Halbjahreszahlen Rechtsstreitigkeiten verhageln Deutscher Bank erneut Ergebnis

Die Deutsche Bank hat wegen hoher Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten im zweiten Quartal überraschend wenig verdient. Der Vorsteuergewinn schrumpfte auf 792 (Vorjahreszeitraum: 967) Millionen Euro.

Die Deutsche Bank hat weniger verdient als erwartet. Quelle: dpa

Das teilte das Institut am Dienstag mit. Befragte Analysten hatten im Schnitt knapp 1,3 Milliarden Euro erwartet. Zwar lief das Investmentbanking in den Frühjahrsmonaten wie bei den US-Rivalen rund. Doch das konnte dem Konzernergebnis nicht helfen. Für Rechtsstreitigkeiten legte die Deutsche Bank weitere 630 Millionen Euro zurück. Damit liegen die Rückstellungen jetzt bei insgesamt drei Milliarden Euro.

Dafür schreibt sich das Institut auf die Fahnen, die wichtige Kapitalquote sprunghaft von 8,6 Prozent im ersten Quartal auf zehn Prozent im zweiten Quartal gesteigert zu haben. Der Überschuss nach Steuern halbierte sich gegenüber dem Vorjahr auf 334 Millionen Euro, von Bloomberg befragte Analysten hatten im Schnitt mehr als das doppelte erwartet.

Die größten Risiken und Probleme der Deutschen Bank
Libor-Skandal Über Jahre versuchten internationale Großbanken den Referenzzins zu manipulieren, um höhere Gewinne zu erzielen. Daran waren auch Beschäftigte des Dax-Konzerns beteiligt. Mehrere Investmentbanker der Deutschen Bank mussten gehen. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war auch Jain, der seit Jahren das Investmentbanking verantwortet. Die drei Konkurrenten Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS mussten bereits hohe Strafen zahlen. Das droht auch der Deutschen Bank. Quelle: dpa
Kirch-ProzessIm Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch wurde die Bank vom Münchner Oberlandesgericht grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Die Höhe steht noch nicht fest. Die Bank wehrt sich vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen den Schuldspruch, bildete in diesem Fall aber auch erstmals Rückstellungen. Die Kirch-Seite macht die Bank für die Pleite der Medienunternehmens 2002 verantwortlich und fordert gut zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Einen Vergleich lehnte die Deutsche Bank bislang ab. Im April sah sich das Institut zu einer außerordentlichen Hauptversammlung gezwungen, weil Kläger aus dem Kirch-Lager erfolgreich Beschlüsse des letzten regulären Aktionärstreffens im Mai 2012 angefochten hatten. Quelle: dapd
USADas Land ist einer wichtigsten Märkte für die Deutsche Bank. Die Politik dort will nun die Kapitalregeln für Auslandsbanken verschärfen. Das würde die Deutsche Bank besonders zu spüren bekommen. Zudem kämpft das Institut wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/08 mit zahlreichen Klagen. Oft geht es um Hypothekengeschäfte. Quelle: AP
AbbausparteDer Bereich wird auch als „Bad Bank“ der Deutschen Bank bezeichnet. In der Sparte hat sie alle Geschäfte und Anlagen geparkt, von denen sie sich trennen möchte. Dazu gehören auch einige verlustreiche Ladenhüter wie das einst von der Bank finanzierte Kasino Cosmopolitan in Las Vegas und der US-Hafenbetreiber Maher, die schon seit Jahren auf einen Verkauf warten. Der eigentlich schon vereinbarte Verkauf der Frankfurter BHF-Bank an die Finanzgruppe RHJ stockt seit Monaten, weil die Finanzaufsicht kein grünes Licht gab. Quelle: Presse
VermögensverwaltungGern hätte das Institut im vergangenen Jahr einen Großteil dieses Geschäfts verkauft. Die Verhandlungen verliefen aber im Sande, da die Gebote zu niedrig waren. Nun will die Bank die Sparte selbst weiterentwickeln. Doch die Konkurrenz wird größer. Immer mehr Institute buhlen um reiche Kunden in aller Welt, da dieses Geschäft als vergleichsweise stabil gilt. Die Deutsche Bank findet sich international in der Vermögensverwaltung bislang nur auf einem der hinteren Plätze. Quelle: REUTERS

„Der Markt erwartet ein gutes Quartal im Investmentbanking“, hatte Ingo Frommen, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg vor Bekanntgabe der Zahlen gesagt. Es gebe eine positive Entwicklung bei den Kosten – so kürzt die Bank die Vergütung der Mitarbeiter, trennt sich von riskanteren Anlageformen und verlagert Personal an billigere Standorte. Doch Frommen zweifelte, dass die Sparmaßnahmen schon im jüngsten Quartal voll zum Tragen kämen, da die Bank immer noch Geld für ihre Umstrukturierung ausgeben müsse und auch die Ungewissheit rund um die Rechtsstreitigkeiten des Instituts weiter bestünde.

Im zweiten Quartal erhöhte die Bank die Rückstellungen für gerichtliche Auseinandersetzungen auf drei Milliarden Euro. Zu den Verfahren, die die Bank mit sich herumschleppt gehört die jahrelange Auseinandersetzung um die Insolvenz der Kirch-Mediengruppe. Aber auch die Manipulationen des wichtigen Zinssatzes Libor zählen dazu.

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Jain hatte im Juni die Erträge der Bank in den ersten beiden Monaten des zweiten Quartals als ordentlich bezeichnet. Dazu beigetragen hätten solide Ergebnisse im Investmentbankengeschäft. Niedrige Zinsen und Margendruck in einigen Regionen und Geschäftsfeldern belasteten jedoch die Erträge, sagte Jain.

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