein Weckruf

Nun steht die Frage im Raum: Haben Greg Smith edle Motive geleitet oder war es platte Rache? Smith geht in einem Interview mit dem bekannten US-Fernsehjournalisten Anderson Cooper in die Offensive: Er habe sein Herzblut in die Arbeit bei Goldman Sachs gesteckt und gehofft, sein Gastbeitrag wäre ein Weckruf für das Management. „Denn es gibt viele Leute, die die Dinge intern eingestehen, aber niemand wagt es, sich öffentlich zu äußern.“ Als Verrat sehe er sein Auftreten nicht an.

Ist das Buch die ganze Aufregung überhaupt wert? Ein paar Exemplare kursierten bereits Tage vor dem Erscheinen unter der Hand. Die Kritiken fielen eher durchwachsen aus. Das Internetportal Politico meinte, das Buch enthalte wohl eher keine Enthüllungen über Goldman Sachs' Geschäftspraktiken, die die Bank in Bedrängnis bringen könnten. „Und die Geschichten übers wilde Feiern werden kaum überraschen.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%