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Goldman Sachs und JP Morgan Den US-Banken gehen die Ausreden aus

Die Zahlen bleiben schlecht: Nach der Citi Group und der Bank of America bleiben auch Goldman Sachs und JP Morgan unter den Erwartungen. Das Problem: Begründen können sie das schlechte Abschneiden kaum noch.

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Goldman Sachs war die letzte Hoffnung der Anleger. Doch nach JP Morgan, Bank of America und Citi Group blieb auch Goldman Sachs unter den Erwartungen. Quelle: ap

San Francisco Bitte! Nicht auch noch Goldman Sachs! Flehende Blicke an der Wall Street auf die Nachrichten-Terminals am Freitagmorgen. Goldman Sachs, Goldstandard der amerikanischen Finanzwelt, legte Quartalszahlen vor, und es kam wie befürchtet. Mit einem Minus von 29 Prozent auf 1,22 Milliarden Dollar präsentierte das Finanzhaus den schärfsten Verfall bei den Handelsaktivitäten in Anleihen, Währungen und Rohstoffen der gesamten Branche. Der Rest hatte bereits am Donnerstag ein unterirdisches Vierteljahr  ausgewiesen.

Citi Group, JP Morgan und Bank of America zeigten unisono weit unter den Erwartungen liegende Zahlen, Wells Fargo schaffte nur knapp das versprochene Ergebnis. Überall ging es vor allem mit den Handelsaktivitäten kräftig abwärts. Ein Bereich, der früher den Unternehmen satte Gewinne und den Händlern gigantische Boni eingebracht hatte. Am Freitag sollte Goldman die Ehre der Branche retten und patzte. Die Aktie verlor zum Handelsstart am Freitag mit minus 1,6 Prozent deutlich an Boden.

Insgesamt sank der Umsatz bei Goldman um zwölf Prozent auf 7,69 Milliarden Dollar, das Nettoergebnis gab um sieben Prozent auf 2,17 Milliarden Dollar nach. Das lag „über den Erwartungen“ der Analysten, hieß es am Freitag an der Wall Street. Aber die hatten ihre Erwartungen im Vorfeld auch kräftig zusammengestutzt.

Das Problem der Branche: Ihr gehen die Ausreden aus. War 2013 die Fed mit Nullzins-Politik und Anleihekäufen noch Schuld am lustlosen Wertpapierhandel und mageren Erträgen, waren es 2014 zunächst Prozesse und riesige Strafzahlungen, die das Geschäft verhagelt hatten. Doch im vierten Quartal war die Belastung mit Strafzahlungen vergleichsweise gering. Einzige Ausnahme: Citi Group, die wegen einer Vorsorge von 3,5 Milliarden Dollar für Strafzahlungen und Rechtskosten einen Gewinneinbruch um 86 Prozent hinnehmen mussten.

Trotzdem sackten die Gewinne durch die Bank ordentlich ab. Und auch auf der Umsatzseite sah es nicht rosig aus, vor allem im Handel mit Festverzinslichen, Währungen und Rohstoffen. Hier prangte bei Bank of America ein Minus von 21 Prozent, Citi fuhr 16 Prozent weniger ein, JP Morgan 23 Prozent und Goldman sogar Minus 29 Prozent. Jetzt sind „die Märkte“ Schuld oder genauer gesagt „die Volatilität“, also die Kursschwankungen. Normalerweise, so die gängige Lehre, animiert hohe Volatilität Anleger dazu ihre Positionen umzuschichten und gute Gelegenheiten zu nutzen. Am Ende bedeutet das mehr Gebühren für die Bank.

Doch John Gerspach, Finanzchef der Citi, sieht auf einmal gute und schlechte Volatilitäten am Werk. Und die „schlechten“ hätten diesmal überwogen, die Kunden verängstigt und zur Zurückhaltung veranlasst. Die Kollegen der anderen Banken stimmten am Donnerstag dem weitgehend zu. Schuld sind also eigentlich „die Märkte“. Scharfe Kursausschläge bei Öl, Devisen oder Anleihen haben Banker und Kunden offenbar überfordert.


Kosten reduzieren klappt nicht

Da bleibt nichts anderes, als die Kosten zu senken, Goldman kappte im Jahresvergleich den operativen Kostenblock um 14 Prozent im Quartal, die Bank of America rühmt sich selbst, das „größte Kostensenkungsprogramm der Branche“ gefahren zu haben. Die operativen Ausgaben hätten den tiefsten Stand seit der Übernahme von Merrill Lynch erreicht. Bankfilialen wurden und werden geschlossen und unrentable Aktivitäten abgestoßen.

Trotzdem lag der Quartalsgewinn um elf Prozent unter dem des Vorjahres. Citi Group schaffte kaum Kostenreduktion, erhöhte dafür aber Gebühren für die Kunden, etwa im Retail-Banking.

Besonders an einem Kostenfaktor ist aber schwer zu arbeiten: den Personalkosten, mit Gehältern, Zusatzleistungen und vor allem Bonuszahlungen. Dafür verwendet Goldman Sachs übers Jahr gesehen fast 37 Prozent des gesamten Umsatzes.

Für die kommenden Monate zeigen sich Analysten in ersten Einschätzungen eher zurückhaltend. Denn wenn Volatilität ein Problem ist, dann ist spätestens seit Donnerstag und der Kernschmelze des Euros nach dem Schweizer Schlag gegen die Finanzmärkte erst einmal mit anhaltender „schlechter“ Volatilität zu rechnen.

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