Greenwashing-Vorwürfe gegen DWS Die Deutsche Bank muss durch die grüne Hölle gehen

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat Ärger mit der Fondstochter DWS Quelle: imago images

Der Rücktritt von DWS-Chef Asoka Wöhrmann ist der bisher schwerste Schlag für das Werk von Konzernchef Christian Sewing. Das mühsam erarbeitete Vertrauen steht auf dem Spiel.

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Es passte schon fast zu perfekt. Mit dem Umbau der Wirtschaft und insbesondere der Finanzindustrie hin zu mehr Nachhaltigkeit schien Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing das große Thema seiner Amtszeit gefunden zu haben. Ein Thema, das inmitten von Rückbauten und immer neuer Sparwellen Zukunft und Wachstum versprach. Ein Thema, bei dem europäische Banken der sonst so übermächtigen US-Konkurrenz deutlich voraus waren. Und vor allem ein Thema, mit dem sich die über Jahre von Skandalen erschütterte Deutsche Bank als sauber präsentieren konnte – im wahrsten Sinne des Wortes. Ob aus Kalkül, Überzeugung oder beidem – der Nachhaltigkeitsblock nahm in nahezu jeder Wortmeldung Sewings beachtlichen Raum ein.

Umso heftiger erschüttern die Ereignisse der vergangenen 24 Stunden nun die Bank. Aus dem grünen Traum ist das Institut jäh in die grüne Holle abgestürzt. Schuld daran sind möglicherweise unsaubere Geschäfte der Fondstochter DWS. Sie könnte in großem Stil Anlagen als nachhaltig dargestellt haben, die es tatsächlich gar nicht sind. Deshalb durchsuchten Dienstagmorgen Beamte von Staatsanwaltschaft, BKA und Finanzaufsicht die Räume von DWS und Deutscher Bank. Dass die Strafverfolgungsbehörde anschließend mitteilte, Indizien für Kapitalanlagebetrug nachzugehen, machte deutlich klar, wie ernst die Sache zu nehmen war. Mitten in der Nacht kündigte die Bank dann an, dass DWS-Chef Asoka Wöhrmann in der kommenden Woche zurücktreten wird. Die entsprechende Mitteilung verschickte sie um 4.01 Uhr. Der Abgang des Managers soll nicht durch den Polizeieinsatz ausgelöst, aber womöglich beschleunigt worden sein. Wöhrmann selbst begründete seinen Rückzug in einer internen Mail mit „Anschuldigungen, die in den vergangenen Monaten gegen die DWS und mich erhoben wurden.“ Diese hätten Spuren hinterlassen – „wie unbegründet oder unhaltbar sie auch sein mögen.“

Tatsächlich musste sich Wöhrmann auch für von privaten Adressen versandte Nachrichten und seine Rolle bei der Beteiligung der Bank an einem Fintech des Autohändlers Auto1 rechtfertigen. Dennoch kommt die aktuelle Eskalation durchaus überraschend. Die Greenwashing-Vorwürfe gegen die DWS stehen seit einem Jahr im Raum, erhoben hat sie die von der Fondsgesellschaft entlassene Nachhaltigkeitschefin Desiree Fixler. Seitdem haben Behörden in Deutschland und den USA ermittelt, zuletzt aber war es um das Thema ziemlich ruhig geworden. In Details schien sich die Sicht der DWS durchzusetzen, die sich von Beginn an für unschuldig erklärte. So scheiterte Fixler etwa mit einer Klage gegen ihre Entlassung vor dem Arbeitsgericht. Und selbst Fixlers Umfeld verwies zuletzt vor allem darauf, dass der DWS durch die Ermittlungen in den USA noch Ungemach drohen könnte.



Dabei waren Merkwürdigkeiten offensichtlich. Wöhrmann hatte sich gerühmt, einen „in unserer Branche einzigartigen Ansatz zur Integration von Nachhaltigkeitsaspekten gefunden zu haben.“ In dessen Folge schoss die Summe der ESG-Investments im Abschluss 2020 in die Höhe. Auch wenn sie die Vorwürfe Fixlers stets bestritten hat, ist die DWS nun zu einem konservativeren Ansatz zurückgekehrt. In ihrem Abschluss für das Jahr 2021 reduzierte sich die Summe der als nachhaltig (ESG) eingestuften Anlagen dadurch um 75 Prozent. Ein Schuldeingeständnis sollte das freilich nicht sein. Richtig sauber wirkte das Manöver aber auch nicht.

Aber war es auch juristisch relevant? Bisher fehlen klare regulatorische und gesetzliche Vorgaben zu der Frage, was nachhaltig ist und was nicht. Dass die Behörden in Deutschland nun trotzdem vorgeprescht sind, ist für die DWS umso bitterer. Und auch wenn sich die Deutsche Bank bemüht, das Thema als Angelegenheit der Fondsgesellschaft darzustellen, ist auch sie unmittelbar betroffen. Sie hält weiter rund 80 Prozent der Anteile, Privatkundenchef Karl von Rohr steht an der Spitze des DWS-Aufsichtsrats

Damit steht nicht weniger als die Aufbauarbeit der vergangenen vier Jahre auf dem Spiel. Schon vor vier Wochen waren Beamte bei der Deutschen Bank eingerückt, da ging es um einen möglichen Fall von Geldwäsche. Solche Polizeieinsätze sollten eigentlich der Vergangenheit angehören und gefährden all die vertrauensbildenden Maßnahmen, mit denen Sewing die Bank – durchaus erfolgreich – wieder unter den angesehenen Unternehmen Deutschlands etablieren wollten. Und während die Geldwäschevorwürfe sich noch mit technischen Unzulänglichkeiten erklären lassen, zielt das Thema Greenwashing ins Herz von Sewings Läuterungsversprechen. Der Eindruck, dass die Bank ihren Kunden wieder Produkte verkauft, die nicht ansatzweise halten, was sie versprechen, ist fatal.      

Auch deshalb musste Sewing jetzt mit voller Kraft die Notbremse ziehen. Mit Wöhrmann trennt er sich von einem Manager, der über Jahrzehnte zu seinen engsten Vertrauten zählte und den er immer wieder in Schutz genommen hatte. Auch in der DWS war der Chef beliebt, die Fondsgesellschaft lieferte unter ihm stets sehenswerte Ergebnisse ab.

Dass er die Führung der DWS nun Stefan Hoops anvertraut, zeigt, wie ernst Sewing die Sache nimmt. Der Manager gilt seit Jahren als kommender Mann in der Deutschen Bank, wird wegen seines ausgeprägten Ehrgeizes intern aber durchaus auch kritisch gesehen. Mit der Unternehmensbank leitete er bisher das von Sewing zum Kernsegment des Instituts erkorene Geschäftsfeld. Nach in den vergangenen Jahren durchwachsenen Ergebnisse sollte dieser Geschäftsbereich nun dank steigender Zinsen ernten, was er zuvor gesät hat. Mit dem Briten David Lynne übernimmt sie nun ein Manager, der zuletzt in Asien gearbeitet hat.

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Die von Sewing propagierte Rückwendung zu den deutschen Unternehmen als Kernkunden verkörpert er deshalb auf den ersten Blick kaum. Auch das zeigt, wie sehr sich die Prioritäten in der Bank binnen Kurzem verschoben haben. Und was auf dem Spiel steht.

Lesen Sie auch: Greenwashing: Nachhaltigkeitsfonds im Visier der US-Börsenaufsicht

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