Großbritannien Ohne moralischen Kompass

HSBC-Chef Gulliver und zwei ehemalige britische Außenminister sind Beispiele für ein legales aber zynisches Verhalten, das die Glaubwürdigkeit der Banken und der britischen Institutionen untergräbt .

"EZB hat völliges Neuland betreten"
„Der Handlungsspielraum der EZB ist mehr homöopathisch“Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hält die Wirkung weiterer Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) für sehr begrenzt. „Der Handlungsspielraum der EZB ist mehr homöopathisch“, sagte das Mitglied des Sachverständigenrates der Bundesregierung dem Südwestrundfunk. Ein Leitzins, der noch näher bei null liege, und ein Strafzins für Geschäftsbanken, die überschüssiges Geld bei der EZB parken wollten, stellten als Konjunkturimpulse keine schweren „Geschütze“ dar. Um die Wirtschaft im Euroraum zu beleben, sollten die Politiker darüber nachdenken, wie man die Investitionsanreize stärken kann, sagte Bofinger: „Dass also mehr Kreditmittel auf den Märkten von Investoren aufgenommen werden, und dann steigen auch die Zinsen wieder.“ Eine Hauptkritik aus Deutschland an der Politik des billigen Geldes ist, dass das niedrige Zinsniveau die Sparer belaste. Quelle: dapd

"Halten Sie sich eigentlich wirklich für den Richtigen, um den Kulturwandel in ihrer Bank umzusetzen?", wurde HSBC-Chef Stuart Gulliver bei der Vorlage der Ergebnisse für das Jahr 2014 von einem Reporter des Wall Street Journal, das nicht gerade als Kampfblatt der Linken gilt, gefragt. Der 55jährige Brite, der das globale Geldhaus seit vier Jahren leitetet, zögerte keine Sekunde bevor er mit einem klaren Ja antwortete und dann in rasender Geschwindigkeit seine bisherige Bilanz bei der Sanierung der Bank herunterspulte. Er habe die Kosten gekürzt, mehr als 70 Geschäftsbereiche verkauft, die Zahl der Mitarbeiter von 310.000 auf 257.000 reduziert. Doch leider half ihm das alles nichts: denn am Morgen hatte der Guardian berichtet, dass Gulliver selbst bei der wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung heftig kritisierten Schweizer Tochter der HSBC ein Konto unterhielt, das auch noch im Namen einer in Panama registrierten Firma eröffnet worden war. So selbstbewusst Gulliver auch auf alle kritischen Fragen reagierte - ein schlechter Nachgeschmack blieb am Ende - und das nicht nur, weil die Bank für 2014 einen um rund 17 Prozent reduzierten Gewinn ausweisen und das Renditeziel für die nächsten Jahre senken musste.

Der Kampf der EZB gegen die Krise

Schließlich hatte sich die HSBC erst in der vergangenen Woche in großformatigen Zeitungsanzeigen für die Vorgänge bei der Schweizer Tochter entschuldigt, die jahrelang wohlhabenden Kunden, darunter Drogen- und Waffenhändlern und dubiosen Politikern, mittels komplizierter Tricks und intransparenter Konten geholfen hatte, Steuern zu hinterziehen. Und das war ja nur die Spitze des Eisbergs: schon vorher war die HSBC wegen Geldwäsche von mexikanischen Drogengeldern und auch im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal wegen der Manipulation von Zinssätzen sowie wegen fragwürdiger Praktiken im Devisenhandel von den Aufsichtsbehörden in den USA gemaßregelt und mit Bußgeldern belegt worden. Am Montag kam ein weiterer Skandal hinzu: die US-Rohstoffaufsicht untersucht die HSBC nun auch im Zusammenhang mit dem Edelmetallhandel der Bank.

Zehn goldene Regeln für die Selbstanzeige

So klang Gullivers erneute Entschuldigung bei der Vorlage der Ergebnisse hohl: Der Steuerskandal sei eine Quelle der Scham erklärte er den Journalisten erneut. Doch was seine eigenen Angelegenheiten anging, zeigte er keine Reue sondern verteidigte das merkwürdige Arrangement sogar. Das fragliche Konto in der Schweiz habe er Ende der 90er Jahre eröffnet als er bei der HSBC in Hongkong tätig war. Dort seien seine Boni eingezahlt worden, denn er wollte verhindern, dass seine Hongkonger Kollegen die genaue Höhe seiner Prämien im internen Abrechnungssystem abrufen konnten, rechtfertigte er sich. Umgekehrt habe er auch verhindern wollen, dass die HSBC-Mitarbeiter in der Schweiz Einsicht in seine Gehaltsstrukturen erhielten, weswegen das Konto dann offiziell auf eine Gesellschaft in Panama lief. Nach seinem Umzug nach London vor zwölf Jahren habe er dann freiwillig auf sein gesamtes Einkommen Steuern gezahlt - obwohl er rein rechtlich gar nicht dazu verpflichtet gewesen wäre.

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