Hauptversammlung Maue Bilanz für Jain und Fitschen

Seit einem Jahr mühen sich Anshu Jain und Jürgen Fitschen um einen Kulturwandel bei der Deutschen Bank. Die Bilanz der Chefs überzeugt nicht. Das dürfte auch den Aktionären auf der morgigen Hauptversammlung sauer aufstoßen.

Die beiden Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain müssen sich auf der morgigen Hauptversammlung den Fragen der Aktionären stellen. Quelle: dpa

Der Stoff hätte auch für einen mehrstündigen Krimi gereicht. Geheime Abhörprotokolle, nachgestellte Gesprächsszenen und haufenweise Ermittler, die die Zwillingstürme der Deutschen Bank stürmen. Das ZDF zeigte am Dienstag in seiner Dokumentation "Unheimliche Geschäfte" eindrücklich, wie viele Baustellen sich die größte deutsche Bank mittlerweile zu Eigen gemacht hat. Besonders eindrücklich arbeitet die Dokumentation die Vorwürfe zum Umsatzsteuerbetrug auf.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

"Wo soll das noch hinführen", sagt ein Mitarbeiter im nachgestellten Gespräch, ungläubig angesichts der eingefahrenen Gewinne. "Das weiß ich auch nicht", sagt seine Kollegin - kurz darauf sieht der Zuschauer, wie die Polizei zu Durchsuchungen bei der Bank einmarschiert. Mitarbeiter der Bank stehen unter Verdacht, in den Umsatzsteuerbetrug beim Handel mit CO2-Skandalen verwickelt zu sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, auch gegen Co-Chef Jürgen Fitschen, der die entsprechende Umsatzsteuererklärung unterschrieben haben soll.

Zwar deckt die ZDF-Doku keine neuen Skandale auf. Aber allein die Tatsache, dass sie zur besten Sendezeit läuft signalisiert, dass bei Deutschlands größtem Geldinstitut vieles im Argen liegt. Das dürften auch die beiden Chefs, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, zu spüren bekommen, wenn sie sich auf der morgigen Hauptversammlung den Fragen der Aktionäre stellen.

Denn auch Jain ist von Altlasten betroffen. Besonders im Zusammenhang mit den Manipulationen um den Interbankenzins Libor steht der Inder in der Kritik. Denn die fragwürdigen Geschäfte liefen im Investmentbanking ab, seinem früheren Verantwortungsbereich. Die Finanzaufsicht BaFin leitete wegen den Manipulationen im letzten Jahr eine Sonderprüfung ein - ließ aber bereits durchklingen, dass es keine Hinweise auf Verwicklungen der Vorstände gebe.

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